Mercedes-Pickup: Die neue X-Klasse.

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Ford, Isuzu, Mitsubishi, Nissan, Ssangyong und Toyota haben einen. Einen Pickup im so genannten Midsize-Format. Und seit gut vier Jahren Volkswagen auch. Audi hat keinen, plant wohl auch keinen, ebenso wenig wie BMW. Aber die Stuttgarter haben nun einen, den sie auf der IAA vorgestellt haben. Rein äußerlich keinesfalls das Macho-Image bedienend, eher an einen Pkw erinnernd, der Mensch, Koffer und Sportsachen sicher von A nach B bringt, gleich, wie der Untergrund ausschaut. Auf der Messe steht er als Doppel-Kabiner; eine Single Cab-Variante ist wohl auch angedacht.

Eine Tonne Nutzlast soll er auf der Ladefläche transportieren können, damit läge er, plus minus, auf dem Niveau der Konkurrenz. Bereits in den Mittneunzigern hatte man in Stuttgart an einer ähnlichen Modellvariante etliche Gedanken gewidmet, zumal ja zwei Jahre später die M-Klasse den Markt betrat und über Vierradantrieb(4Matic, so genannter variabler Kraftfluss an die jeweils mit Grip aufwartenden Räder) verfügte. Einer Kooperation mit Nissan ist es nun zuzuschreiben, dass die neue X-Klasse jetzt für die Serie bereit ist. Nur ist sie deshalb kein Nissan Navara mit einem Stern auf der (für einen Pickup) recht flachen Nase, sollte höherwertig ausfallen und entsprechende Klientel ansprechen. Und die hat auch genügend Bares, um sich den ersten echten Pickup aus Stuttgart zu leisten. Also mehr Lifestyle, Freizeit, Urlaub, Sport etc. denn als reines Nutztier.

Beim Anblick auf der Messe scheint es genau in diese Richtung zu gehen. Außer Deutschland sind für den Bau noch andere Länder (in Südamerika und/oder auf der iberischen Halbinsel) ins Auge gefasst, da die X-Klasse (X steht international für Allradantrieb) zum Global Player werden soll. Nur im eigentlichen Dorado dieser Fahrzeugspezies, in den USA, wird er wohl nicht aufkreuzen, da die dortige Philosophie Light Trucks, überwiegend mit V8-Triebwerken, bevorzugt: sie sind schlicht state of the art. Wenn da einer ankommt, der mit 6 oder gar nur 4 Zylindern aufkreuzt, sind ihm Spott und Häme ziemlich sicher. Solcherart will Mercedes nämlich den Pickup motorisieren, mit Hubräumen irgendwo zwischen 2000 und 3000 Kubikzentimetern, am besten wohl aus den Standard-Motorenregalen. Und damit folgt auch Mercedes im Prinzip der Herstellungsphilosophie seiner Konkurrenten.

Welche Art von Allradantrieb schlussendlich drin stecken wird, muss noch entschieden werden, den Beginn wird wohl die hausinterne Softlösung machen mit der 4Matic, die bereits in etlichen Pkw-Modellen des Hauses verbaut wird. Eine Getriebeuntersetzung (wie sie Halbbruder Nissan Navara aufweist) scheint derzeit nicht im Angebot. Was den Verdacht stärkt, dass es eben eher ein Lifestyle-Pickup werden wird, denn ein harter Arbeiter.

Konventionell wird die Hinterachse befestigt: als Starrachse an deren 5 Lenkern, was dauerhafte Sturz- und Spurwerte garantiert. Ein Leiterrahmen aus stabilen Stahlprofilen und strapazierfähige doppelte Querlenker an der Vorderachse weisen aber auch darauf hin, dass da wohl auch an andere Kraftmaschinen unter der Haube gedacht ist. So dürfen wir sicher schon den ersten X-Klasse-Mercedes Pickup als Sondermodell für die Klientel in Nah- und Mittelost erwarten, von AMG brillant modifiziert, einem V8 Biturbo mit knapp 600 PS und Breitreifen, die im Format Panzerketten entsprechen…
Der ginge dann garantiert sogar nach USA!

Text: Frank Nüssel/CineMot
Bilder: P. Pauletta/motori360.it