Daimler: Ehrung für NS-Opfer

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Der Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland (MBVD) hat in Berlin die Ausstellung „Edith Kiss (1905 – 1966)“ eröffnet. Anlass war die offizielle Benennung der Straße neben der Vertriebszentrale nach der ungarischen Künstlerin und ehemaligen Zwangsarbeiterin durch den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Nunmehr sind die neuen Straßenschilder enthüllt. Mercedes-Benz wird mit einem Teil seiner dunklen Geschichte konfrontiert.

Edith Kiss war eine ungarische Bildhauerin und Malerin, die im Oktober 1944 ins KZ Ravensbrück deportiert und von dort ins Daimler-Werk nach Genshagen zur Zwangsarbeit gebracht wurde. Im Jahr 1945 gelang ihr die Flucht. Im Oktober 1966 nahm sie sich in Paris das Leben.

Kiss stammt aus einer ungarisch-jüdischen Familie. Sie studierte in den 1920er Jahren an der Kunstakademie in Budapest und Bildhauerei an der Kunstakademie in Düsseldorf. Im November 1944 kam sie ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Von dort aus brachte man sie am 6. Dezember 1944 zusammen mit 80 ungarischen Jüdinnen während der NS-Diktatur zur Zwangsarbeit ins Daimler-Benz-Werk Genshagen bei Ludwigsfelde. Gegen Kriegsende wurde sie wieder nach Ravensbrück zurückgeführt. Gemeinsam mit ihrer Freundin Agnes Galambos (später Agnes Bartha) gelang Kiss am 30. April 1945 bei Strasen/Havel die Flucht.Mit ihrer Kunst verarbeitete Kiss ihre schrecklichen Erinnerungen. So entstanden in den Wochen nach ihrer Rückkehr nach Budapest die 30 Gouchen des Zyklus „Deportation“. Die in der Daimler Kunstsammlung vorliegenden Reproduktionen dieser Werke sind im Foyer des MBVD ausgestellt.

Seit dem Einzug in die neue Vertriebszentrale im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg im Sommer 2013 ist dies bereits die zweite Ausstellung, die Mercedes-Benz dort zeigt. „Anlässlich der Benennung der Straße neben unserem Gebäude, wollen wir auch über die Person Edith Kiss informieren“, sagt Harald Schuff, Vorsitzender der Geschäftsleitung des MBVD.
Gemeinsam mit der Gedenkstätte Ravensbrück konzipierte Mercedes-Benz die temporäre Ausstellung. „Durch die finanzielle Unterstützung von Mercedes-Benz konnten wir in den vergangenen Jahren viele Projekte realisieren: So den Ankauf von Porträts ehemaliger Zwangsarbeiterinnen“, betont Dr. Insa Eschebach, Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

Der Leiter föderale und kommunale Projekte der Daimler AG, Dr. Lothar Ulsamer, betreut das Thema seit 1995 im Konzern. „Als Unternehmen, in dem es während des NS-Regimes zu Zwangsarbeit kam, stellen wir uns unserer Verantwortung. Unser Unternehmen hat sich intensiv mit der eigenen Geschichte während des Nationalsozialismus beschäftigt. Wir übernehmen die historische und moralische Verantwortung für die Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus.“Anfang der 1980er Jahre wurden die Firmenarchive der Daimler AG für wissenschaftliche Forschung geöffnet. Ende der 1990er Jahre war der Konzern Mitinitiator der Stiftungsinitiative der deutschen wirtschaft „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die insgesamt 5,1 Milliarden DM für frühere Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie andere NS-Opfer gemeinsam mit 6.500 Unternehmen aufbrachte.

Text: Erwin Halentz
Fotos: Irene Grünmeier-Müßig