Buchtipp – Wu/Klitzner: Heiltees für Körper, Geist und Seele

Foto 1

Erst mal einen Tee aus Heilpflanzen verordnen – nach der Devise handeln heute gerne auch Ärzte, die sich der klassischen „Schul“medizin verschrieben haben. Fenchel für den unpässlichen Magen, Thymian gegen lästigen Hustenreiz – das sind typische Hausrezepte, die man noch aus Kindertagen kennt. Aber auch Schlafstörungen, rheumatische Formen und andere Erkrankungen werden – zumindest begleitend – mit Aufgüssen aus Heilkräutern behandelt. Immer beliebter wird zudem die Traditionelle Chinesische Medizin, kurz: TCM, bei der Heiltees neben anderen Formen eine Säule der Behandlung darstellen. Darin ausgebildete Ärzte nennen als klassische Einsatzgebiete unter anderem Rückenschmerzen beim typischen Bewegungsmangel, Allergien und wiederkehrende Erkältungen.

Was man zuerst mal selbst mit einem Tee angehen kann und wo sofort ärztlicher Rat einzuholen ist, das unterscheiden die beiden Autoren hier sehr genau. Und das muss man ernst nehmen, ansonsten handelt man fahrlässig. Tatsächlich ist die Bandbreite der Beschwerden, die sich so behandeln oder mitbehandeln lassen, recht groß. Entscheidend aber ist, dass die Experten das Kräuterwissen aus zwei Kulturen vor dem jeweiligen Verständnis aufschlüsseln. So werden TCM-Rezepte ebenso vorgestellt wie Mischungen aus europäischen Kräutern. Exakte Zubereitungshinweise finden sich neben praktikablen Dosierungsangaben. Gerade jetzt werden Stichwörter wie Sonnenbrand und Insektenstiche besondere Beachtung finden.

Besonders interessant ist, dass die Autoren – Li Wu ist ausgebildeter Mediziner, Absolvent der Universität Peking und in Deutschland als Heilpraktiker zugelassen, Jürgen Klitzner ist approbierter Apotheker – auch detaillierte Informationen zur komplexen Wirkung von Pflanzen geben. So war es Erfahrungswissen „von früher“, dass Lindenblüten eben schweißtreibend wirken und damit eine Erkältung gleichsam über Nacht vertreiben können. Heute ist auch der Grund für die Wirkung bekannt – Glykoside sind dafür verantwortlich. Unter anderem können auch Bitterstoffe und ätherische Öle für hervorragende Effekte verantwortlich sein. Und: Wie eine Pflanze wirkt, das kann von Region zu Region durchaus unterschiedlich sein. Weißdorn, in Europa eine typische „Herz“pflanze, von der es auch Tabletten und Tropfen nach ärztlicher Verordnung gibt, gilt in der TCM, wenn dort angepflanzt, als probates Magenmittel.

Die beiden Autoren raten keineswegs zum sorglosen Umgang mit Heilpflanzen, schon gar nicht dazu, eigenmächtig bewährte Medikamente abzusetzen und gegen eine Kräuterrezeptur einzutauschen. Das wäre unverantwortlich. Eine gute Ergänzung liefern die zahlreichen Rezepte allemal. Und wer sich beim Hausarzt des Vertrauens ärztlichen Rat zu einem dieser Rezepte einholen will, dürfte offene Türen einrennen. Denn die Zeiten, in denen der Mediziner einfach anordnete, ohne den Dialog mit dem Patienten zu suchen, sind doch – vielleicht bis auf wenige Ausnahmen – vorbei. Nicht zuletzt das Bedürfnis der Patienten nach einem Miteinander von Schul- und Alternativmedizin hat dazu beigetragen.

Li Wu/Jürgen Klitzner: Heiltees für Körper, Geist und Seele. 304 wirksame Rezepturen aus den traditionellen Heilkulturen Chinas und Europas. Mankau Verlag; 17,95 Euro.

Scroll to Top