Liebe Leserin!
Lieber Leser!

\x09Autohändler, und damit sage ich weder Ihnen als Käufer noch dem Händler selbst etwas Neues, haben es derzeit nicht gerade leicht. Auf den Halden tummeln sich die Gebrauchten, die zurück genommen werden müssen, um im Geschäft zu bleiben. Viele Tageszulassungen verwässern die Bilanzen, und in Zeiten der Kooperationen zwischen den Herstellern fällt es nicht immer leicht, die eigne Identität auch nach außen hin zu bewahren. Dass ein gestandener Fiat-Mann sich einen sportlichen Alfa Romeo oder einen (mittlerweile leider dem Untergang geweihten) edlen Lancia neben einen Bravo, Tipo oder 500 in den Laden stellt, mag ja noch angehen.

Aber dass seit geraumer Zeit auch noch US-Fahrzeuge, wie etwa die Geländewagen-Ikone vom Schlage eines Jeep, zu seinem Umfeld gehören, verursache manchem alt eingesessenen Fahrensmann an der Auto-Verkaufsfront doch arge Bauschmerzen. Ganz davon zu schweigen, dass die Herren aus den Vorständen sich immer aufwändigere Showrooms für die umworbenen Kunden wünschen, bei deren Ausgestaltung Händler des Mittelstands irgendwann an ihre finanziellen Grenzen stoßen.

Doch es geht offenbar auch anders. Noblesse oblige – Adel verpflichtet – würde man sagen angesichts des Beispiels, von dem ich Ihnen heute erzählen möchte. Auch wenn es sich dabei um eine im Elsass beheimatete Luxuskarosse handelt, die aber im Umfeld der Queen feilgeboten wird. Denn auch das Haus Bugatti, und um die Erben des Ettore Bugatti handelt es sich in diesem Fall, muss so etwas Ähnliches wie PR pflegen.

Also kam im Lauf dieser Woche folgende Meldung auf den Tisch geflattert: „Bugatti feiert heute die Wiedereröffnung seines Showrooms in London. Bugattis langjähriger Händlerpartner im Vereinigten Königreich, H.R. Owen Bugatti, hat den Showroom im neuen Bugatti-Showroom-Design gestaltet und gleichzeitig eine Markenwelt exklusiv für die französische Luxusmarke aus dem Elsass geschaffen. Bugatti London ist der erste Bugatti-Showroom dieser Art im Vereinigten Königreich und der einzige auf der Insel, an dem der neue Bugatti Chiron 1 zur Besichtigung und zur Bestellung steht.“

Wenn Sie, liebe Leserin und lieber Leser, Ihr Weg demnächst einmal in die Hauptstadt des Noch-EU-Staates führen sollte, empfehle ich Ihnen: Sehen Sie sich doch einmal im Bugatti-Showroom um. Mag sein, dass Sie sich dafür zumindest ansatzweise einen gewissen Dress Code aneignen sollten. Flip-Flops und Boxershorts machen sich vielleicht nicht ganz so gut. Und Softeis schleckend oder mit fish’n Chips bewaffnet, sollten Sie vielleicht auch nicht unbedingt im neuen Bugatti Chiron 1 Platz nehmen, um die Qualität der Polster zu begutachten.

Aber, egal wie auch immer: Ich bin mir sicher, so ganz ohne Andenken wird man Sie nicht entlassen. Ein in Schweinsleder gebundener Prospekt oder ein Bugatti-Schlüsselhänger, gefertigt vielleicht von Alessi oder aus dem Hause Pininfarina, wird Sie immer als Mitbringsel an dieses unvergleichliche Erlebnis erinnern.

Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende.

Ihr Jürgen C. Braun