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Mit seinem Kleinwagen Ibiza trennte sich Seat endgültig vom bisherigen Lizenzgeber Fiat. Eine Scheidung, die nicht ohne Dramatik vollzogen wurde und nur dank der überraschenden Unterstützung durch mehrere große Marken gelang. Namen, die Seat sofort europaweite Bekanntheit bescherten. Ausgerechnet der italienische Stardesigner Giorgio Giugiaro zeichnete die zeitlos-eleganten Linien des ersten Seat Ibiza. Porsche wiederum hatte es sich damals zur Mission gemacht, auch malade Unternehmen mit neuer Motorentechnik in Fahrt zu bringen.

Von diesem Projekt profitierte Seat enorm. So war der Ibiza nach dem größeren Ronda bereits das zweite Seat-Modell, das Porsche-Technik unter der Haube trug. Geradezu stolz prangte auf den Ventildeckeln des Ibiza der Schriftzug „System Porsche“. Ein Logo, für das Seat nur zu gerne sieben Mark Lizenzgebühr pro Motor zahlte – und fortan auf internationalen Messen mindestens einen Ibiza mit geöffneter Motorhaube präsentierte. Tatsächlich trug der sensationelle Erfolg des ersten Ibiza entscheidend dazu bei, dass Seat nur zwei Jahre später den Weg unter das Dach des Volkswagen-Konzerns fand. Die Basis für bis heute fünf Millionen Ibiza in vier Generationen.

Der Pariser Salon bot die passende Premierenplattform für die erste eigenständig angeschobene und mit den Kooperationspartnern in nur drei Jahren realisierte Produktneuheit der Spanier. Zwar erlebten Seat-Miniflitzer schon weit länger Bestsellerkarrieren in vielen europäischen Ländern, fast immer aber erfolgte dies unter den Fahnen des Lizenzgebers Fiat. Als die Italiener ihre spanische Tochter nicht mehr mochten und überraschend 1981 ihre Unternehmensanteile verkauften, geriet Seat ins Trudeln. War man doch gezwungen in kürzester Zeit eine komplett eigenständige Produktpalette aufzubauen und parallel einen neuen Kooperationspartner zu finden. Zum Sanierer wurde der Volkswagen-Konzern, für den sich Seat hochzeitsfein gemacht hatte mit neuen Modellen wie dem Ibiza. 1986 übernahm VW erste Anteile an Seat, ehe es bis 1990 zur vollständigen Übernahme durch die Wolfsburger kam.

Als der dreitürige Ibiza 1986 Verstärkung durch einen Fünftürer erhielt, war Seat auch in Deutschland der Durchbruch gelungen. Dies nicht etwa als Billigheimer, sondern durch „Leistung, die überzeugt“, wie der Werbeslogan für den Ibiza versprach. So war etwa der Ibiza GLX mit 63 kW/85 PS starkem 1,5-Liter-Benziner teurer als der größere Seat Ronda 1.5, auf dessen verkürzter Plattform der Ibiza aufbaute. Und auch vergleichbare Wettbewerber wie Fiat Uno und Peugeot 205 unterbot der Ibiza preislich nicht. Allein gegenüber seinem späteren Konzernbruder Volkswagen Polo war er bis zu 25 Prozent billiger.

Mit einem Paukenschlag begann die Karriere der zweiten Ibiza-Generation. Unter Volkswagen schrieb Seat erstmals seit elf Jahren wieder schwarze Zahlen und konnte in den Bau neuer Werksanlagen in Martorell investieren. Am 22. Februar 1993 eröffneten Spaniens König Juan Carlos und VW-Konzernchef Ferdinand Piech die Fertigungsanlage – und gaben damit das Signal für den Serienstart des neuen Ibiza und des ersten Cordoba als Stufenheckversion. Auch die frühen Kombiversionen des Ibiza trugen Cordoba im Namen. Viel wichtiger aber war: Mit der zweiten Ibiza-Generation stellte Seat endlich wieder Spaniens meistgekauftes Auto.

In der 2008 vorgestellten vierten Generation erzielte der Ibiza sogar Sparrekorde bei Langstreckenfahrten durch Europa. Allerdings schwankten Markenausrichtung und Modellpolitik zwischenzeitlich zu sehr zwischen Alfa-Rivale und Škoda-Herausforderer. Und auch der Markterfolg ließ vorübergehend deutlich zu wünschen übrig. Quo vadis Seat, fragten sich nicht wenige Marktanalysten und Kunden anlässlich des 60. Geburtstages der Marke im Jahr 2010. Wohin der Weg führen soll, zeigte Seat jedoch mit dem Ibiza Bocanegra. Dieses Ibiza Sportcoupé beschwört seitdem die Emotionen des ersten eigenständig designten Seat-Sportlers von 1975 und steht für eine Aufbruchstimmung, die alle neuen Ibiza-Varianten verkörpern sollen. Vorläufig durchaus erfolgreich, wie steigende Marktanteile zeigen.

Text: Spot Press Services/Wolfram Nickel
Foto: Seat

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