CD-Tipp – Pee Wee Bluesgang feat. Drafi Deutscher: Playing Funky.

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PEE WEE BLUESGANG feat. DRAFI DEUTSCHER – Playing Funky – The Lost Album (Sireena)

Sie ist ein echter Geheimtipp, was sich in ihrer Bilanz zeigt: Die Pee Wee Bluesgang hat in ihrer langen Geschichte tausende von Auftritten im In- und Ausland absolviert, u.a. vor 80.000 Fans in Russland und bei Konzerten mit dem Philharmonischen Orchester Südwestfalen.

1982 kam es zu einem denkwürdigen Ereignis, dessen Schilderung durch Bandgründer Thomas Hesse im CD-Booklet nachzulesen ist: Die Band spielte 1982 drei Tage in Joe's Bierhaus in West- Berlin. Damals waren solche Konzertreisen noch mit einigen Problemen verbunden, da man durch das Staatsgebiet der DDR fahren musste. Aber wenn man dann endlich dort war, brummte das Leben. Es gab ja in Berlin keine Sperrstunde, wie in den meisten Städten in West-Deutschland. Die Nacht wurde zum Tag. Musikparty ohne Ende. Am 3. Tag war die Band müde, verkatert – aber blendend gelaunt. Man hatte viele Künstler, Musiker und verrückte Typen kennen gelernt. Nach dem 2. Set kam jemand und sagte: “Es ist hoher Besuch da, mit dem müsst ihr mal reden. Und da stand er. Dunkelblauer Nadelstreifenanzug, weisses Hemd, Krawatte und einen breitkrempigen Borsalinohut.

Borsalino? Das kann doch nur … tatsächlich, es war Drafi Deutscher. Der Mann, der den deutschen Schlager beatfähig machte und dessen Evergreen Marmor, Stein und Eisen bricht jedem Deutschlehrer graue Haare beschert: Weil das, was noch heute regelmäßig im Radio läuft, grammatisch in jedem Schulheft als fetter Fehler durchgehen muss. Merke: Der Schlagertexter hat dichterische Freiheiten, die im Schulalter nicht gelten.

1982 hatte Drafi Deutscher sich von medialer Ungnade eben erholt und seine weitere Schlagerkarriere noch vor sich. Die Band erlebte den gebürtigen Berliner, der für deutliche Worte mit der entsprechenden Schnauze bekannt war, als überaus freundlich. Drafis Idee, gemeinsam was zu machen, war ihm absolut ernst. Die Vermarktung der Studioaufnahmen anno 1983 fielen dann aber mehr oder minder dem Guardian Angel zum Opfer, der Drafi erst mal einen fulminanten Hit bescherte.

Das wäre vielleich so geblieben, hätte Bandmitglied Richard Hagel sich nicht nach 30 Jahren intensiv einer Kopie der Aufnahmen gewidmet, die er sich bewahrt hatte. Remastered und restauriert (das darf man in dem Fall ohne Übertreibung sagen), erlebt man Drafi Deutscher mit der Pee Wee Bluesgang als Mann für R&B, Blues und Rock. Tatsächlich. Das wirkt umso faszinierender, wenn man bedenkt, dass damals die Neue Deutsche Welle mit Nena & Co. über Deutschland schwappte und Musik wie diese nicht unbedingt als mainstreamtauglich galt. Es ist nicht unbedingt die Regel, dass jemand sich zwischen ganz verschiedenen Genres souverän austoben kann. Wer mit Drafi Deutscher – wenn überhaupt etwas – allenfalls Schlager und ein wenig Beat assoziiert, sollte sich diese CD unbedingt zu Gemüte führen. Eingefleischte Fans werden es ohnhin tun.

Pee Wee Bluesgang feat. Drafi Deutscher: Playing Funky – The Lost Album. (Sireena)

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