Charlys PS-Geflüster

Liebe Leserin, lieber Leser

Eigentlich ist es ein Anachronismus: vor ein paar Tagen war ich von Berufs wegen auf einer Veranstaltung, bei der die neue Generation eines Elektro-Automobils vorgestellt wurde. Als ich mit einem Kollegen in diesem Fahrzeug unterwegs war, passierten wir auf einer Landstraße eine Tankstelle. Also eigentlich etwas, worauf wir mit einem Stromer nun wirklich nicht angewiesen waren. Aber der Blick des Kollegen aus dem Nordosten Deutschlands ging zwangsläufig Richtung Preis-Angaben. Und ich muss sagen, mir erging es nicht anders. Die Folge war dessen Frage: „Ist bei Euch der Sprit auch so teuer geworden in den vergangenen Wochen?“

Die gleiche Frage könnte ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, jetzt wohl auch stellen. „Ist bei Ihnen der Sprit auch so teuer geworden?“. Mitunter ist es nur das bloße Gefühl, dass Dinge des täglichen Bedarfs wieder beim Preis angezogen haben. Beim Einkauf im Supermarkt ergeht es uns sicherlich auch so. Manchmal aber ist es auch ganz schlicht und ergreifend ein Faktum, das wir nicht nachvollziehen können. Weil wir keine logische Erklärung dafür haben. Weder für den Preisanstieg noch für dessen Höhe. Das schlägt mitunter aus wie eine Amplitude, die sich selbstständig gemacht hat.

Im April soll der Preisanstieg beim Diesel um mehr als vier Prozent deutschlandweit angezogen haben. Warum, wieso, weshalb? Ich habe mal versucht, zu recherchieren. Ob eventuell die Fördermengen limitiert wurden. Ob es irgendwelche internationalen Verwicklungen gegeben hat oder noch gibt, die Turbulenzen an den Ölmärkten ausgelöst haben. Nichts dergleichen habe ich feststellen können. Außer, dass der Preis des Rohöls mal wieder angezogen hat. Aber eine Erklärung für diesen Umstand zu finden, ist mir dann auch nicht gelungen. Und an der (bisher noch nicht eingesetzten) Urlaubswelle kann es ja auch nicht liegen.

Bleibt uns also nur, den Ratschlag zu befolgen, den der ADAC angesichts dieser Konstellation mal wieder – wie fast immer bei hohen Spritpreisen – herausgegeben hat. Das heißt: Das Tanken sollte man am besten in die Nachmittags- und Abendstunden verlegen, denn dann sind Benzin und Diesel erfahrungsgemäß am günstigsten. Zudem, so der ADAC, empfehle es sich, kurz vor der Fahrt zur Tankstelle die günstigste in der Nähe zu suchen.

Für so was gibt es mittlerweile kostenlose Apps, die aber auch nicht immer zutreffen. Diese Erfahrung habe ich mal in Berlin gemacht, als ich auf dem Weg zur A9 Richtung Leipzig eine Tankstelle auf meiner Route vom Hotel zur Stadtgrenze gesucht habe. Als ich laut Google Maps dort ankam, sah ich anstelle der „Tanke“ ein Hinweis-Schild, dass demnächst ein Supermarkt eröffnen werde. Was mir im Moment aber auch nicht weiter geholfen hat.

Vielleicht sollten wir es einfach mit einer unerforschlichen Demut hinnehmen. Sowie der Münchener Fußball-Profi Thomas Müller, der – befragt nach den Gründen für das Ausscheiden in der Champions League gegen Real Madrid trotz besseren Spiels der eigenen Mannschaft – nur zu der Antwort fand: „Manchmal liegen Glück und Pech im Leben halt einfach eng beieinander.“

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende

Ihr Jürgen C. Braun