Dakar 2019: Tag 3 – Dünen, Dramen, Depressionen

 "Wir können uns hier keine taktischen Spielchen erlauben, dafür ist die Dakar heuer zu kurz. Attacke mit Hirn ist die Devise, die Konkurrenz ist im Prinzip fast gleichstark, nur individuelle Fehler oder eben das Pech entscheiden hier, wer vorne liegt und vorne bleibt", so einer der Favoriten, dem es im Moment nur mittelprächtig geht.

Diese Worte treffen den Charakter des dritten Tages exakt. Es begann kurz nach dem Start: Loeb (Peugeot) und Roma (Mini) verloren auf den ersten 100 Kilometern schon acht Minuten, dann fing sich der Franzose insgesamt 42 Minuten ein. Peterhansel (Mini Buggy) legte nach dem Pech des Vortages (eingebaggert) gleich stürmisch los, lieferte sich erst mit Al Rajhi (JCW-Mini) ein sehenswertes Duell, dann von WP zu WP einen begeisternden, fast sekundenexakten Zweikampf mit Al Attyah (Gazoo Toyota). Der Franzose gewann die Tageswertung und schob sich damit auf den dritten Gesamtrang vor (+ 07:30 min).

Dennoch war Al Rajhis Kampfeslust nicht umsonst: Er setzte sich gesamt auf Platz 2, direkt hinter Al Attyah. So liegen derzeit am dritten Tag mit den Plätzen 2, 3, 4, 5 und 6 gleich fünf Fahrzeuge aus Sven Quandts X-raid-Team in der Spitze. Giniel de Villiers (Gazoo-Toyota) hatte sich an einem im Tiefsand versteckten Felsbrocken die Ölwanne aufgerissen, das gesamte Schmiermittel in den Sand gekippt und verlor 4,5 Stunden. Sein Teamchef Glyn Hall: „Das war einfach Riesenpech, aber wenn ich an die morgige Marathon-Doppeletappe ohne Service und Biwak denke, bekomme ich weitere graue Haare, das ist einfach brutal. Mit Nasser (Al Attyah) und Ten (Brinke) haben wir aber noch zwei ganz heiße Eisen im Feuer“.

Robby Gordon fehlte abends im Biwak und kam auch nicht innerhalb der Karenzzeit an. Terranova (Mini) fehlt wegen gesundheitlicher Probleme. Die ersten Zehn liegen im Gesamtbild zwischen gut drei Minuten und bis zu einer knappen Stunde auseinander. Dennoch: Privatiers wie Domzala (Overdrive-Toyota) und Prokop (Ford F150) liegen noch unter dem ersten Dutzend: eine respektable Leistung!

Wie weit sich die ehemaligen Mitfavoriten Sainz (Mini Buggy), de Villiers (Gazoo Toyota), Loeb (Peugeot 3008 DKR) und Despres (Mini Buggy) noch weiter nach vorne kämpfen können, werden gerade die beiden nächsten Tage zeigen, wenn es nach der Schleife um die Stadt Tacna im Süden Perus wieder gen Norden Richtung Lima geht. Dann ist nämlich erst einmal Halbzeit.

Bilder: Eric Vargiolu, Antonin Vincent, Teams