Auto-Geschichte(n): H-Kandidaten für 2019

Der politische „Wind of Change“ fegte vor 30 Jahren mit Sturmgewalt durch die Autolandschaft. Dort wirbelte er billige Ost-Modelle wie den tschechischen Skoda Favorit (Werbeslogan „Zum Küssen preiswert“), den sowjetischen Aleko alias Moskwitsch 2141 („Die Kraft des Ostens“) und auch den Wartburg 1.3 mit VW-Viertaktmotor in den Westen Deutschlands, während er zugleich Opel den Weg frei machte für die Anfang 1990 startende Vectra-Fertigung in Eisenach. VW leistete derweil Pionierarbeit mit der Produktion des Polo im sächsischen Zwickau, Renault installierte für neue Modelle wie den R19 das erste flächendeckende Vertriebsnetz einer Westmarke in der DDR.

Offen sein für Neues, lautete die Devise des Jahres 1989. Genau das nahm sich die Open-Air-Fraktion besonders zu Herzen. Nicht nur, dass der Mazda MX-5 den klassischen Roadster revitalisierte und der Mercedes SL (R 129) mit automatisch ausfahrendem Überrollbügel beeindruckte. Auch der von vielen totgeglaubte Wankelmotor wagte sich erstmals in ein Großseriencabrio, den Mazda RX-7. Dieser Kreiskolbenläufer konkurrierte mit frisch gemachten Sonnenkönigen wie dem ultrakostspieligen Rolls-Royce Corniche III und dem ewig jungen Alfa Romeo Spider der Serie IV sowie dem Porsche 944 S2 Cabriolet.

Die Kreativität aller Asiaten in der Konstruktion andersartiger Fahrzeugkonzepte war beeindruckend und spornte die europäischen Hersteller an, die Autowelt selbst neu zu vermessen. Das Ergebnis? Extravagante Designikonen wie der Citroen XM, rasante Businessjets nach Art des Opel Lotus Omega, schnelle Selbstzünder-Sparer in Form des ersten Audi 100 TDI, Understatement im präsidialen Fuhrpark durch den Peugeot 605. Und natürlich kleine Dauerbrenner wie der Ford Fiesta. Ein Cityflitzer, den es wenige Jahre später sogar wahlweise mit Mazda-Logo gab.

Fotos: Hersteller