Buchtipp – Adler: Darüber spricht man nicht

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Wer viel unterwegs ist, riskiert auch seine Gesundheit. Ausdrücklich zitiert Dr. med. Yael Adler einen Bekannten mit einer ausgesprochenen Aversion gegen Hotelzimmer. Zum Beispiel.

Adler, Hautärztin mit eigener Praxis in Berlin, hat schon mit ihrem Erstling Haut nah bewiesen, wie man seriös, anschaulich und mit (bisweilen krachendem) Humor über Medizin schreiben kann. Gerade dieser Humor, ihre Freude am Wortspiel und die Zuhilfenahme von Illustrationen (kongenial mit von der Partie: Katja Spitzer) unterscheiden ihre Bücher von denen anderer Autoren – obwohl es inzwischen viele Mediziner gibt, die sich auf schriftliche Patienteninformation ohne hinderliche Fachsprache verstehen.

Fakt ist: Wir sind umgeben von zahlreichen potentiellen Krankheitserregern. Die können uns unschöne, auch delikate Infektionen bescheren und sind besonders da vertreten, wo wir besonders viel mit anderen Menschen zu tun haben – das Schwimmbad sei als Klassiker beispielhaft genannt.

Fakt ist aber auch: Manches, was sich an Mikroben in unserer Umwelt tummelt, richtet keinen Schaden an. Oder nur dann, wenn die Abwehr schwächelt, was wiederum etliche Gründe haben kann. Ein Beispiel: Schuppen gehören zum Haarwachstum dazu. Ob sie sich dann zum rieselnden Ärgernis (und damit zur Peinlichkeit) entwickeln, hängt von vielen Faktoren ab.

Als Rezensent empfiehlt sich der sparsame Umgang mit Superlativen. Vieles spricht dafür, dass aber dieser angebracht ist: Nie zuvor hat ein Facharzt derart locker über Fälle aus seinem Fachgebiet geschrieben – und dann noch so, dass die Ernsthaftigkeit der Themen nie aus dem Blick gerät.

Denn: Manches, was uns so ereilt, ist harmlos – eine Verfärbung am Fingernagel, ein Fleck oder Knoten auf der Haut. Es kann aber auch der Vorbote zu einer ernsten Krankheit sein. Oder unnötig kompliziert, wenn der spät erfolgende Arztbesuch eine intensive Behandlung nötig macht und bei rechtzeitigem Handeln eine einfache Therapie genügt hätte. Auffallend ist, wie häufig Yael Adler die Rolle von Mikronährstoffen im Körper betont (die wir üblicherweise mit der Nahrung aufnehmen oder es zumindest sollten). Nicht nur da, auch mit praktischen Alltagstipps (als Hausmittel gegen Schwitzen lange bewährt, inzwischen aber offenbar auch belegt: das Trinken von Salbeitee) zeigt sie, dass ihr Verständnis von Heilkunst sie auch über den Tellerrand blicken lässt, ohne deswegen umstrittene Verfahren zu propagieren.

Nicht zuletzt ist Yael Adlers Buch, ausdrücklich wie auch zwischen den Zeilen, ein Plädoyer für die sprechende Medizin, in dem Fall besonders für den sprechenden Patienten: Schamhaftes Schweigen schadet nur unnötig und ist zudem unbegründet. Denn der Doc (bzw. die Ärztin) haben ihrerseits Schweigepflicht. Gerade unter dem Aspekt ist Darüber spricht man nicht ein Mutmacher im besten Sinne.

Dr. med Yael Adler: Darüber spricht man nicht. Droemer Verlag; 16,99 Euro.

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