Sebastian Vettel: Wer profitiert vom vierten WM-Titel?

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Sebastian Vettel ist am Wochenende in Indien zum vierten Mal Formel-1-Weltmeister geworden. So weit, so gut. Seien wir ehrlich: So richtig zum Thema geworden ist der neuerliche Triumph des deutschen Piloten mit dem Brause-Mobil eines österreichischen Milliardärs eigentlich nicht mehr. Zu dominant waren Fahrer und Team, fraglich war nur der Zeitpunkt, wann es so weit sein würde.

Viel spannender ist dagegen die Frage: Profitiert die Auto-Industrie, oder zumindest Teile davon, vom neuerlichen Titel des jungen Mannes, der seinen Weg so konsequent und beharrlich geht wie einst sein „Kumpel“ und Freund Michael Schumacher? Wer bei den Rennen genau hinschaut, der wird bei dem kunterbunten Boliden neben jener Marke, die angeblich Flügel verleihen soll, auch die Namenszüge vieler anderer Geldgeber finden. Unternehmen, denen eine Verewigung auf Auto, Helm oder Anzug stolze Summen wert sind.

Was beispielsweise hat der französische Renault-Konzern vom Titelgewinn des Fahrers und des Teams? Welchen Zuschauern ist eigentlich bewusst, dass die beiden Renner von Vettel und dessen scheidendem Stallgefährten Mark Webber mit Aggregaten des französischen Autobauers unterwegs sind? Und wenn ja: stehen Aufwand und (wirtschaftlicher) Ertrag des Motorenbauers überhaupt in einem akzeptablen Verhältnis? Mit Sebastian Vettel verbinden die meisten „Durchschnitts-Fernsehzuschauer“ bestenfalls noch den Namen des Hauptsponsors. Aber wer denkt beim Namen von Sebastian Vettel an Renault?Und was ist mit Infiniti? Jener Edelmarke des japanischen Autobauers Nissan, der dem Haus Renault ja seit Jahren kooperativ gewogen ist Auch Infiniti hat sich optisch nicht gerade klein auf dem Auto und dem Fahreranzug „verewigt“. Es gibt sogar eine Edition eines Infiniti-SUV, das den Namen „Sebastian Vettel“ trägt. Für ein paar Scheine bekommt man so etwas sicherlich nicht. Der einzige deutsche Konzern, der noch in der Formel 1 vertreten ist, setzt zwar auch auf einen deutschen Fahrer (als Teamgefährte eines britischen Piloten). Aber Nico Rosberg ist nun mal kein Weltmeister. Und in diesem Auto wird er es vermutlich auch niemals werden. Daimler ist der einzige große deutsche Autobauer, der in der teuren Königsklasse vertreten ist. BMW hat sich vor Jahren verabschiedet, setzt jetzt auf das Thema DTM. Und auch der Volkswagen-Konzern hat kein Interesse daran, in den „Zirkus Ecclestone“ ein zu steigen. Die Wolfsburger Millionen sind in der Rallye-WM mit dem Titelgewinn des Franzosen Sébastien Ogier im Polo R WRC und in der DTM mit dem Champion Mike Rockenfeller im Audi weitaus besser angelegt. Die dritte VW-Marke, Porsche, war vor knapp 20 Jahren noch als Motorengeber dabei. Die Zeiten eines eigenen Rennstalles liegen noch viel weiter zurück. Und waren auch nicht gerade die erfolgreichsten im Motorsport-Geschäft.

Branchen-Guru und Fernseh-Experte Ferdinand Dudenhöffer sah es schon beim ersten Vettel-Triumph 2010 eher skeptisch: „ Es wird deswegen in der gesamten deutschen Auto-Industrie kein einziges Auto weniger oder mehr verkauft werden.“ Dudenhöffer steht auch heute noch zu dieser Aussage. Von Rennen der Formel 1 in asiatischen oder arabischen neuen Rennstrecken profitiert kein Renault, kein Infini, kein anderer der Geldgeber des neuen Weltmeisters und seines Teams. Nur eines tut das: Formel-1-Chef Bernie Ecclestone. In außerdeutschen Konzernen aber wird offensichtlich mit anderen Wertmaßstäben gerechnet, wenn es um das Thema Formel-1-Finanzierung und medialen Rücklauf geht. Obwohl sich mit Toyota und Honda erst zwei Schwergewichte vor wenigen Jahren aus der Szene zurückgezogen haben. Da gilt wohl auch das in diesem Falle so gar nicht olympische Motto: Dabei sein ist alles. Und irgendwem wird schon auffallen, welcher Motor da unter der Haube schlägt (wenn nicht gerade die Lichtmaschine kaputt geht) oder welche japanische Exotenmarke sich dem jugendlichen deutschen Helden verbunden fühlt.

Wenigstens vielleicht.

Text: Jürgen C. Braun
Fotos: Jürgen C. Braun, Renault, Inifniti

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