Rallye Deutschland: Erfüllter Traum für Marijan Griebel

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Europameister bei den Junioren ist er schon seit dem vergangenen Jahr. Jetzt will Rallye-Pilot Marijan Griebel auch bei den „Big Boys“ in der Weltmeisterschaft zeigen, was in ihm steckt. Gemeinsam mit seinem langjährigen Co-Piloten Alexander Rath aus Trier startet der Polizeibeamte aus dem Hunsrück ab Donnerstag bei seiner „Heimrallye“, der ADAC Rallye Deutschland als einziger Deutscher im 88 Autos starken Teilnehmerfeld in einem der leistungsstärksten Fahrzeuge; einem World Rallye Car (WRC).

Der Citroën DS3 WRC, den der 28jähirge ab Donnerstag bewegen wird, hat zudem eine ganz besondere Vorgeschichte: Es ist das ehemalige Dienstfahrzeug des neunfachen Weltmeisters und achtfachen „Deutschland“-Siegers Sébastien Loeb. „Mich mit ihm zu messen, wäre vermassen“ sagte Griebel bei der offiziellen Pressekonferenz zum neunten Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft.Eine Mischung aus Vorfreude und Anspannung verspürten Rath und Griebel vor dem Start. Die beiden fahren mit einer Pause von zwei Jahren seit 2010 gemeinsam Rallye. „Blindes Verständnis und absolutes Vertrauen zueinander“ müsse man haben, sonst könne man ein solches Projekt nicht angehen. Griebel bewegte den WRC bereits Anfang Juli erfolgreich als Gesamtsieger bei der Rallye Luxemburg. „Drei Tage später war Nennungsschluss für die Deutschland. Dank meiner Partner und Sponsoren ist es uns noch in der letzten Minute gelungen, einen Start im WRC für den deutschen WM-Lauf zu ermöglichen“, waren beide voller Vorfreunde.

„Alex bestreitet seine siebte, ich meine achte Deutschland. Wir kennen beide einen Teil der Prüfungen. Das kann ein gewisser Vorteil sein“, hofft Griebel. Der Hunsrücker ist der einzige „Heimschläfer“ der gesamten Rallye. 2013 fuhren die beiden gemeinsam in einem 140 PS starken Opel ADAM im ADAC Opel Rallye Cup schon einmal die ADAC Rallye Deutschland. „Dieser Einsatz ist natürlich eine ganz andere Hausnummer, aber die ganz speziellen Anforderungen in den Weinbergen kennen wir genauso wie die einmalige Stimmung bei den ultralangen Wertungsprüfungen oben auf der Panzerplatte vor Zehntausenden von Fans. Da kriegt man Gänsehaut.“

Ein ganz bestimmtes Ziel haben sie sich für ihren ersten Einsatz in einem World Rallye Car natürlich gesetzt. Obwohl Motorsport nur in den seltensten Fällen planbar ist, weil ein dummes gebrochenes 1-Cent-Teil alle akribischen Vorbereitungen zunichte machen kann. „Einfach nur ankommen und Spaß dabei haben, das ist kein Thema. Wenn es von Beginn an gut läuft, dann wollen wir auch in die Top Ten.“ Das Team aus der Region Hunsrück/Mosel wird als eines von 13 World Rallye Cars unter den 88 Autos mit der Startnummer 22 antreten. Und dabei Minutentakt mit den Werksteams von Ford, Hyundai, Toyota und Citroën, mit WM-Spitzenreiter Thierry Neuville, Weltmeister Sébastien Ogier und der versammelten Weltklasse die Weinberge an der Mosel und die berüchtigte Panzerplatte in Angriff nehmen.

Für beide wird damit ein lange gehegter Traum in Erfüllung gehen. Am Sonntagabend werden sie Bilanz ziehen können. „Erst einmal maximal erfolgreich durchkommen, unsere einmalige Chance beim Schopf ergreifen. Danach werden wir dann sehen, was die Zukunft möglicherweise noch bringen kann“, drücken sie vorerst auf die Euphorie-Bremse.

Text Jürgen C. Braun
Foto: Braun, Industrie