Der Winterpneu: Das unbekannte Wesen?

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Dunlop fragt und entwickelt: Wenn es um Winterreifen geht, dann ist es manchmal wie im Fußball: Zehn Mann, elf Meinungen. Weil einfach (fast) jeder (fast) alles weiß, kann und das natürlich auch viel, viel besser als der Andere. Wann muss ich Winterreifen aufziehen (wenn überhaupt), wie lange hält ein Winterreifen, wie viel Profil braucht er, muss ich eigentlich unbedingt Winterreifen aufziehen und wenn ja: Wo und wie lagere ich denn die Sommerreifen? Also doch, „der Winterreifen, das unbekannte Wesen?“

Um derlei vorwinterlichem Herbstgestöber auf die Schliche zu kommen und mit (Vor)-Urteilen aufzuräumen, hatte der Reifenhersteller Dunlop zu einer gedanklichen Vertiefung des Ganzen und zur Praxis mit einem eigenen neuen Produkt in sein Testzentrum in Wittlich (Eifel) eingeladen. Dunlop hatte eine Umfrage unter 1400 Autofahrern in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse Erstaunliches ergaben: So glauben beispielsweise 80 Prozent aller Befragten, dass Winterreifen (immer noch) lauter seien als Sommerreifen. Und mehr als die Hälfte glaubt, mit Winter-Pneus einen geringeren Fahrkomfort in Kauf nehmen zu müssen, als dies bei Sommerreifen der Fall ist.

Derlei fundamentale „Erkenntnisse“ sind aber mindestens so alt wie die hierzulande längst verbotenen Spikes-Reifen und gehören demzufolge ins Reich der Fabeln und der beschworenen „Reifenmythen.“ Weniger um Komfort und Geräuschkulisse, dafür aber um Sicherheits-Features geht es bei Irrtümern, die die Umfrage ebenfalls zu Tage brachte. Demzufolge sind 40 Prozent der Befragten davon überzeugt, mit der gesetzlich vorgeschriebenen Restprofiltiefe von 1,6 Millimetern auch bei Winterreifen noch in punkto Traktion, Bremsverhalten und Reserven auf der sprichwörtlich „sicheren Seite“ zu sein.
Reifen-Fachleute empfehlen jedoch schon seit Längerem, Winter-Pneus nur mit einer Resttiefe von bis zu vier Millimeter Profil aufzuziehen. Ein gravierender Unterschied zur gesetzlichen Vorgabe. Auch die Kennzeichnung der Reifen führt mitunter zu Irritationen beim Autofahrer. Denn fast drei Viertel der befragten Verkehrsteilnehmer/innen waren der Meinung, Winterreifen seien an der M+S-Kennung an der Reifenflanke zu erkennen. Zwar stehen die beiden Buchstaben M+S durchaus für eine winterliche Straßenbeschaffenheit, also für Matsch und Schnee. Dennoch handelt es sich dabei nicht um ein gesetzliches Zertifikat. Was wiederum bedeutet, dass das „M+S“-Zeichen durchaus an der Flanke eines Reifens angebracht sein kann, von dem man bei überfrierender Nässe, Eis und Schnee besser die Finger lassen sollte. Einzig und allein das zackige, kleine Schneeflockensymbol auf dem Reifen sagt aus: „Mit mir kannst Du beruhigt auf die Reise gehen.“

Ein Trugschluss ist auch die Meinung, dass Fahrzeuge mit Allradantrieb, also SUV’s, keine Winterreifen benötigten oder solche „Schlappen“ nur im Mittel- oder gar Hochgebirge ratsam seien. „Wetterfrosch“ (Eigenzitat) Thomas Ranft vom Hessischen Rundfunk erklärte das anschaulich: „Die typische Glättesituation des Winters ist nicht der Schnee, sondern die Nässe. Und die gibt es auch in tiefen Lagen. Das bewirkt Reif, Raureif oder je nach Temperatursturz überfrierende Nässe. Dann erst kommt die geschlossene Schneedecke.“

Trotz aller Horror-Meldungen in allen möglichen Medien, trotz zum Teil fürchterlicher Bilder oder gar Online-Videos rüstet den Umfrage-Ergebnissen zufolge ein Fünftel der Autofahrer erst bei Schnee und Eis auf Winterreifen um. Warum: Es sei einfach Faulheit oder die lieb gewonnene „Macht der Gewohnheit“. Diese Einschätzung vertritt Professor Andrea Gröppel-Klein von der Universität Saarbrücken: „Das Montieren von Winterreifen wird oft als lästig oder – viel schlimmer noch – als vernachlässigbar empfunden.“
Im praktischen Teil gab es reichlich Gelegenheit, auf dem Wittlicher Testgelände den neuen „Dunlop Winter Response 2“ im Vergleich mit anderen Herstellern ausgiebig zu testen. Den „Dunlop Winter Response 2“ gibt es hauptsächlich für Kleinwagen und Kompaktfahrzeuge. Der Hersteller setzt dabei auf mehr Lamellen als bisher und demzufolge auch auf eine erhöhte Anzahl von Griffkanten.

Der neu entwickelte Dunlop Winter Response-2 überzeugte in diversen Tests auf nasser Fahrbahn, auf Schnee und beim Kraftstoffverbrauch. Er ist zunächst in 22 Dimensionen von 155/65 R14 bis 195/65 R15 erhältlich und deckt damit rund 80 Prozent der Größen dieses Segmentes ab. Bis auf eine Ausnahme (195/50 R15 H) besteht eine Geschwindigkeitsfreigabe bis 190 km/h (T). Bei dem seit 2012 vorgeschriebenen EU-Reifenlabel erreichen 16 Größen in den Kategorien Nasshaftung und Rollwiderstand gute B- und C-Benotungen. Die Preise für einen 15-Zoll-Reifen liegen bei ca. 80 Euro.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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