Deutsche Post: Mobilität fördert Zufriedenheit

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Menschen im Norden des Landes sind am glücklichsten. Das belegt der „Deutsche Post Glücksatlas 2014“, der in Berlin bereits zum vierten Mal in Folge vorgestellt wurde. Danach liegt Schleswig-Holstein mit einem Glücksindex von 7,30 vorn. Es folgen Hamburg mit 7,18, Niedersachsen mit 7,15 sowie Baden mit 7,08. Hessen verbesserte sich um einen Platz und landete mit ebenfalls 7,08 auf Platz fünf. Platz 10 errangen Rheinland-Pfalz und das Saarland (7,04). Abgeschlagen rangieren die ostdeutschen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern (6,67 Punkte), Sachsen-Anhalt (6,64 Punkte) und Brandenburg (6,60 Punkte).

„Deutschland ist ein zufriedenes Land“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg. Im bundesweiten Durchschnitt beträgt das „Glücksniveau“ 7,0 Punkte. Dieser Wert sei seit 2010 unverändert. Die Wissenschaftler der Studie sprechen von einem „Zufriedenheitsplateau, das es auf diesem Niveau und über einen solchen Zeitraum noch nicht gegeben hat“. Dennoch, der Abstand zwischen ost- und westdeutschen Regionen hat sich weiter vergrößert und beträgt 0,36 Punkte (Vorjahr: 0,2). Berlin ist zwar zufriedener als noch vor wenigen Jahren, doch die Hauptstadt liegt mit 6,83 Punkten immer noch unter dem Bundesdurchschnitt von 6,99 und belegt Rang 14. Die Zufriedenheit in einzelnen Lebensbereichen hat sich laut Umfrage verbessert, so bei der Gesundheit.

Erkennbar zufriedener als noch vor zehn Jahren sind die Deutschen vor allem mit dem Haushaltseinkommen, der Arbeit und dem Familienleben. Schwächer entwickelte sich die Lebenszufriedenheit beim Wohnen, bei Gesundheit und in der Freizeit.

Heuer hat der Deutsche Post Glücksatlas sich schwerpunktmäßig mit dem Lebensgefühl von Menschen mit Behinderung in Deutschland befasst. „Nachdenklich stimmt uns, dass Menschen mit Behinderung weniger zufrieden mit ihrem Leben sind und dass sich daran seit vielen Jahren nur wenig geändert hat“, erklärt Jürgen Gerdes, Konzernvorstand Post – eCommerce – Parcel der Deutschen Post DHL. „Positiv ist jedoch die überwältigende Zustimmung der Bevölkerung zu einer inklusiven Gesellschaft. Auch die Wirtschaft muss ihren Teil dazu beitragen, dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt am Arbeitsleben teilhaben können.“

Die Post geht auf diesem Feld als Arbeitgeber mit gutem Beispiel voran: Fast neun Prozent (mehr als 14.000 Personen) ihrer Beschäftigten leben und arbeiten mit einer Behinderung. Mit dieser Quote liegt der Konzern über der gesetzlich vorgeschriebenen Beschäftigungsquote von fünf Prozent in Deutschland – und über der Quote anderer großer deutscher Unternehmen.

Die Analyse von Befragungsdaten des zugrunde gelegten Sozio-oekonomischen Panels ergibt, dass schwerbehinderte Personen – das sind um die neun Prozent der Bevölkerung – um 0,9 Punkte weniger zufrieden mit ihrem Leben sind als die Gesamtbevölkerung. Dieser Abstand hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren kaum verringert. Besonders unzufrieden sind Menschen mit Behinderung mit ihrer Gesundheit, dem Einkommen, dem Familienleben und der Arbeit. Gefragt, wo sie sich am meisten Unterstützung wünschen, steht die „Hilfe im Umgang mit Ämtern und Behörden“ an erster Stelle. Die persönliche Lebenszufriedenheit hängt für Menschen mit Behinderung jedoch stärker von der Wertschätzung durch die Gesellschaft (59 Prozent) ab als von staatlicher Unterstützung (acht Prozent).

Zu einer gegenteiligen Einschätzung der Lebenssituation von Menschen mit Behinderung kommt hingegen die Gesamtbevölkerung: 68 Prozent der Deutschen glauben, dass sich die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft in den vergangenen zehn Jahren generell verbessert habe, wie Forsa ermittelte. Der Unterschied zwischen beiden Einschätzungen kommt dadurch zustande, dass Menschen mit Behinderung relativ wenig Kontakt zu Nicht-Behinderten haben: Laut Forsa haben 52 Prozent der Bevölkerung nach eigenen Angaben „nur selten oder nie“ mit Menschen mit Behinderung zu tun und weitere zwölf Prozent „hin und wieder“.

Insgesamt 98 Prozent der Bevölkerung ist das gesellschaftliche Leitbild einer gleichberechtigten „inklusiven Gesellschaft“ wichtig, für 70 Prozent sogar sehr wichtig. Zwei Drittel der Bevölkerung (64 Prozent) sind der Meinung, dass Kinder mit Behinderung gemeinsam mit Kindern ohne Behinderung in einer allgemeinen Schule unterrichtet werden sollten.

Menschen mit Behinderungen wollen ihr Leben selbstbestimmt und gleichberechtigt nach ihren individuellen Interessen und Fähigkeiten gestalten. Im Klartext: Sie wollen genau so leben wie nichtbehinderte Menschen. Dafür steht deren eigene Mobilität ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Denn Mobilität ist für alle Menschen wichtig. Wer nicht mobil ist, bleibt von einem Grossteil des gesellschaftlichen Lebens ausgeschlossen. Auch deshalb gewinnt Mobilität mit einem Handicap immer mehr an Bedeutung. Studien belegen, dass die Zufriedenheit von Menschen dramatisch „absackt“, wenn sie ihre eigenständische Mobilität verlieren. „Ganz schlimm wird es, wenn sie nicht mehr alleine mit dem Auto fahren können – wegen einer Behinderung oder wegen des hohen Alters“, sagt Raffelhüschen.

Text: Erwin Halentz
Fotos: Deutsche Post