SiLkway-Rallye: Selektiv mit positiven Überraschungen

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Eigentlich sollte die SiLkway-Rallye über zwei Kontinente gehen: Europa und Asien. Dann gab es ein gewaltiges Logistik-Problem, weil in Russland, nahe der Grenze nach Asien, die Start- und Landebahnen – die hyperschweren Antonov- Riesen – zu schwach ausgelegt waren. Von hier aus sollte der Rücktransport der Fahrzeuge per Flugzeuge vorgenommen werden, um nicht den ewig langen Weg über tausende Kilometer auf der Straße in Kauf nehmen zu müssen. Also wurde die Veranstaltung quasi halbiert. Der erste Teil, also SiLkway I, wurde in Angriff genommen, Teil 2 soll im Herbst dann bis China gefahren werden.

Es ging also 7 Tage durch Russland über 3.570 Kilometer, von denen 2.327 gegen die Uhr gefahren werden sollten. Doch machte starker Regen einige Pisten derart sumpfig, dass selbst 4×4-Fahrzeuge darin stecken blieben. Der Veranstalter reagierte schnell und leitete um. Von Anfang an gab es ein ständiges Hin und Her in der Spitze: Da hatte sich zur grenzenlosen Überraschung der Teilnehmer ein französisch-belgisches Team (Serradori/Lurquin) auf einem MCM- Buggy (nur einachsig angetrieben!) mächtig nach vorne geschoben. Mathieu Serradori fährt den Buggy mit einem Dodge V10-Triebwerk, das regelkonform 350 PS aufweist. Unter 6 Sekunden beschleunigt dieser Kraftprotz von 0 auf 100 km/h.

Währenddessen plagten sich die eigentlichen Favoriten Yazeed Al Rajhi/Timo Gottschalk auf einem JCW- Rally Mini des X-raid-Teams und Nasser Al Attiyah auf dem bewährten Toyota Hilux Pickup sich anfangs mit diversen Problemchen herum und warteten ab. Auch Nani Roma zählte zu den Mitfavoriten auf gleichem Arbeitsgerät wie Al Rajhi, aber ein gesundheitlicher Vorfall zwang ihn am 2. Tag, die Strecke vorzeitig zu verlassen, um ärztliche Hilfe im Camp in Anspruch zu nehmen. Der Veranstalter verhängte dafür eine Buße von etwa 110 (!!) Stunden Strafzeit, was den Spanier ans Ende des Feldes warf. Dann aber zeigte der Dakar- Ex-Sieger, was er an Potenzial zu bieten hat, legte Tag um Tag vordere Plätze zwischen 1 und 5 hin und schob sich unter dem Strich noch auf Rang 19. Meisterlich.

Die selektiven Streckenelemente führten zu vielen Ausfällen unter den Autos, so dass die Plätze 4 und 5 der Gesamtwertung an zwei russische Piloten auf Can-Am- Quads gingen! Al Rajhi gewann, Al Attiyah lag über eine Stunde hinter ihm im Ziel, und Serradori hatte sich gute 5(!)Stunden mit seinem MCM-Buggy auf die Spitze eingefangen: Welten!

Als der ehrenwerte Rest der Gestarteten auf den Roten Platz in Moskau einbog, war ihnen die Erleichterung anzumerken. Ob nun der Veranstalter auch eine SiLkway II auf die Beine bekommt, bleibt erst einmal dahingestellt. Nächste Frage wäre dann: WER hat noch die Lust und die Barmittel, um diesen teuren Spaß mit zu gehen?

Text: Frank Nüssel/CineMot

Fotos: Serradoni Pictures, X-Raid, Veranstalter

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