Schaeffler: An der Schwelle des Wandels

Rund 70 Prozent aller Neuwagen, so die Annahme und perspektivische Unternehmensausrichtung von Schaeffler, werden im Jahr 2030 elektrifiziert sein. „Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2030 rund 30 Prozent der weltweit neu zugelassenen Fahrzeuge von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden, 40 Prozent von einem Hybridantrieb und 30 Prozent rein elektrisch“, schilderte Matthias Zink, Vorstand Automotive der Schaeffler AG, die Kalkulation des Zulieferers bei einem Workshop zum Thema Elektromobilität.

Das weltweit operierende Unternehmen hatte angesichts des bisher erfolgten und künftig noch viel intensiver werdenden Booms im Bereich der Elektromobilität zu Beginn des Jahres einen eigenen Unternehmensbereich gegründet. Damit gebe man diesem Themenfeld nicht mehr nur einen Forschungs- und Entwicklungs-, sondern vielmehr einen unternehmerischen Charakter, betonte Zink. Schaeffler bündele darin „sämtliche Produkte und Systeme für Hybride und rein elektrisch betriebene Fahrzeuge einschließlich deren Engineering.“ Gleichwohl verliere man die Weiterentwicklung der Verbrennungstechnik, insbesondere des Dieselmotors, aber nicht aus den Augen: Der Dieselmotor sei für das Erreichen künftiger CO2-Ziele nach wie vor unabdingbar.

Das im fränkischen Herzogenaurach beheimatete und weltweit operierende Unternehmen verschließt sich ausdrücklich keinem Weg in die Zukunft, aber auch nicht den konventionellen Pfaden. „Es ist viel zu früh, die Verbrenner-Strategie aufzugeben“, sagt Matthias Zink, der CEO Automotive. Es gehe dem Unternehmen vor allem darum, „neue Ideen und neue Produkte in die Wirkungskette zu integrieren“, sagt Zink und stellt unmissverständlich klar: „Wir wollen mehr sein als nur ein Lager- oder Komponentenhersteller.

So entwickelt und forscht Schaeffler auf vielen Gebieten, beispielsweise auf dem des synthetischen Kraftstoffes. „Wir sind dort in Forschungsprojekte eingebunden“, bestätigte Zink und spricht dieser Art des Kraftstoffs seine Bedeutung für die Mobilität von morgen vor allem auf einem bestimmten Feld nicht ab: „Synthetischer Kraftstoff kann vor allem ein Thema für den Schwerlastverkehr sein.“ Im Zuge der fortschreitenden Automatisierung gehe auch eine Aufwertung der Chassis-Produkte mit der Entwicklung einher: „Bis 2035, so glauben wir, werden einige Fahrzeuge auf dem Level 5.0 des Automatisierungsprozesses unterwegs sein.

Schaeffler, dessen frühe Kompetenz auf der Entwicklung mechanischer Getriebe fuße, habe eine „hohe kompakte Leistungsdichte“. Ab dem Jahr 2021 wolle man mit eigenen Elektromotoren in Produkte einsteigen, sagt Zink und betont: „Jede Art von Rekuperieren macht Sinn.“ Auch dem Thema Brennstoffzelle verschließe man sich nicht: „Das schauen wir uns an, betrachten Wirkungsgrade, Kosten und den Aufbau einer Infrastruktur.“

Dass Hybridfahrzeuge, die ihre Energie beiderseits Verbrenner und Elektromotoren beziehen, „an der Schwelle der Revolution zum Antrieb“ in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielen werden, bekräftigte Dr. Jochen Schröder, Leiter des neu geschaffenen Unternehmensbereiches Elektromobilität. Mild-Hybride reichten auf diesem Weg kurzfristig nicht mehr aus, aber: „Das Hybridkonzept wird keine Übergangserscheinung sein. Denn ohne voll- oder teilelektrisierte Fahrzeuge werden die gesetzlichen Vorgaben nicht mehr zu erfüllen sein.“

Abbildung: Schaeffler