Dakar 2014: Pechvögel und Verlierer – eine Nachlese

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Zum sportlichen Wettbewerb gehören neben den Siegern auch die Verlierer. So lauten nun mal die Gesetzmäßigkeiten. Wenn von etwa 190 gestarteten Fahrzeugen (ohne Motorräder, Quads und Lkw) nur gerade 60 das Ziel nach ca. 9000 Kilometern erreichen, ist das eine kapitale Verlustquote von zwei Dritteln. Der Veranstalter ASO hatte genau mit diesem Ergebnis gerechnet, weil die Ziel-Rampe im engen und alten Teil der chilenischen Hafenstadt Valparaiso regelrecht eingekeilt ist. Mehr Fahrzeuge und Menschen passen da gar nicht hin.

Wo sind also die etwa 130 Fahrerteams geblieben, die nicht mehr das Ziel erreichten? Erster richtig prominenter Ausfall waren Sainz/Gottschalk auf dem SMG-Buggy. Da kam vieles zusammen: Sprit-Notbetankung, kurz darauf Unfall, Sainz verletzt ins Spital, Aufgabe. Neben de Villiers auf dem Toyota Hilux, war er eigentlich der einzige, der gegen die zahlenmäßige Übermacht der Minis halten konnte. Kuznetsov, ein wohlbekannter Russe, auf dem SAM-Ex-Auto von Kahle/Schünemann aus 2013, stellte seinen Mercedes-Motor bereits am 2. Tag ab. Technische Gremlins. Viele der privaten Teams mussten der Fehl-Navigation, Fahrfehlern und technischen Gebrechen Tribut bezahlen. Auch Müdigkeit und nachlassende Konzentration wurden als Ursachen genannt. Campillay aus Chile, der einen brandneuen SAM pilotierte, war Ende der ersten Woche dran: Nach 2 Überschlägen war das Auto so krumm, dass es kaum mehr geradeaus fahren konnte, und Kurven bestritt das Fahrzeug ohne menschliches Zutun.

Dabei ging der Motor hervorragend und ein Platz unter den besten 20 wäre drin gewesen. Auch Robby Gordon auf dem Speed-Hummer verabschiedete sich auf der drittletzten Etappe heimlich und still, ganz entgegen seiner Art. Mal gewann er eine Etappe, mal steckte er in einem tiefen Sandloch, mal spielte die Technik verrückt.

Zu den Nicht-Gewinnern zählen auch Peterhansel und Nasser Al Attiyah, der der Rallye jene besonderen Momente bescherte, die zum Zungenschnalzen animieren. Peterhansel wollte eigentlich das Dutzend an Dakar-Siegen voll machen, er hatte schließlich maßgeblichen Anteil an der Entwicklung der Top-Minis. Dass Roma dann nach vorne gerechnet wurde, hat doch ein Gschmäckle. Der Qatari trug seinen 3. Platz mit sportlicher Mimik und Gestik zur Schau. Im Inneren wird's ziemlich gebrodelt haben. Und ob Peterhansel, der auf der Zielrampe not very amused wirkte und dem auch entsprechende Wortkargheit folgen ließ, nach der Schiebung auch 2015 wieder bei X-raid andocken will und wird, darf bezweifelt werden.

Al Attiyah ist da noch mehr Pragmatiker: Er kann sich das Team aussuchen, das ihm den höchsten Gegenwert der mitgebrachten Geldmittel verspricht. Auch in der Top-Liga also: Sieger und Verlierer. Wenn der Qatari einen Hauch taktischer fahren würde, wäre er der Nächste, der die Dakar gewinnen wird. Bei Peterhansel läge ein weiterer Grund zum Start nächstes Jahr vor: Dann wird er 50. Und könnte sich, worauf auch immer, seinen 12. Dakar- Sieg selbst schenken.

Natürlich werden die nächsten Wochen und Monate erstmal dem Wundenlecken der Pechvögel gewidmet sein, aber, wetten: Danach werden schon wieder erste Pläne geschmiedet für 2015. Und Sponsoren gesucht, natürlich.

Text: Frank Nüssel/CineMotBilder: Teams

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