Passiert, glossiert: Thema Versicherungswechsel

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Termine … Termine. Druck von tausend Seiten. Und dann gibt es etwas Bestimmtes, woran ich mich, rückblickend auf 2013, noch in der ersten Januarhälfte des neuen Jahres sehr gut erinnere. Zumal es einem am Ende des noch neuen Jahres grad wieder blühen kann.

Haben Sie einen Versicherungswechsel vor? Jetzt aber dalli! Dabei kann man sich doch beim freundlichen Nachbarn ebenso erstmal schlau machen wie in Autowerkstätten oder den Autohäusern. Die Versicherungsgesellschaften zieren sich da ziemlich. Die informieren am liebsten gar nicht oder wenn, dann nur auf Anfrage, die nach endlosen Dudelschleifen dann erstmal meldet: Ihr nächster Sachbearbeiter befindet sich gerade in einem Kundengespräch. Versuchen Sie es später noch mal. Und das dann auch noch mit der Stimme der ansonsten so sympathischen Anke Engelke. Einfach klasse, dieser Service über die vermaledeiten Call-Center. In Wirklichkeit ist diese Zurückhaltung dem Umstand zuzuschreiben, dass die Gesellschaften ihren Kunden gar nicht so dringend sagen wollen, dass mal wieder Quoten und Tarife zum nächsten Jahr gestiegen sind. Daher weht folglich der Wind. Das machen sich dann wie Pilze aus dem Boden schießende Service-Anbieter im Internet zunutze. Aber Achtung: Wer die nur ein einziges Mal angeklickt hat, ist dem Wahnsinn ausgeliefert. Von nun an, der Chronist ist da selbst zum beklagenswerten Opfer geworden, wird er tagtäglich über Wochen und Monate mit Erinnerungen, ja Mahnungen, zugeschüttet: Nur noch 1 Woche, … nur noch 3 Tage … und Sie stehen ohne Versicherungsschutz da, mit allen juristischen Konsequenzen.

Das ist Gehirnwäsche pur! Sogar nächtens rülpste der PC und signalisierte eine wichtige Mail. Dem Sprung aus dem Bett folgte die Ernüchterung am Rechner: Sie haben nur noch 24 Stunden Versicherungsschutz! Sie wollen clever sein und drücken die Antwort-Taste, bitten freundlich darum, sie aus der Adressenliste zu nehmen. Nada, nix geht da, Sie sind gefangen und gehangen im System. Kein Schwein liest Ihre Mail dort, denn Abschlüsse werden nur per Click gemacht. So geht das seit Anfang Oktober, meine Nachbarn bemühen sich derzeit um ein festes Bett für mich in einer geschlossenen Anstalt. Ein anderer gab den Tipp, die Internet-Desperados wegen Körperverletzung zu verklagen. Aber: Die haben gar keine Adresse! Raffiniert. Und was die dann noch alles wissen wollen. Nicht nur, dass ich mein Auto oute, sondern mich selbst noch dazu. Nur um alle Rabattofferten auszunutzen, mich als Schnäppchenjäger hinzustellen. Ich warte mit begründetem Bangen auf den Tag, wenn auch noch Fragen gestellt werden der Art: Haarfarbe des jüngsten Auto fahrenden Familienmitglieds (denn: rothaarige Youngster gelten als jähzornig, was somit wiederum das Risiko im Straßenverkehr erhöht und die Quote hoch treibt). Oder: Hat die Mutter ein Hüftleiden? Begründung: Dies könnte die ordnungsgemäße Betätigung und koordinierende Funktion beider Beine dergestalt einschränken, dass Gefahr im Straßenverkehr im Verzug ist. Oder: Züchten Sie Tauben auf Ihrem Privatgelände? (Begründung: Der Kot von Brieftauben gilt als besonders aggressiv auf Autolack, daher müsse die Versicherung leider das Teilkasko-Risiko mit höherer Selbstbeteiligung ahnden. So oder so und egal, wie oder was: Wir Autofahrer greifen mal wieder voll ins Kl … Hilfe, echte Hilfe, kommt eigentlich von nirgendwo. Aber wenn ich zu 100 Prozent aufs Veloziped umsattle, mein Lieblingsauto abschaffe, und das auch noch viele andere so handhaben, wird der Gesamtverband sofort neue Tarife für Radfahrer entwickeln und über seine Lobbyisten in Berlin amtlich absegnen und durchpeitschen lassen. Du kannst es wenden, wie du willst: Das letzte Glied in der Kette muss den ganzen Quark am Ende bezahlen.

Text und Foto: Ignaz Hammer

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