Traditionsmarken und ihr Comeback

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Die letzte große Sterbewelle auf dem Automarkt ist kaum ein halbes Jahrzehnt vorbei. Damals strichen im Zuge der GM-Krise Saturn, Pontiac und Hummer komplett die Segel. Kurz darauf wurde Saab zum Untoten unter Europas Automarken, Lancia zur leeren Logo-Hülle für amerikanische Chrysler-Modelle. Hunderte andere Marken haben dieses Schicksal in den vergangenen 130 Jahren geteilt. Einige sind aber offenbar nicht ganz totzukriegen.

Allein die große Bekanntheit einer Marke reicht noch nicht für eine Wiederauferstehung. Auch Geld und langer Atem sind nötig. Gute Aussichten auf eine Renaissance dürfte vor diesem Hintergrund Alpine haben. Die legendäre französische Sportwagenmarke gehört mittlerweile zu Renault und soll 2016 nach zwei Jahrzehnten Pause wieder mit einem Serienmodell auf den Markt kommen. Konkrete Pläne für das Comeback sind seit ungefähr 2012 bekannt. Zunächst war eine Kooperation mit dem britischen Sportwagenbauer Caterham im Gespräch, schließlich entschloss man sich aber, das Projekt alleine zu stemmen. Sportwagen mit Alpine-Signet genießen in Frankreich noch immer Ikonenstatus – vergleichbar mit dem Nimbus von Porsche in Deutschland oder Maserati in Italien. Die erste der flachen Flundern mit Polyesterhaut und Renault-Motoren gingen im Jahr 1955 in Serie – als Fortsetzung französischen Sportwagenbaus, wie ihn einst Bugatti zelebrierte. 1995 kam dann das vorläufige Aus für die zwischenzeitlich von Renault übernommene Sportwagenschmiede. Mit der Wiederbelebung würden die Franzosen ihr Portfolio rund um die eher sachlichen Marken Renault, Dacia und Samsung um einen funkelnden Brillianten erweitern.

Ein attraktives Stück für das Schatzkästchen ist auch der Dülmener Sportwagenhersteller Wiesmann, der fast zwei Jahrzehnte mit exotischen Retro-Modellen in Kleinserie für Aufsehen zwischen all den Porsches auf dem Golfclubhaus-Parkplatz gesorgt hat. 2013 ging die Firma in den Konkurs, nun gibt es Interessenten für einen Neustart. Ob Wiesmann auf absehbare Zeit Geld verdienen kann, ist jedoch ungewiss. Größte Baustelle: Weil BMW den ursprünglich gelieferten Motor nicht mehr baut, brauchen die Münsterländer einen neuen Antriebslieferanten und letztlich auch ein neues Auto. Zunächst wird also wohl viel Geld in den mit einem übergroßen Gecko geschmückten Firmensitz fließen müssen.

Der Gefahr, Geld zu verbrennen, geht Daimler beim Comeback der Marke Maybach weitläufig aus dem Weg. Einst als Luxushersteller von Rolls-Royce-Format wiederbelebt, schrumpfte die über 100 Jahre alte Marke Mitte 2015 zur besseren Mercedes-Ausstattungslinie. Allerdings zu einer besonders edlen. Flaggschiff der Submarke ist der Mercedes-Maybach Pullman, eine 6,50 Meter lange Staatskarosse auf S-Klasse-Basis, für die nur die edelsten Materialien gut genug sind. Die Zeiten als eigener Fahrzeughersteller zwischen 2002 und 2012 sind allerdings endgültig vorbei. Außer einigen Superreichen, die bereits das komplette Portfolio von Rolls-Royce und Bentley besaßen, wollte kaum jemand die Neureichen-Mobile aus Stuttgart haben. Auch, weil der Name Wilhelm Maybachs außerhalb Deutschlands nur Eingeweihten bekannt war.

Text: Spot Press Services/Holger Holzer
Fotos: Hersteller/SP-X