Eifelrennen der Moderne: Über 20.000 Fans bei Nürburgring Classic

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Der historische Motorsport boomt und erfreut sich ständig steigender Beliebtheit. Auf (fast) allen großen Rennstrecken werden in immer kürzeren Abständen Vintage-Veranstaltungen ausgetragen. Das Garagengold als Museum zum Schauen und Staunen aber auch als Sportobjekt: Beides verbinden seit vielen Jahren Histo-Treffen wie der Oldtimer Grandprix das AvD auf dem Nürburgring, das Jim-Clark-Revival auf dem Hockenheimring, auch das Eifel Rallyefestival mit den spektakulärsten Boliden aus der Geschichte der Rallye-Weltmeisterschaft. Zehntausende von Fans pilgern zu den Kultobjekten der vergangenen Jahre und Jahrzehnte.

Seit dem vergangenen Jahr ist ein neues Event hinzugekommen und der hat sich bereits in diesem Jahr bei seiner zweiten Auflage zu einem echten Highlight im Kalender erwiesen: Die Nürburgring Classic wurde im vergangenen Jahr anlässlich des 90. Geburtstags der legendären Rennstrecke in der Eifel aus der Taufe gehoben. Die dreitägige Neuauflage am vergangenen Wochenende hat das ganze Potenzial dieses PS-Festivals der Vergangenheit gezeigt. Unter der Federführung des Düsseldorfer Automobil und Motorclub (DAMC 05) hat sich ein prächtiges Spektakel des historischen Motorsports entwickelt, das in die Fußstapfen einer der ganz großen „Hausnummern“ am Nürburgring getreten ist.

Die „Nürburgring Classic“ treten seit dem vergangenen Jahr die Erbfolge des Eifelrennens an. Ein Rennen, älter als die legendäre Nordschleife selbst, gefahren schon in den Jahren von 1922 bis 1926, später Träger eines Unikats: Das „Eifelrennen“ war die erste motorsportliche Herausforderung, die auf der Süd- und der Nordschleife des Nürburgrings gefahren wurde und sollte es auch bleiben. In den 1980er Jahren brachte das Eifelrennen die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft, die Formel 3000, Rennwagen der Gruppe C genauso wie die Rahmenserien von Formel 3, Renault-5-Elf-Pokal oder Porsche-Carrera-Cup auf dem Ring zusammen. Bis 2004 Schluss war mit dem Eifelrennen herkömmlicher Art.

Unter der Ägide des DAMC 05 tritt es jetzt unter der Firmierung „Nürburgring Classic“ die Erbfolge eines der traditionsreichsten Rennen in der langen Geschichte der wohl weltweit schönsten und schwierigsten Rennstrecke an. Das neue Format, das hat sich am vergangenen Wochenende bei seiner zweiten Auflage gezeigt, hat nicht nur Vergangenheit. Es ist sehr lebendig in der Gegenwart und hat auch eine Zukunft. Dafür stand die Zahl von mehr als 700 Fahrzeugen aus zehn verschiedenen Rennserien von Freitagmorgen bis Sonntagabend auf beiden Kursen (Grandprix-Strecke und Nordschleife) sowie mehr als 20.000 Schaulustige, von denen der Veranstalter nach dem Ende der beeindruckenden Histo-Parade berichtete.

Die Nürburgring Classic haben in beeindruckender Weise gezeigt, dass nicht nur große Namen wie der „Oldtimer Grandprix“ des Automobilclubs von Deutschland die Freunde des historischen Rennsports an die Rennstrecken locken. Es müssen beileibe nicht immer (nur) Boliden der Formel 1 aus den 1960er bis 1980er Jahren sein, die die Zuschauer in ihren Bann ziehen.

Die Tourenwagen-Classics erinnerten an diesem Wochenende an alte DTM-Zeiten mit Prinz Leopold „Poldi“ von Bayern, Klaus Ludwig, Jonny Cecotto, Harald „Nippel“ Grohs und an andere kompromisslose Vertreter der Bleifuß-Fraktionen. Die Original Boliden von Mercedes-AMG, BMW M GmbH , Opel Motorsport und Alfa Romeo ließen diese wilden Tage des Rundstreckensports noch einmal aufleben. Youngtimer-Trophy, FHR Langstrecken-Trophy, 100 Meilen Trophy und Canadian-American Challenge Cup boten ein wunderbar buntes Kaleidoskop von Auseinandersetzungen auf beiden Kursen.

Im alten Fahrerlager standen die „Veteranen“ aus der Vorkriegszeit. Sie kündeten von der Blütezeit heutzutage längst von der Bildfläche verschwundenen Marken wie Riley, Lagonda, Hotchkiss oder Delage. Das „neue Eifelrennen“ mit seiner einzigartigen Ausrichtung wird auch im nächsten Jahr an gleicher Stelle wieder über die Bühne gehen: Vom 24.-26. Mai 2019 heißt es wieder „Gentlemen, start your engines.“

Text und Fotos: Jürgen C. Braun