Eifel Rallye-Festival: Willkommen in der schönen, neuen, alten Welt

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Retro-Festival unter ganz besonderen Umständen und Vorzeichen: Bei der sechsten Auflage des Eifel Rallye Festivals, das am Samstagabend in Daun in der Vulkaneifel zu Ende ging, gaben sich an drei Tagen wieder Tausende dem unvergleichlichen Flair und der Faszination der hochgezüchteten und nur noch ganz selten zu bewundernden Ausnahmeautos hin.

Was macht ein zwar altes, buntes, schnelles und ungewöhnlich aussehendes Auto eigentlich so offensichtlich unwiderstehlich in seiner Anziehungskraft, nur weil zwei völlig unverbindliche Namen auf der Fahrer- und der Beifahrertür stehen? Die Frage mag erlaubt sein, denn 150 Fahrzeuge aus fast vier Jahrzehnten Rallye-Historie paradierten am Samstagmittag durch die Dauner Innenstadt oder wurden an ihren Servicestandplätzen „versorgt“.

Sobald aber auf einem der mobilen Zeitzeugen der Motorsportgeschichte die beiden Namen „Walter Röhrl“ und „Christian Geistdörfer“ zu lesen waren, wurde aus einem ganz „normalen“ früheren Prachtexemplar der Rallye-Weltmeisterschaft ein Objekt ungebremster öffentlicher Begierde. Ausgewachsene Familienväter drückten sich die Nase an den Fenstern platt, drängten sich mit den Umstehenden um die Plätze für den besten Schnappschuss mit dem Foto-Handy und bekamen glänzende Augen.

Röhrl? Geistdörfer? Es war, als setzten sich beim Anblick der in Blech gestanzten Namenszüge der beiden älteren Herren die Synapsen aller Umstehenden wie auf höheren Befehl schlagartig in Bewegung. Wo dieses Namens-Duo prangte, tat sich Einmaliges. Ein solches Auto, das war wie eine Erscheinung aus einer anderen (Rallye)-Welt. Eine Botschaft aus dem Jenseits. Hier hielt die Zeit für einen Moment inne, waren Betrachter und frühere Akteure im Geiste vereint. Auch 30 Jahre danach.

Der zweifache Weltmeister und zweifache Sieger der berühmten „Rallye Monte Carlo“ mag sich inzwischen selbst so recht keinen Reim darauf machen, weshalb die (Neu)Gier der Menschen, die ungebrochene Anziehungskraft seiner Person und Erfolge auch 30 Jahre später noch so nachhaltig sind. Sowohl bei Leuten, die gleichen Alters sind, aber auch bei solchen, die Röhrs oder Geistdörfers Söhne oder gar Enkel sein könnten.

„Mag sein, dass es auch die Sehnsucht nach etwas Vertrautem, etwas längst verloren Geglaubtem ist.“ Oder bei den Jüngeren das ungläubige Staunen darüber, was in einer Motorsportwelt, die nicht von Gleichförmigkeit und berechenbarer Strategie geprägt war, einst möglich war: Der Kampf des Individuums in technischen Monstern, in Dinosauriern an der Grenze des Machbaren und Kontrollierbaren. Willkommen in der schönen, neuen, alten Welt.

Eifel Rallye Festival 2016:

Zahlen, Fahrzeuge:

Größte weltweit jemals an einem Ort versammelte Anzahl sogenannter Gruppe-B-Autos (62), die 1986 wegen ihrer exorbitanten Leistung verboten wurden. Insgesamt waren 150 Originale oder original restaurierte historische Fahrzeuge vertreten.

Stimmen:

Miki Biasion (I), Ex-Weltmeister, mit Tochter Bettina im Lancia Delta S4 unterwegs: „Das ist einfach phantastisch. Unglaublich, diese Menschenmassen an den Wertungsprüfungen.“

Stig Blomqvist (S), Ex-Weltmeister, fuhr mit Ehefrau Asa einen Ford Sierra Cosworth: „Wunderbar, für uns beide ein Genuss.“

Harald Demuth: (ehemaliger deutscher Rallye-Weltmeister): „Diese Veranstaltung verdient nur Superlative.“Peter Schlömer (Organisationsleiter, Daun): Wir haben die Zuschauerzahl von mehr als 30.000 Besuchern noch einmal steigern können. Das ist eine Bestätigung für die monatelange Arbeit unseres gesamten Organisationsteams.“

Medien

140 Journalisten aus 21 Nationen in vier Kontinenten (Fernsehen, Tageszeitungen, Fachmagazine, Online-Auftritte, Blogger) berichteten von der Veranstaltung. Lediglich aus Australien waren keine Media-Leute am Start.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun, Jürgen Hahn