Test-Tour: Opel Astra GTC (neuer 1.6 SIDI Turbo)

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Opel hat auf die fortwährende Kritik an seinem Motorenprogramm reagiert und will jetzt mit einem Programm an modernen Triebwerken sowohl bei Benzinern wie auch bei Diesel-Aggregaten verloren gegangenes Terrain in den nächsten Jahren sukzessive wieder zurück erobern. Drei verschiedene aktuelle Opel-Modellreihen, nämlich der kompakte Astra, die Großraumlimousine Zafira Tourer und das neue Cabriolet Cascada, werden sukzessive als erste mit den neuen Antrieben bedacht. Als erste an den Start gehen ein 1,6 Liter großer Benziner mit Direkteinspritzung und Turbolaufladung (170 PS) sowie ein Commonrail-Diesel, der aus ebenfalls 1,6 Litern Hubraum eine Leistungsausbeute von 136 PS schöpft.

Wir fuhren den Opel Astra GTC mit dem neuen Direkt-Einspritzer Benziner. Das neue Aggregat kann nicht nur mit seiner Direkteinspritzung, sondern darüber hinaus auch mit einer Abgas-Aufladung beim Kunden punkten. Die Opel-Ingenieure sprechen bei ihrem neuesten Benziner-Antrieb von einem beträchtlichen Leistungszuwachs, der bei bis zu 30 Prozent liegen soll. Gleichzeitig soll aber der Kraftstoff-Verbrauch um bis zu 13 Prozent gesenkt werden. Dass Opel ausgerechnet beim Volumenmodell Astra den neuen Benziner als ersten einführt, hat seine Gründe: Schließlich könnte (und soll) sich das Aggregat in einem Modell, das als Bestseller des Hauses gilt, am ehesten auf dem Markt durchsetzen.

Opel hat dem Aggregat auch gleich einen einprägsamen Namen mit auf den Weg als Geburtshelfer eines neuen Selbstverständnisses für das neue Motorenprogramm gegeben: 1,6 SIDI Turbo, eine Bezeichnung, die zunächst etwas verklausuliert klingt. Das Kürzel steht für die englische Bezeichnung „Spark Ignition Direct Injection“. Es bezeichnet den neuen Turbo-Direkteinspritzer, mit dem Opel den dreitürigen Astra GTC ausstattet. Das Triebwerk ersetzt den bisherigen 1,6-Liter-Turbo, dem im unteren Drehzahlbereich stets eine etwas „zähe Arbeitsauffassung“ nachgesagt wurde. Derlei Vorurteile muss sich der Nachfolger nicht mehr anhören.

Und das nicht nur wegen der 170 PS, die er jetzt auf die Kurbelwelle stemmt. Die Maschine für den dreitürigen Rüsselsheimer Kraftbolzen generiert zudem ein maximales Drehmoment von 260 Newtonmeter. Mit der Overboost-Funktion können kurzfristig sogar 280 Nm Drehmoment abgerufen werden. Kein Wunder, dass die Väter des Motors dabei geradezu ins Schwärmen geraten: „Mit diesen Topwerten zeigt der Astra GTC 1.6 SIDI Turbo seinen schärfsten Konkurrenten die Rücklichter.“

Nun, wir haben bei unseren ersten Testfahrten mit dem Dreitürer Astra GTC zwar nicht die Rücklichter der Konkurrenz gesehen (vielleicht auch weil zufällig gerade keine Konkurrenten auf der Straße waren). Beeindruckt von dem, was da bei Opel entstanden ist, um unter die Haube gepackt zu werden, waren wir trotzdem. Wir attestieren dem Direkteinspritzer auf Anhieb einen enormen Durchzug und hohe Drehfreudigkeit. Opel gibt die Höchstgeschwindigkeit der neuen GTC-Variante mit 219 km/h an. Der Spurt von Null auf Tempo 100 soll in 8,6 Sekunden erledigt werden.

Den Opel-Ingenieuren ging es bei der Entwicklung des neuen Triebwerks jedoch nicht nur um die reine PS-Ausbeute, um Leistung und Drehmoment. Im Einklang damit soll das Ergebnis auch mit einer hohen Laufkultur verbunden sein. In der Tat tun sich da zwischen dem Vorgängermodell und der aktuellen Variante große Unterschiede auf. Um die Geräusche und Vibrationen zu drosseln, packte Opel in die Trickkiste: Ventildeckel und Zylinderkopf wurden durch spezielle Verschlüsse voneinander entkoppelt, wodurch sich schon ein sehr leiser Leerlauf ergibt. Geht es dann los mit dem Leistungsabruf, wird das Klangbild zwar kernig und kräftig, aber eher sonor und nicht nervend.

Der Astra GTC mit 170-Turbo-PS kostet 23.850 Euro, wer statt eines manuellen Getriebes lieber eine Sechsgang-Automatik haben möchte, kommt auf 25.500 Euro. Die beiden neuen Triebwerke sind nur der Anfang: Bis 2016 sollen weitere elf folgen.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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