Pikes Peak 2016: An Loebs Rekord beißen sich alle die Zähne aus

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Vor genau 100 Jahren fand der erste International Hill Climb auf dem Pikes Peak in den Rocky Mountains statt. Das Bergrennen sollte die als Touristenattraktion neu angelegte Strecke zum Gipfel bewerben. Das Rennen hat knapp 20 km Strecke, durchschnittlich 7 % Steigung und 1.439 Höhenmeter bis zum Gipfel auf 4.301 Meter. Der Spitzname „Race to the clouds“ erklärt sich von selbst.Bis 2001 war die Strecke vollständig unasphaltiert. In Erinnerung geblieben ist etwa die legendäre Ausgabe von 1987 als Walter Röhrl seinen Audi S1 quattro über die Schotterpiste zum Sieg und dem damaligen Streckenrekord von 10:47,85 Minuten jagte. Seit der Rennausgabe 2001 wurden dann immer mehr Streckenabschnitte befestigt. 2012 wurden die gesamten 20 Kilometer Wegstrecke asphaltiert. Die Rekorde purzelten seitdem ständig.

Das Rennen ist und bleibt trotz alledem eine technische Herausforderung, die nicht nur am Streckenbelag festzumachen ist. Der Start liegt auf 2.862 Meter, das Ziel auf 4.301 Meter. Für die leistungsstarken Verbrennungsmotoren der Teilnehmer hat dieser extreme Höhenunterschied Konsequenzen. Bis zum Gipfel verlieren die Aggregate bis zu 30 % an Leistung. Beliebter werden deshalb mehr und mehr Fahrzeuge mit Elektromotor, da diese Technik unabhängig von Luftdruckbedingungen ist und somit nicht mit Leistungsverlust zu kämpfen hat. So trat Honda in diesem Jahr mit einem Acura NSX genannten Prototypen an, der mit vier Elektromotoren bestückt unglaubliche 1.500 PS Leistung bringt. Auch andere Teilnehmerfahrzeuge sind nach dem Motto „Viel hilft viel“ aufgebaut und zeigen Leistungsdaten im vierstelligen PS-Bereich auf. In der Vorberichtserstattung zum diesjährigen Event wurde deshalb auch prophezeit, dass der Gesamtsieg unter diesen leistungsstrotzenden Elektroautos ausgemacht werden würde. Abwegig war das nicht, nachdem im letzten Jahr Rhys Millen in solch einem Geschoss den Sieg einfahren konnte.

Es kam aber anders, denn in der Ausgabe 2016 konnte sich der Franzose Romain Dumas mit seinem Norma M20 RD Limited mit Verbrennungsmotor den Gesamtsieg sichern. Dumas, der erst vor einigen Tagen die 24 Stunden von LeMans für sich entscheiden konnte, gewann mit einer Zeit von 08:51,445 Minuten. Mit nur geringem Abstand folgten dann aber erwartungsgemäß Rhys Millen und Tetsuya Yamano mit ihren etwa 1.500 PS starken Elektroautos.

Über allen schwebt jedoch der scheinbar unschlagbare Rekord von Rallye Champion Sébastian Loeb. In einem denkwürdigen Husarenritt hat der Franzose im Jahr 2013, bei seiner ersten und bisher einzigen Teilnahme am Pikes Peak Hill Climb, die Bestzeit von 08:13,878 Minuten in den Asphalt gebrannt. Damit unterbot er den bis dato gültigen Streckenrekord um mehr als anderthalb Minuten. Loebs Fahrzeug war der Peugeot 208 T16 Pikes Peak, der im Datenblatt die Zahl 875 gleich zwei Mal eingetragen hatte. Nämlich bei Gewicht und bei Motorleistung in PS. Auch wenn von der Leistung des Verbrennungsmotors auf dem Gipfel nur noch etwa 600 Pferdestärken übrig geblieben sind, reichte das dem schnellen Franzosen aus, um eine Zeit für die Ewigkeit zu fahren. Ganz ohne Elektro.Text: Max Schneider

Fotos: Honda, Peugeot