Subaru Forester 2,0 D: SUV extrem

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Sie erzählen ja Vieles und Blumiges, übertreiben, untertreiben gerne und häufig, die Hersteller von SUV-Fahrzeugen. Sie offerieren dem Käufer Sicherheit und Komfort in allen Lagen und zu allen Jahreszeiten, sie geben Verbrauchswerte an, die im Labortest quasi stehend gefahren wurden, die nie und nimmer der wahren Praxis entsprechen.

Wir nahmen uns einen typischen Vertreter der neuesten SUV-Generation als Test-Probanden vor, um ihm gehörig auf die (Getriebe-)Zähne zu fühlen, den Unterschied zwischen Dichtung und Wahrheit offen zu legen: den neuen Subaru Forester mit dem 4-Zylinder Boxer-Diesel, der aus zwei Litern Hubraum etwa 150 PS und ein Drehmoment von 350 Newtonmetern bereit stellt. Permanenter Allradantrieb mit offenem Differenzial wohnt ihm inne. Subaru hatte vor einigen Jahren für dieses Modell das Reduktionsgetriebe eingespart, bei der neuen Generation aber ein 6-Ganggetriebe implantiert, das, quasi als Ausgleich zur fehlenden Reduktion, einen relativ kurzen ersten Gang aufweist. Wir wollten es wissen, wie weit man damit fahren kann, ohne hängen zu bleiben oder vorzeitig den Rückweg antreten zu müssen. Im italienisch-französischen Grenzgebiet zwischen Mont Chaberton, Sommeiller und Assietta-Grenzkammstraße im nordwestlichen Piemont, allemal zwischen 2.000 und 3.000 Höhenmetern, liegen noch alte Militärpfade aus den Kriegen 1870/71, 1914/18 und 1939/45, die zu Forts und Bastionen bis in Höhen von über 3.100 Meter führen. Meist halb zugeschüttet, rumpelig, von Steinmuren überschüttet, holprig, steil und mit hautengen Kurven und überschlanken Brückchen gespickt. Das ideale Testgeläuf für beinharte 4×4-Fahrzeuge, wohl weniger geeignet für SUV-Geräte. Dachten wir, probierten es aus und waren mehr als überrascht.

Die erste Welle des Forester 6-Gang-Getriebes zog und schob den 1,6-Tonner zwischen 1.400 und 1.900 Kurbelwellenrotationen hinauf, dass es die ziemlich wahre Freude war. Fiel die Drehzahl unter 1.200 UpM, verweigerte das Triebwerk seinen Dienst. Zu Recht. Dann war es einfach zu steil, mehr als knapp 60 % waren dann nur noch mit schleifender Kupplung und angehobener Drehzahl (ca. 2.100 UpM) im Notfall (nur 3x!) zu schaffen, ohne das Risiko einzugehen, mit abgestorbenem Motor rückwärts unkontrolliert abzuschmieren. Nein, wir hatten keine wirklich kritische Situation zu bewältigen, unsere jahrzehntelange Erfahrung bewahrte uns gottlob davor. Das Fahrwerk animierte zu freudigen Themengesprächen: Die aufgezogenen Yokohama Geolandar G91-Pneus waren für stets ordentlichen Grip zuständig, obwohl sie tagtäglich regelrecht gequält wurden, Federwege und Dämpferkennungen, die 4 Scheibenbremsen, die Stabis…alles hielt nicht nur den mannigfachen Belastungen stand, sondern spendierte Sicherheit und Komfort in allen Lagen. Vor Jahren hatten wir diese Tour mit einem 6-Zylinder-Benziner in einem Hardcore-Geländewagen mit Untersetzung gefahren. Mit 30 cm Bodenfreiheit. Unser Forester offerierte 22 Zentimeter Luft unter'm Kiel, was völlig ausreichte. Nur: die Quittung beim Sechszylinder an der Tankstelle war fürchterlich: zwischen 17 und 22 Liter kostbaren Supers waren für 100 km Wegstrecke durch gelaufen. Wir ahnten auch diesmal Arges. Und trauten unseren Augen nicht, als wir die Tankstelle heimsuchten, um das Dieselfass aufzufüllen. Der Forester belohnte uns und seine Konstrukteure mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,29 Litern Leichtöls, immerhin auf eine Gesamtstrecke von gut 2.000 Kilometern. Vom eingesparten Etat ließen wir uns am letzten Tag ein 4-gängiges Menü auffahren, nach Piemonteser Art, vor Ort natürlich. Ist das etwa nichts?

Text und Bilder: Frank Nüssel/CineMot

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