StarMaxx 2013: Teamgeist und Nostalgie im Herzen des Schwarzwalds

Foto 1
Foto 2
Foto 3
Foto 4

Auch in diesem Jahr fiel der Startschuss der beliebten StarMaxx-Rallye wieder am dritten Juni-Wochenende in Tuttlingen. In diesem Jahr gingen 85 Youngtimer und künftige Klassiker zunächst über das Donautal nach Oberschwaben ins Allgäu und anschließend durch den mittleren Schwarzwald bis hin zum „Boxenstopp-Museum“ in Tübingen. All dies selbstverständlich auf Straßen, die sehr oft abseits der Touristenrouten lagen. Die StarMaxx-Rallye ist ein singuläres Ereignis und eigentlich nicht mit anderen Rallyes vergleichbar. Hier kommt es auf den Teamgeist im und außerhalb des Cockpits an. Zugelassen zur Rallye sind Youngtimer und die potentiellen Klassiker der Zukunft. So war der älteste Wagen des diesjährigen Teilnehmerfeldes ein 1971er Alfa Giulia und das jüngste Fahrzeug ein Ferrari F 430 Spider F1 von 2009. Vertreten im Corso waren aber auch ein getunter Golf II mit 450 PS, ein Simca 1000 Rallye 3, ein Lancia Kappa Coupé und ein Suzuki Capuccino von 1994 – um nur einige zu nennen. Außerdem waren dieses Jahr auch zwei reine Frauenteams am Start und zwar jeweils auf einem Mercedes 190 E und einem Opel Monza Keinath C5 Cabrio aus dem Opel Classic Fundus – wahrlich eine Rarität! Vom diesem 180 PS starken Opel Keinath Monza, der aus dem Jahr 1985 stammt, wurden lediglich rund 22 Modelle gebaut. Unter seiner Motorhaube regiert eindrucksvoll ein Sechszylinder-Motor mit drei Litern Hubraum. Keinath, ursprünglich Opel-Vertragshändler aus Reutlingen, verlegte sich um die Jahrtausendwende auf den Umbau eines alten Opel GT und das nicht völlig unerfolgreich!Auch der Ascona wurde von Keinath getunt. Schließlich nahm sich der Spezialist auch dem damals größten Opel, dem Monza, an.

Vor dem Beginn des ersten Rallye-Tages in Tuttlingen wurden die Startnummern und Roadbücher (Mit diesem in der Hand wird der Beifahrer sozusagen zu einem „menschlichen“ Navigationssystem!) abgeholt und für StarMaxx-Neulinge wurde gleich klar: das ist eine – im positiven Sinne! – Veranstaltung der anderen Art. Die Stimmung war ausgesprochen gut, viele der Starter kannten sich bereits und sind alte Hasen bei dieser Veranstaltung. Jeder hilft dem Anderen und gibt uns Frischlingen gute Ratschläge. Wertungsprüfungen – wie von anderen Old- und Youngtimer-Veranstaltungen bekannt – sind hier fehl am Platz. Nach einer kurzen Fahrerbesprechung wurden die Köpfe zusammensteckt und das Roadbuch näher unter die Lupe genommen. Kurz markiert, wo sich die Sonderprüfungen und wo sich die „stummen Kontrollschilder und unbesetzten Durchgangskontrollen“ befinden? Die unbesetzten Durchfahrtskontrollen sind in Form von Fragen im Bordbuch vermerkt. Hier galt es Fragen zu beantworten, wie beispielsweise: „Wie heißt das Gasthaus auf der rechten Seite? Wieviele Sendemasten sind auf der linken Seite? Nach welchem Tier ist der hier gezapfte Sprudel benannt oder nach welchem Eau de Cologne wurde die Kreisstraße getauft?
Auf was muss man sonst noch achten? Zum Beispiel auf kreisrunde Schilder mit Nummern die am Straßenrand positioniert wurden und in die Bordkarte eingetragen werden müssen. Dann ging es los mit unserem Keinath Monza.

Gespannt saßen wir auf unseren roten Sportsitzen, ob der Dinge, die auf uns zukommen würden. Roadbuchanweisungen geben beziehungsweise ausführen, abhaken und immer wieder fiebernd nach Schildern suchen – das schweißt Fahrerin und Copilotin ebenso zum Team wie das Meistern der Wertungsprüfungen. So musste unter anderem ein 200 Meter langer Spurt – natürlich auf Zeit – absolviert werden. Unser 1,4 Tonnen schwerer Monza mit Viergangautomatik spurtete zwar etwas geschmächlich los, aber die letzten 100 Meter kam er richtig in Schwung. Bei dieser Prüfung war der Copilot ausnahmsweise nur schmückendes Beiwerk und konnte nicht mit ins Geschehen eingreifen. Die meisten anderen Prüfungen hingegen verlangten vom gesamten Wagenteam alles ab: Baumstammweitwurf, mit Bierdeckeln ein Kartenhäuschen bauen, Kartrennen, einen Turm mit sieben Kartreifen bauen, natürlich alles auf Zeit und vieles mehr. Nach rund 300 Kilometern neigte sich der Tag dem Ende zu und die Zielflagge sahen die Teilnehmer in der malerischen Studentenstadt Tübingen, am „Boxenstopp-Museum“, wo dann auch die traditionelle Samstagabend-Party stattfand. Hier trafen sich die Rallye-Teilnehmer und tauschten beim gemütlichen Zusammensein Erfahrungen aus und erzählten glückstrunken von ihren automobilen Schätzchen. So musste sich der Capuccino-Fahrer anlässlich eines Tankstopps folgende Frage anhören: „Trinkt der Wagen schon Sprit oder kriegt er noch Milch?“. Auch auf den Monza kam immer wieder die Sprache: Was ist das für ein Opel? Ein Keinath? Und immer wieder hörten wir das Versprechen, wonach im nächsten Jahr wieder viele mit dabei wären. Am zweiten Tag ging es auf eine rund 200 Kilometer lange Strecke von Tübingen in Richtung mittleren Schwarzwald nach Schmieh und von dort, wiederum über malerische und abgelegene Strecken fern von Autobahnen und gut ausgebauten Bundesstraßen, zurück nach Tübingen. Dort angekommen, wurden, noch vor der Siegerehrung, von allen Teams bunte Luftballons in den Himmel geschickt. Der Ballon, der am weitesten fliegt, gewinnt einen Freistart für die StarMaxx 2014. Vielleicht haben wir ja Glück. Und dennoch steht eines fest: bei diesem Event kann man nur gewinnen: Wer einmal den StarMaxx gemacht hat, will immer wieder dabei sein!

Text und Fotos:Ute Kernbach

Foto-Legende (von oben nach unten)

Opel Monza Keinath C5 Cabrio Baujahr 1985

Cockpit des Keinath Monza

Ein Mini MK II von 1991

Die Gesamtsieger Harald Schloz und Julian Maier auf einem Simca 1000 Rallye 3 von 1978

Scroll to Top