Kadett E GSI: Auf den Spuren von Altkanzler Schmidt

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Das wäre heute so nicht mehr vorstellbar: Ein älterer Herr im gesetzten Alter von immerhin 73 Lenzen betritt 1991 das Autohaus eines Opel-Händlers in Hamburg und interessiert sich für einen Kadett E GSI. Dieser sportliche Kompakte mit – für damalige Verhältnisse – strammen 115 PS begeistert insbesonders jüngere Menschen, passt aber so gar nicht recht in die engere Auswahl von älteren Herrschaften. Doch der Mann kauft den Golf GTI-Konkurrenten und das Besondere daran: Dieser Mann war ein Mann von Welt, kein Geringerer als unser Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt.

Das Kürzel GSI hat bei Opel übrigens eine lange Tradition und steht für sportlich und alltagstauglich. 1984 sorgten erstmals der Manta GSI und Kadett E GSI für Fuore. Später gab es den Astra und auch den Corsa noch als GSI-Versionen. 2012 war zunächst Schluss, doch seit kurzem ist das Opel Flaggschiff Insignia wieder mit dem Kürzel GSI zu haben. Der Corsa GSI mit 150 PS-Top-Triebwerk steht bereits in den Startlöchern und kommt noch im Sommer auf den deutschen Markt.

Aber zurück zu unserem fünften Regierungschef in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Auf der diesjährigen ADAC Hessen-Thüringen vom 31. Mai bis 2. Juni 2018 konnte die KÜS-Redaktion eben jenen Kadett GSI fahren und wandelte auf den Spuren von Altbundeskanzler Helmut Schmidt (23.12.1918, verstorben 10.11.2015). Wer war Helmut Schmidt eigentlich? Bundeskanzler, des deutschen liebster Politiker, Buchautor und Weltenerklärer. Seine Beliebtheit machte die Kombination aus großem Wissen, einem Schuss Arroganz, hanseatischer Noblesse und letzten Endes auch seine Bescheidenheit aus. Ausdruck vom Letzterem der wahrlich nicht noble Bungalow in Hamburg und sein Auto: kein Porsche, kein Mercedes nein ein Opel Kadett E GSI! Sie glauben das nicht, wir sind sogar damit gefahren! Helmut Schmidt kaufte sich mit 73 Jahren den schwarzen Kadett E GSI. Von 1991 bis 1996 war der Kompaktwagen im Privatbesitz des Altbundeskanzlers. Der Kadett E war ein Fahrzeug für die Masse: Insgesamt wurden zwischen 1984 und 1991 von diesem Modell knapp 3,8 Millionen Einheiten verkauft.

109 Oldtimer gingen in diesem Jahr bei der Hessen-Thüringen an den Start. Zwischen den Opel Rallye-Klassiker wie dem 1971er Kadett B Kulläng mit Le-Mans-Sieger und Opel-Markenbotschafter Jockel Winkelhock am Volant und der Rallye-Ikone Commodore B GS/E, der von Bob-Olympiasieger und -Weltmeister Andre Lange gesteuert wurde, fuhr unser Kanzler-Kadett durch den Thüringer Wald und die Thüringer Porzellanstraße rund 430 Kilometer und absolvierte Gleichmäßigkeitsprüfungen. Beim damaligen Kadett waren Aerodynamik und Leichtbauweise angesagt. Der knapp 975 Kilogramm leichte Sportflitzer setzt dem Fahrtwind für damalige Verhältnisse mit einem hervorragenden cw-Wert von 0,30 nicht viel entgegen. Den Zündschlüssel einmal umgedreht leuchtet im digitalen Tacho das Mäusekino auf und es kann losgehen. Unter der Motorhaube werkelt ein Zweiliter-Vierzylinder-Benzinmotor mit 115 Pferdestärken. Der Motor brummelt relativ leise und kultiviert vor sich hin bis das Gaspedal durchgetreten wird. Dann fährt der windschnittige Sportler seine Krallen aus und zeigt seine Spurtkraft bis hin zur Spitzengeschwindigkeit von 208 Stundenkilometern. Das ist allerdings bei einer Oldtimerfahrt weniger gefragt. Ein kurzübersetztes Fünfgang-Schaltgetriebe, das sich knackig schalten lässt, bringt die Kraft auf die Vorderräder und sorgt für ein flottes Vorankommen.

Bei der 24. ADAC Oldtimerfahrt Hessen-Thüringen rund um Weimar starteten von Opel Classic in diesem Jahr Rallye-Klassiker aus der langen Motorsporthistorie der Marke mit dem Blitz. Vom klassischen Kadett B bis hin zum weltmeisterlichen Ascona 400 war alles dabei. Le-Mans-Sieger Jockel Winkelhock lenkte den berühmten 1971er Kadett B von Anders Kulläng, mit dem der schwedische Pilot vier Jahre lang erfolgreich durch die Rallye-WM driftete- Bob-Olympiasieger Andre Lange pilotierte die Rallye-Version des Commodore B GS/E. Außerdem konnte das bereits erwähnte Kraftpaket Ascona B 400 – mit dem Walter Röhrl 1982 für Opel die Rallye-Weltmeisterschaft holte – sowie ein Kadett C GT/E, ein Corsa A Cup und ein Kadett E GSI bestaunt werden. Am Rande der Oldtimer-Ausfahrt konnten die Zuschauer noch einen Blick auf den aktuellen Opel Rallye-Star – dem Adam R2 – werfen, der die Junioren-EM gewann.

Text: Guido Borck, Ute Kernbach
Fotos: Opel