Continental will Synergien noch besser nutzen

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Die Produktion, viel mehr aber noch die ständige Weiterentwicklung und Forschung bei der Zusammensetzung chemischer Substanzen von Autoreifen ist für die meisten nicht Eingeweihten ein Buch mit sieben Siegeln. Für die Experten aber, die das „Schwarze Gold“ für den Winter, den Sommer und immer mehr auch für den Ganzjahres-Betrieb ständig weiter optimieren wollen und müssen, ist der Pneu eine riesige Herausforderung. Denn es gilt, die verschiedenen Charakteristika eines Reifens wie Verkürzung der Bremswege, Abrollverhalten, Lebensdauer, Grip und Traktion bei den unterschiedlichsten Witterungsbedingungen und auf allen möglichen Belägen immer wieder ein Stückchen zu verfeinern und zu verbessern.
Reifenlaboratorien sind da schon kleine Hexenküchen. Und das Profil eines Reifens, sei er nun für den Sommer oder den Winter auserkoren, ist für uns „normale“ Autofahrer in seinen Härtegraden und im Labyrinth seiner Profilstrukturen ein Buch mit sieben Siegeln. Gerade im Reifengeschäft sind die Entwicklungszyklen immer kürzer, ist der Spagat zwischen Qualität und damit Sicherheit und dem ständigen Zeitdruck bei der Weiterentwicklung enorm. Denn viele Konkurrenten, vor allem aus China drängen auf den Markt. Billiganbieter von Reifen, die oft genug den Anforderungen der Standard-Tests nicht genügen, suchen nichts desto trotz verstärkt nach Marklücken. Das Geschäft mit und um den Reifen ist ein Milliarden-Poker.

Vor diesem Hintergrund hat mit Continental jetzt einer der Premium-Marktführer viel Geld in die Hand genommen, um Forschung, Entwicklung und Produktion von Hochleistungs-Pneus an einem gemeinsamen Standort zu vereinigen. Auf einer Fläche von 12.000 Quadratmetern sollen im HPTC jährlich 350.000 Reifen für besonders hochwertige Sportwagen und Limousinen der Premium-Hersteller in Größen weit über 20 Zoll aufwärts hergestellt werden. Bei Geschwindigkeiten von jenseits der 300 km/h-Marke gehören Produkte der Häuser Porsche, AMG, M-GmbH und Quattro-GmbH wohl demnächst zu den Stammkunden.

Für 45 Millionen Euro hat Conti innerhalb von nicht einmal zwei Jahren in der nordhessischen Provinz in Korbach ein neues High Technology Performance Center (HTPC) aus dem Boden gestampft und auch vor ein paar Tagen mit der symbolischen Produktion des ersten Reifens eingeweiht. Das bisher Einzigartige an diesem Projekt: Die „Forschung in der Fabrik“ soll bei den Hannoveranern ein neues Zeitalter bei der Nutzung der eigenen Synergien einläuten.

Das Procedere für die Zukunft in dieser hochmodernen und komplexen Anlage ist genau definiert: Im Testbetrieb sollen dort Versuchsreifen angefertigt werden. Zudem sollen neue Produktionsprozesse und -verfahren entwickelt und erprobt werden. Continental hat damit die Werkbank der Forschung und Entwicklung vom Hauptsitz in der niedersächsischen Landeshauptstadt bis ins nordhessische Bergland verlängert. Dabei soll es allerdings nicht bleiben. „Die neuen Verfahren sollen in den vielen Reifenwerken von Continental auf dem ganzen Globus sukzessive eingeführt werden.

Entsprechend stolz waren dann auch die „Köpfe“ des Hauses bei der offiziellen Inbetriebnahme der Anlage. „Das HPTC verdeutlicht eindrucksvoll die intensive technologische Ausrichtung sowie konsequente Weiterentwicklung von Continental, sagte Nikolai Setzer, der im Vorstand der Continental AG für die Reifen-Division verantwortlich ist. Mit diesem nächsten substantiellen technologischen Meilenstein vollziehen wir einen weiteren großen Schritt der Umsetzung unserer Vision 2025, innerhalb derer wir unsere Kapazitäten zur Reifen-Fertigung weltweit kontinuierlich ausbauen.“ Dazu, so Setzer, habe das Unternehmen seit 2011 weit über zwei Milliarden Euro weltweit in Produktion, in Forschung und Entwicklung sowie in Arbeitsplätze investiert. Derzeit weist das Unternehmen einen Umsatz von fast 40 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr weltweit aus und beschäftigt 212.000 Mitarbeiter in 55 Ländern.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun