Fahrrad: In Utrecht entsteht Parkhaus der Superlative

Holland war schon immer Fahrradland, doch in den letzten Jahren hat der Zweiradverkehr in einigen Großstädten überhandgenommen. Das liegt auch daran, dass mancherorts das Auto zunehmend aus den Innenstadtbereichen verbannt werden soll. Die wachsende Zahl an Rädern ist allerdings zur logistischen Herausforderung geworden, der man in Utrecht mit einer über 17.000 Quadratmeter großen Tiefgarage unterm Bahnhof begegnen will. Immerhin fahren rund 40 Prozent der Pendler mit dem Rad zum Bahnhof. 6.000 davon können jetzt ihre Fahrräder in dem bereits eröffneten Parkhausbereich unterstellen. Bis Ende 2018 sollen 6.500 weitere Stellplätze hinzukommen.

Zur Orientierungshilfe bietet das Parkhaus mit unterschiedlichen Farben markierte Abschnitte mit durchnummerierten Plätzen. Wie in vielen Fahrradstationen üblich, werden die Räder auf zwei Ebenen übereinander geparkt. Oberhalb der am Boden parkenden Räder gibt es noch herausziehbare Schienen, auf denen sich ebenfalls Fahrräder abstellen lassen. Wer sein Fahrrad im neuen Parkhaus abstellt, muss für die ersten 24 Stunden keine Gebühren zahlen. Erst danach wird eine Tagesgebühr von 1,25 Euro pro Fahrrad erhoben. Das kostenlose Parken ist für die Pendler sicher ein weiterer Anreiz, auf das Auto zu verzichten. Dieser Anreiz könnte die Radfahrerquote unter den Pendlern weiter erhöhen, weshalb das eigentlich großzügig dimensionierte Parkhaus den (künftigen) Bedarf vermutlich nicht decken wird.

Mit seinem Parkhausprojekt ist Utrecht in Holland nicht allein. Auch in Den Haag, Amsterdam und Delft werden in naher Zukunft großzügig dimensionierte Fahrradzentren für bis zu 8.500 Stellplätze entstehen. Vergleichbare Probleme gibt es in Deutschland nur in der Stadt Münster. Dort befindet sich seit 1999 eine Radstation am Bahnhof mit immerhin 3.300 Plätzen, die allerdings längst nicht ausreicht, den Bedarf zu decken.

Text: Mario Hommen/SP-X
Fotos: cu2030.nl/SP-X