Test-Tour: BMW Z4 (sdrive 2.0)

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BMW hat dank eines Faceliftings und eines neuen Vierzylinder-Reihenmotors aus dem puristischen, zweisitzigen Kraftprotz Z4 (wieder) so etwas wie einen offenen Volkssportler gemacht. Wir fuhren den offenen Sportwagen mit der 184 PS leistenden Zweiliter-Basismotorisierung.

Zugegeben, ein bisschen Skepsis schwang schon mit bei dieser Vorstellung: Ein BMW Z4, also ein reines, offenes Spaß-Auto. Eine „Heckschleuder“. Ein flach gedrungener, offener Hingucker mit ultralanger Motorhaube, kurzem, kräftigen Stummelheck, das auf Fahrmaschine hinweist. Und dann als „Befeuerungs-Anlage“ ein Vierzylinder mit eher mickrigen 184 PS. Klang nicht unbedingt nach reichlich Fahrspaß.

Aber genau darum wollten wir dieses Auto ja fahren. Um unser (Vor)Urteil auf den Prüfstand zu stellen. Doch nach gut zwei Wochen Spätsommer mit dem BMW Z4 sdrive 20i können wir mit Fug und Recht behaupten: Auch ein Roadster der gehobenen Klasse, normalerweise ausgestattet mit mächtigen mehrzylindrigen Triebwerken so um die 300 PS, kann zurecht gestutzt auf vier Zylinder, auf zwei Liter Hubraum, auf 184 PS, auf ein strammes Drehmoment von 270 Newtonmeter vor allem Eines: Er kann richtig viel Spaß machen. Das also ist der erste „Aha-Effekt“.

Zwar bietet BMW auch noch einen sdrive 18i mit einem 156 PS starken Vierzylinder an, doch für den sdrive 20i ist die Version mit diesem Aggregat die Basismotorisierung. 4,24 Meter lang, 1,79 Meter breit, 1,29 Meter niedrig. Höhe wäre wohl das falsche Wort. Die äußeren Maße zeigen (inklusive des zwischen 180 und 310 Liter variierenden Gepäckraums je nach offenem oder geschlossenem Auftritt) wohin die Reise mit diesem Fahrzeug gehen soll: ins vergnügliche Gute-Laune-Spaßauto-Land.

Der Spaß beginnt mit diesem Auto schon beim stehen. Und nicht erst beim fahren. Denn bei versenktem Hardtop genießt man bei „Rot“ an der Ampel schon einmal neugierige und neidvolle Blicke der übrigen Verkehrsteilnehmer. Denn der Z4 hat visuellen Charakter. Einen eigenen wohlgemerkt: Ein aufregendes Blechkleid-Spiel konvexer und konkaver Formen, das umso nachhaltiger wird, wenn sich je nach Tageszeit auch noch Strahlen des Sonnenlichtes darin brechen. Zu den optischen gesellen sich akustische Reize: Die Sound-Ingenieure haben dem Triebwerk ein kurzes, kräftiges Bellen beim Anlassen verpasst, das den Auftritt wirkungsvoll unterstützt.

Der Hinterradantrieb des Z4 macht in Verbindung mit der kurzen, knackigen Sechsgang-Schaltung, einem strammen, individualisierten Fahrwerk und der Erkenntnis, dass 184 PS ein richtig kleines Kraftpaket sein können, Laune. Wer seinen Fahrstil den geänderten Antriebsbedingungen von der Hinterachse her ein wenig variieren kann, der wird auf der Reise zu der angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h den BMW-Slogan nach empfinden können: Aus Freude am fahren. Der Vollständigkeit halber sei noch angemerkt: den Zeitraum für den Sprint von Null auf 100 gibt der Hersteller mit 6,9 Sekunden an.Vom Spaß- zum Vernunft-Verhalten: Mit seinem Hardtop ist der BMW Z4 sdrive 20i ein vollwertiges Ganzjahres-Auto. Windgeräusche bei geschlossenem Verdeck können wir auch bei höheren Geschwindigkeiten keine vermelden. Natürlich ist ein zweisitziger Roadster kein „Pampers-Bomber“, aber für ein entspanntes Wochenende oder einen Urlaub zu zweit mit je einer Reisetasche reicht es allemal. Dann sollte aber das Verdeck nicht geöffnet sein. Für unsere Fahrten in der Stadt, auf dem Land und auf der Autobahn haben wir einen Schnitt von 6,8 Litern Super-Kraftstoff auf 100 Kilometern errechnet. Dass kann sich für ein Fahrzeug mit diesen Rahmenbedingungen durchaus sehen lassen.Fazit: Roadster fahren, in diesem Falle also den BMW Z4, kann auch mit einem kleinen Triebwerk unter 200 PS reichlich Spaß bringen. Vor allen dann, wenn man schnell mit dem Hecktriebler „eins ist.“ Und ein Einstiegspreis von 36.950 Euro ist für einen zweisitzigen Roadster, mit dem man in der Tat Aufsehen erregt, ist auch ein Argument, bei dem interessierte Käufer das Vergleichen anfangen.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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