Mille Miglia: Die legendären 1.000 Meilen

Beitragsbild
Foto 1 Foto 2 Foto 3 Foto 4

Kein Rausch der Geschwindigkeit, sondern Rennfahren als Genuss. Das ist die Mille Miglia, die in diesem Jahr vom 19. bis 22. Mai wieder Oldtimerfans in Italiens schönste Städte und Landschaften gelockt hat.
Die Mille Miglia ist und bleibt eines der berühmtesten Langstreckenrennen überhaupt. Ungefähr 1.500 Kilometer beträgt die Strecke, die nahe dem Gardasee in Brescia ihren Start und Zielpunkt hat. Die erste Etappe führt von dort bis zur Adriaküste nach Rimini. Am zweiten Tag geht die Fahrt südlich weiter, Ziel ist die italienische Hauptstadt Rom. Der nächste Morgen beginnt früh, denn die längste Strecke nach Parma steht an. Das Finale stellt den kurzen Weg zurück zum Startpunkt Brescia dar.

In den von 1927 bis 1957 stattfindenden Ausgaben stritten alle namhaften Automobilhersteller um Bestzeiten im Langstreckenklassement. Dabei waren auch legendäre Fahrzeuge wie der BMW 328 und der Mercedes 300 SLR, die beide Siege einfahren konnten. In der Regel sind es aber italienische Fahrzeuge und Fahrer gewesen, die das Langstreckenrennen gewinnen konnten. Bei Alfa Romeo, Lancia und Ferrari überwog wohl der Heimvorteil. Ein jähes Ende fand der Klassiker tragischerweise im Jahre 1957, als ein Unfall des Spaniers Alfonso de Portago nicht nur den eigenen Tod, sondern auch den von zehn Zuschauern kostete.

Die Mille Miglia konnte im Jahr 1977 ihr Comeback als Vergleichsfahrt für historische Fahrzeuge feiern. Im Gegensatz zu den früheren Tagen liegt der Fokus nun nicht mehr auf Geschwindigkeit allein. Es sind Zuverlässigkeit und Gleichmäßigkeit die für einen Sieg vonnöten sind. Allerdings ist der sportliche Ehrgeiz nicht bei allen Teilnehmer gleich ausgeprägt. Die 1.000 Meilen gelten eben auch als Schaulauf der Reichen und Schönen, die sich und ihre automobilen Preziosen ins Rampenlicht stellen wollen. Das ist kaum verwunderlich, haben manche exklusiven Wagen einen Wert, der im siebenstelligen Bereich anzusiedeln ist. Dem Oldtimerliebhaber können die Eitelkeiten egal sein, es zählt die Freude am historischen Altblech. Und davon gab es am Wochenende wieder reichlich zu bestaunen. Insgesamt sind es etwa 450 Fahrzeuge, die am diesjährigen Rennen teilnahmen. Laut Reglement sind nur solche Modelle zulässig, die schon einmal zwischen 1927 und 1957 gestartet sind. Das garantiert den Zuschauern neben der traumhaften Landschaft des Streckenverlaufs auch jedes Jahr spektakuläre Autoklassiker.

BMW ging in diesem Jahr beispielsweise mit sechs Exemplaren ihres 328er-Modells an den Start. Dieser Wagen gilt als Meilenstein der Mille Miglia, gewann er doch mehrere Titel, unter anderem den Gesamtsieg 1940. Auch Mercedes entlässt einige Modelle gen Italien, beispielsweise den 190 SL und den Gesamtgewinner von 1955, das Modell 300 SLR.

Das durchwachsene Wetter konnte die Zuschauer nicht von der 2016er Edition der tausend Meilen fernhalten. Was stören den automobilen Puristen schon ein paar Regentropfen. Auch die Piloten der vielen Roadster zeigten sich kreativ und versuchten den Innenraum ihrer offenen Karossen mit Regenschirmen zu schützen. Eine Maßnahme, die den tollkühnen Männern von früher wohl nur ein müdes Lächeln abgerungen hätte.

Text: Max Schneider
Fotos: www.1000miglia.it