BMW: 30 Jahre mit Diesel

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Ein Dieselmotor im BMW? Vor 30 Jahren war diese Kombination für die meisten Fans der weißblauen Marke unvorstellbar. Ausgerechnet der Liebling der linken Spur trug aber nun einen nagelnden Ölbrenner unter der Haube, so wie bis dahin eher betuliche Mercedes-Taxis oder kleine Knauserer in der Art des VW Golf. Ganz so war es allerdings nicht, bekam der Businessliner von BMW als neues Herz doch den weltweit ersten Sechszylinder-Turbodiesel mit respektablen 85 kW/115 PS Leistung. Dennoch: Damals war der erste Turbodiesel aus München sensationeller als es heute ein Ferrari mit Selbstzünder wäre. Tatsächlich ließ aber der neue BMW 524td alles vergessen, was man bisher mit trägen und unkultivierten Dieseln verband.

Fast zehn Jahre hatten die Münchner benötigt, um den ersten eigenen Diesel serienreif zu machen. Immerhin sollte der neue Turbo-Motor nicht nur das Mitschwimmen im neuen Motoren-Modesegment ermöglichen, sondern dort sofort zum Schrittmacher werden. Tatsächlich gelang es den Bayerischen Motorenwerken, mit dem schnellsten Diesel der Welt davon zu stürmen.

Der im österreichischen Steyr gefertigte Sechszylinder ließ nicht nur bei den Fahrleistungen – Spitze 184 km/h und Spurt von Null auf 100 km/h in 12,9 Sekunden – sondern auch beim Geräuschkomfort die rau laufenden Wettbewerber weit hinter sich und präsentierte sich mit einem Normverbrauch von 5,2 Liter bei Tempo 90 als Sparmeister. Drehfreudig und agil wie ein Benziner war der 524td das richtige Auto, um sogar hartnäckige Dieselgegner durch Temperament und günstige Tankrechnungen zu überzeugen.

Insgesamt entschieden sich 74.000 Käufer für den 524td, darunter viele Kunden, die dem Stern untreu wurden. An der Diesel-Begeisterung für BMW änderten nicht einmal durchgebrannte Zylinderkopf-Dichtungen was, die nach ausgedehnten Vmax-Passagen auf deutschen Autobahnen auftreten konnten. Hier trug der erste BMW Turbodiesel ein besonderes Erkennungszeichen: Genau wie seine Konkurrenten blies der Selbstzünder tiefschwarze Wolken aus dem Auspuff, die sich bei der damals noch üblichen wöchentlichen Autowäsche nur durch Poliermittel entfernen ließen.

Bereits 1986 hatten die Bayern ihren nächsten Pfeil aus dem Köcher gezogen. Das Herzstück der Marke, der 3er, erhielt 1985 ebenfalls den Sechszylinder-Selbstzünder. Auf den Saugdiesel im 324d folgte zur IAA 1987 der 324td. Ein 187 km/h schneller Sparer (5,2 Liter Norm-Verbrauch) mit der weltweit erste elektronische Steuerung für Dieselmotoren. Vor allem hielt der Selbstzünder nun auch im Lifestylekombi „Touring“ Einzug. Gegen den schwarzen Nebel aus den Endrohren ging BMW kurz darauf ebenfalls vor. 1989 erhielten die Modelle BMW 524td und BMW 324td einen ersten Diesel-Katalysator.

Relativ spät lancierten die Bayern einen Diesel in der Luxusklasse. Während der Mercedes 300 SD schon Ende der siebziger Jahre Schlagzeilen machte, zeigte BMW nicht vor 1996 den 725tds als erstes staatstragendes Selbstzünder-Flaggschiff. Wirklich punkten gegenüber den leistungsstärkeren Stuttgartern konnten die Münchner dann drei Jahre später mit dem BMW 740d und dem ersten bayerischen V8-Dieselmotor.

Lust auf Leistung und Freude am Sparen kennzeichnete die Dieselentwicklungen der letzten Jahre bei BMW. Das Technik-Paket mit der für viele Kunden kaum aussprechbaren Bezeichnung BMW Efficient Dynamics umfasste ab 2007 die zeitgeistigen Bestandteile Bremsenergie-Rückgewinnung, Schaltpunktanzeige und Start-Stopp-Technik. Außerdem gab es die variable Twin-Turbo-Technik jetzt auch für die Vierzylinder-Diesel. Lohn der Sparbemühungen: Der BMW 118d erzielte 2008 einen damals sensationell niedrigen Normverbrauch von 4,5 Litern und wurde ausgezeichnet als „World Green Car of the Year“. Heute hat der Diesel bis auf den Z4 Roadster alle BMW-Baureihen erobert.

Text: Spot Press Services/Wolfram Nickel
Fotos: BMW, SP-X

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