Buchtipp – Pabst: Ich sehe das, was ihr nicht seht

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Eine blinde Strafverteidigerin. Als Vorstellung eine gute Möglichkeit, zu überprüfen, wie realistisch man selbst den Diskussions-Dauerbrenner Inklusion in der Praxis einschätzt. Beispielhaft dargestellt wird das derzeit in der Fernsehserie Die Heiland – Wir sind Anwalt, deren erste Folge gestern im Ersten lief. Die Serie unterscheidet sich von vergleichbaren Formaten schon durch ihr reales Vorbild: Pamela Pabst führt eine eigene Kanzlei in Berlin. Ihre eigenen Erfahrungen, jüngst als Taschenbuch erschienen, bilden die Basis der Verfilmung.

Ein Erlebnis aus der Kindheit, schreibt die 40-jährige Pamela Pabst selbst, habe ihren Wunsch zum Jurastudium geweckt. Wie sie ihn umgesetzt hat, das wird erzählt, als sei der Weg zur Anwaltszulassung seinerseits ein Krimi. Pathos sucht man vergeblich. Unsicherheit im Umgang mit einer Frau, die im herkömmlichen Sinne nicht sehen kann, haben wohl mehr diejenigen, die eben auf diese Weise sehen. Pabst selbst lässt keinen Zweifel daran, dass sie das, was sie erlebt, auf ihre Weise sieht. Und spricht klar aus, dass der naturgemäß fehlende optische Eindruck in ihrem Beruf eher Vorteil als Nachteil sein kann. Zumal zu ihren Klienten viele gehören, die mancher Jurist schlichtweg nicht verteidigen will. Auch Pabsts Entscheidung für ein solches Rechtsgebiet, Strafrecht eben, gehört zu den Vorzügen, die dieses Buch ausmachen.

Pamela Pabst: Ich sehe das, was ihr nicht seht. Eine blinde Strafverteidigerin geht ihren Weg. Herder Verlag; 12 Euro.

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