Dakar- Rallye: Was geschieht mit den Ex-Siegerautos?

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Einfach weiterverkaufen wäre wohl eine Option. Aber: In diesen Fahrzeugen stecken enorm viel Wissen und Supertechnik, die die Hersteller nur äußerst ungern in fremde Hände gelangen lassen wollen.

Volkswagen beispielsweise hatte seine Touareg-Flundern nach 3 Dakarsiegen im Keller der Vergessenen geparkt, wo sie nun ersten Staub ansetzen. Die Teams aus Fahrern- und Technikern wurden aufgelöst oder in anderen Bereichen untergebracht. Die BMW- basierten Mini des X- raid- Teams wurden überwiegend an Privatiers verkauft, einige auch vermietet. Dann folgten, quasi als EVO I oder EVO II, die John Cooper Works-Minis, in deren Zeit (sie sind noch aktuell!) auch der Mini- basierte Buggy entwickelt wurde. Der hat seine Feuertaufen recht gut absolviert und wird nur für die ganz großen und wichtigen Veranstaltungen eingesetzt. Er hat inzwischen nicht nur „das Laufen gelernt“, sondern überrascht auch bereits mit erfreulicher Zuverlässigkeit. So kann X-raid gewissermaßen zweigleisig fahren: 4×4 und 4×2. Toyota hatte 2016 begonnen, den erfolgreichen 4×4 Hilux- Pickup V8 zum Buggy, also auf einachsigen Antrieb, umzustricken, hatte ihn auch in Südafrika bei zwei Wüstenrennen eingesetzt…und dann das brandneue Projekt wieder abgeblasen. Ganz so einfach ist es folglich nicht, aus einem 4×4 ein 4×2 zu machen, nur indem man eine Achse weniger antreibt.

Lange Zeit war unbekannt, wie der Dreifach-Dakarsieger Peugeot mit seinen Ex-Fahrzeugen nach dem Rückzug 2018 verfahren würde. Da wurde kräftig spekuliert. Und Peugeot schwieg lange. Der französische Konzern hatte ja mit der Rallye-Version des bourgeoisen Familien-Vans 2008 seinen Einstand nach 25 Jahren Dakar-Absenz gefeiert, der ein Jahr später vom 3008 DKR erfolgreich abgelöst wurde, den dann wiederum ein Jahr später der 3008 DKR Maxi ebenfalls mit Erfolg ablöste. Drei Siege en suite genügten den Franzosen, um ihre Kompetenz zu beweisen, allerdings mit dem wohl stärksten Vierer-Team, das man zusammenkaufen konnte, darin der 13- fache Dakarsieger Stéphane Peterhansel, der zweifache Rallye-Exweltmeister Carlos Sainz, der neunfache Rallyeweltmeister Sébastien Loeb und der zweifache Motorrad-Dakarsieger Cyril Désprés. Peterhansel hatte ja bei X- raid demissioniert, nachdem er seinen 12. Sieg nicht in Südamerika feiern durfte auf dem Mini All4 Racing, weil Teamkollege Nani Roma kurz vor dem Ziel vom Teamchef vorbei gewunken wurde. Aus Vergrätzung wechselte der Altstar zu Peugeot und zahlte es den X-raid- Verantwortlich mit einem Peugeot-Sieg wahrlich heim. Peugeot gewann dann auch drei Mal hintereinander, die Fahrzeuge (4 Stück vom 3008 DKR und noch einige betagtere 2008 DKR) verschwanden im Tiefkeller.

Nun, so letzte Informationen, hat ein französisches Team namens Easy Rally drei dieser Peugeot 3008 DKR Maxi Fahrzeuge gekauft und das neue Team Easy Rally Raid gegründet. Dazu noch zwei Mercedes T5- Race- Trucks und einen MAN T4- Service- Truck. Ergänzt wird diese Armada durch etliche Rallye- Techniker aus den alten Teams und Tonnen von Ersatzteilen und Aggregaten, Peugeot will geistige Unterstützung des Projekts gewähren.

Die neuen Teamchefs sind nicht unbekannt: Jean-Denis Piccini und der achtfache Dakarteilnehmer Jean-Pascal Besson. Die erfolgreichen Ex- Peugeot-Fahrer Peterhansel, Sainz, Loeb und Déprés gehören derzeit nicht mehr zum Stamm. Der vierte Peugeot 3008 DKR Maxi wurde an das PH-Team in Frankreich verkauft, zudem noch einer der übrigen 2008 DKR. Als Fahrer konnte man den versierten Al Quassimi und den Ex-X-raid-Piloten Harry Hunt gewinnen.

Mal sehen, wie das alles zündet. Das französische Motorsport- Fachblatt Auto Hebdo allerdings meldete noch Zweifel an, ob diese Deals überhaupt erfolgreich verlaufen sind. Die neuen Eigner hingegen haben im Dorf Tossiat ein 2000 Quadratmeter großes Areal gekauft, um die neue Halle darauf zu errichten. Ziel: Alles parat haben, um die Saison 2019 erfolgreich anzugehen. Lassen wir uns überraschen…

Text: Frank Nüssel /CineMot
Quelle und Fotos: marathonrally.com, Teams