Škoda: Ein Millionär aus Tschechien

Foto 1

Als Peter Kirchhoff sein neues Auto am 3. Juli 2000 beim Händler abholt, notiert er einen Stand von elf Kilometern in sein Fahrtenbuch. Auf den Tag genau 13 Jahre springt der Tacho seines Wagens auf sechs Querstriche um – Error. Serienmäßig waren so viele Kilometer nicht vorgesehen. Eine Million Kilometer ist Kirchhoff mit seinem Škoda Fabia unterwegs. Dieser Mann und sein Auto sind kein ausgeklügelter PR-Gag – so perfekt könnte sich das keiner ausdenken.

Die Geschichte von Peter Kirchhoff und seinem Škoda Fabia aus Sprockhövel bei Wuppertal beginnt eigentlich schon ein paar Jahre vor ihrem ersten Zusammentreffen. Zu dieser Zeit fuhr Kirchhoff einen anderen Wagen. „Der hat vom ersten Tag an gezickt.“ Mit 153.000 Kilometern kam das Auto in die Schrottpresse – Motorschaden. Dass ihn das gewurmt hat, merkt man daran, wie Kirchhoff erzählt. Dann sagt er: „Damals habe ich gesagt: Beim nächsten Auto beweise ich, dass es nicht an meiner Fahrweise lag.“ Und als sein Gegenüber skeptisch schweigt, lacht er und fügt hinzu: „Das stimmt wirklich!“ Um den Beweis für seine Fahrkünste anzutreten, kauft sich Kirchhoff 2000 einen neuen Škoda Fabia mit 1,9-Liter-Dieselmotor und 73 kW/101 PS für umgerechnet 13.400 Euro.

Der fährt ihn seitdem zur Arbeit – 80 Kilometer eine Strecke -, in die Ferien nach Kroatien oder in den Skiurlaub in die Alpen. Jeden Kilometer und auch die Kosten dafür hält Kirchhoff fest, in einem Computerprogramm, das er eigens dafür geschrieben hat. „Eine kleine Spinnerei“, sagt der Betriebswirt. Als die Kilometerstände im Fahrtenbuch langsam auf die 500.000 zugingen, habe er schon ein bisschen überlegt, ob der Fabia das schaffen könnte. Das zwar 2007. „Danach war für mich aber relativ selbstverständlich, dass er auch die Million packt.“

Fortan absolviert er besondere Kilometerstände an besonderen Orten. 600.000 in Berlin, 700.000 in Kopenhagen, 750.000 am Stilfser Joch. Das liegt in der Mitte einer zweiwöchigen Alpenüberquerung. Denn längst ist das Kilometerfressen zum Hobby geworden, Familie und Freunde fiebern mit. Bei 865.000 Kilometern lässt Kirchhoff die Sitze auswechseln, im Fahrersitz kneift eine Sprungfeder. Erst habe er sogar überlegt, sich für die letzten Kilometer bis zur Million mit einem Sitzkissen zu behelfen. Der Rest des Wagens ist im Originalzustand – Auspuff, Motor, Kupplung und Getriebe sind Teile, die ab Werk eingebaut wurden.

Aber was ist das Geheimnis dieses außerordentlich langen Autolebens? Zum einen die regelmäßige Wartung – Kirchhoffs Werkstatt kennt mittlerweile jede Schraube. „Man bekommt ein Gespür dafür, wie Motor, Bremsen und Stoßdämpfer klingen müssen“, sagt der 47-Jährige. „Wenn ich irgendetwas höre, geht der Wagen sofort in die Werkstatt“, wobei er das „sofort“ betont. Und dann kommt noch eine entspannte Fahrweise hinzu. „Ich schwimme viel mit den Lkw mit“, beschreibt es Kirchhoff. Man könnte auch das in Zahlen ausdrücken: 3,7 Liter Diesel braucht sein Fabia im Schnitt. Vom Hersteller angegeben sind 4,9 Liter Durchschnittsverbrauch. Davon träumen PR-Fachleute.

Es ist also kein Wunder, dass mit der Zeit auch Autobauer Škoda selbst auf den angehenden Kilometer-Millionär aufmerksam wird. Und so führt Kirchhoffs Fahrt, um die Million voll zu machen, nach Mladá Boleslav, der Wiege des Fabia und den Stammsitz Škodas, zahlreiche Freunde und Fans begleiten ihn zu einem kleinen Empfang. Pflichtschuldig zeigt der Tacho 999.999 Kilometer an – und dann nur noch Striche. Was aber Kirchhoff natürlich nicht davon abhält, künftig weiter zu fahren – schließlich gibt es noch den Tageskilometerzähler.

Allzu viele Kilometer muss der tapfere Fabia, den Kirchhoff manchmal liebevoll „Silberfpeil“ nennt, aber nicht mehr abreißen. Nicht, dass jemand auf falsche Gedanken kommt – ein Verkauf oder gar die Schrottpresse kommen natürlich nicht in Frage. Kirchhoff ermöglicht seinem treuen Begleiter einen prominenten Ruhestand: Er schenkt ihn dem Škoda-Werksmuseum. Aber erst, wenn sein neues Auto da ist. Der soll 2014 auf den Markt kommen. Es ist ein Fabia.

Text: Spot Press Services/Hanne Lübbehüsen
Fotos: Škoda, SPS

Scroll to Top