Rally du Maroc: Blitzer in der Wüste

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Die 6-tägige Dünen-, Sand- und Schotter-Rallye südlich des Atlas- Gebirges ist beendet. Nachdem das haushohe Favoriten- Team von X-raid, Terranova/Fiuza, Tag für Tag seinen Vorsprung gegenüber seinen Mitbewerbern ausgebaut hatte, kam am 5. Tag die Ernüchterung: bei einer Verbindungsetappe wurde das führende Team geblitzt, war einfach zu schnell. Die Quittung: eine gute halbe Stunde Strafzeit wurde den MINI- Piloten aufgebrummt. Zur Freude ihrer Verfolger. Da vor allem das französisch- belgische Duo Sireyol/ Beguin auf dem SMG-V8- Buggy, die sich klammheimlich innerhalb der 6 Tage auf Platz 2 vorgekämpft hatten: ohne technische Probleme, ohne bedeutende Navigationsfehler und vor allem: gleichmäßig schnell und sicher dort, wo es kritisch wurde. Für die Abgebrühtheit Terranovas spricht, dass er dann nur noch wenige Minütchen Vorsprung hatte und am letzten Tag dafür umso mehr aufdrehte, seine Mitbewerber regelrecht düpierte und unter dem Strich mit knapp 10 Minuten vor den Buggy- Piloten die Gesamtwertung für sich entschied. Eine meisterliche Vorstellung und alle waren sich einig: Terranova/Fiuza haben die Rallye zu Recht gewonnen. Dahinter ging es immer spannender zu: Vasilyev/Yevtyekhov auf dem 2. MINI baggerten sich nach anfänglichen Umgewöhnungsdefiziten (vom G-Force-Proto mit V8!) stetig nach vorne, konnten gar eine Prüfung für sich entscheiden und durften als Belohnung mit ihrem 3. Platz mit auf's Treppchen. Boris Garafulic trieb den 3. MINI auf Platz 4, Vilagra den 4. MINI auf Rang 9, den 5. MINI schleppten Schott/Schmidt, ein reines Privat- Team, nach einem kapitalen Getriebeschaden am 3. Tag noch auf Endrang 41. Wo blieben die übrigen, vorher so hoch Gehandelten? 3 der bärenstarken Toyota V-8-Pickups liefen auf den Rängen 5, 6 und 8 ein, ehrenvoll, da diese Starter noch nicht die ganz große internationale Erfahrung besaßen. Zwei der 4 gemeldeten und anfangs so mächtig aufgeigenden Ford HRX liefen auf 7 und 10 ein. Gut, einige der weltbekannten großen Starter waren nicht angetreten, schonten sich und die Fahrzeuge für die kommende Dakar wohl. Aber eines der versierten Teams bekam seit Anbeginn das Pech nicht von den Reifen: das deutsche Privat-Team Kahle/Dr. Schünemann auf dem SAM- Proto, einem stark modifizierten und neu aufgebautem Mercedes aus der ML-Serie. Vielleicht war in der Vorbereitungszeit ein bisschen zu viel an Tuning vollzogen worden, denn nahezu an jedem Tag sorgte eine andere Komponente für Ärger und Zeitverlust. Die Mechaniker hatten kaum noch Zeit zum Schlafen, bekamen den SAM 30D-CC aber immer wieder zum Start auf die Beine. Erst am 6. Tag, beim Finale also, rannte das Gerät so, wie es das Team geplant hatte. Stunden, ja sogar Tage waren dem Team vorher an Strafzeiten notiert worden und sie gaben nie auf. Am Finaltag also ließen Kahle /Dr. Schünemann den SAM also problemfrei ins Ziel fliegen. Dabei hatten sie noch 37 Konkurrenten überholt trotz schwierigster Bedingungen. Den Pokal für die größten Pechvögel hätten sie voll verdient, wenn es ihn denn gäbe. Hartnäckigkeit zahlt sich eben doch aus…

Text: Frank Nüssel/CineMot

Bilder: X-raid /HS-Team

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