Gefährliche Unkenntnis: Continental-Umfrage zu Winterreifen

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Der Winterreifen, Dein unbekanntes Wesen? Teilwiese erschreckende Ergebnisse erbrachte eine im Auftrag des Reifenherstellers Continental in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage bei Autofahrer(inne)n rund um dieses Thema.

Große Wissenslücken, offenkundiges Desinteresse, oder aber auch – günstigenfalls – die Erkenntnis, dass es sich unter Umständen doch segensreich auswirken könnte, wenn man sich als aktiver Verkehrsteilnehmer ein wenig besser mit der Materie auskennen würde. Das sind, auf den größtmöglichen Nenner gebracht, die Ergebnisse der freiwilligen „Inspektion“, die der Reifenspezialist in den Köpfen der rund 1.000 Probanden hatte vornehmen lassen.

So wussten etwa 97 Prozent der Befragten nicht, dass die gesetzliche Restprofil-Grenze eines Pneus bei 1,6 Millimetern liegt. Unterhalb dieser Grenze dürfen Reifen laut StvO nicht mehr gefahren werden. Selbst bei einer so genannten „gestützten Umfrage“, bei der man den Befragten verschiedene Grenzwerte zur Auswahl gestellt hatte, kam nur knapp ein Viertel auf das richtige Ergebnis. Zu vermuten ist, dass auch hier der Zufall ein wenig Regie führte. Conti (und andere Hersteller übrigens auch) empfehlen dagegen einen deutlich höheren Wert von vier Millimetern. Die Ignoranz machte auch vor dem eigenen Material nicht halt: Mehr als die Hälfte der Teilnehmer wussten nämlich nicht einmal, wie abgefahren ihre eigenen, eingelagerten Winterreifen waren.

Dass es auch eine gesetzlich vorgeschriebene Nutzung von Winterreifen („angepasste Bereifung“) gibt, war längst nicht allen Teilnehmern an der Umfrage bekannt. Geschweige denn, dass sie auch stets befolgt worden wäre. Obwohl der Winter 2012/2013 mitunter in eine wahre Eis- und Schnee-Orgie ausgeufert war, kamen immer noch knapp fünf Prozent der befragten Verkehrsteilnehmer/innen auf die gar nicht lustige Idee, mit ihren „Sommerschlappen“ unterwegs zu sein. 15 Prozent warfen sich mit Ganzjahres-Reifen ins winterliche Getümmel, die ebenfalls einen Platz in der Garage oder beim Reifenhändler des Vertrauens verdient gehabt hätten.

Dass man mit Winterreifen zwar mit längeren Bremswegen rechnen muss, war den meisten Autofahrern bekannt. Conti gibt als „Peilwert“ etwa 20 Prozent an. Viele Teilnehmer der Befragung lagen bei ihren Schätzungen jedoch zum Teil zwischen 40 und 50 Prozent. Viel schlimmer ist allerdings, dass eine Vielzahl von Autofahrern sich gar nicht bewusst ist, welches Risiko sie mit (teilweise auch noch ausgelutschten) Sommerreifen bei Matsch, Schnee und Eis eingehen. Dass sich der Bremsweg dabei in der Praxis verdoppelt, darauf kam nur etwa ein Drittel der Befragten. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer irrten sich dagegen gewaltig und schätzten diesen gefährlichen Wert als viel zu niedrig ein. Ein weiteres Indiz für gefährliche Unkenntnis: Die Vorteile von breiteren Reifen im Winter (stabile Seitenführung, hohe Lenkpräzision, kürzere Bremswege) sind auch nur einer Minderheit bekannt.

Fazit der Befragung: Es besteht nach wie vor ein hoher Informationsbedarf bei deutschen Autofahrerinnen und Autofahrern zum Thema Reifen, in diesem Falle besonders zum Winterreifen. Was vielleicht auch daran liegt, dass die „Lieblingsthemen“, über die rund um das Thema Automobil berichtet wird, anderer Natur sind: Da geht es dann um Elektro-Mobilität, um interaktive Nutzung von Smartphones, Laptops und anderen Multimedia-Geräten im Fahrzeug. Und weniger um den Reifen, der jeweils auf einer Postkarten-Größe die einzige Verbindung vom Fahrzeug zur Straße herstellt. Und der eine viel höhere Wissens-Akzeptanz verdient und auch nötig hätte.

Text: Jürgen C. Braun
Fotos: Braun, Continental

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