Buchtipp der Woche – Bernd Imgrund: 111 deutsche Wirtshäuser …

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Bernd Imgrund findet regelmäßig Orte zum Hinfahren, die echte Geheimtipps sind. Auch für Einheimische, die nur einen Steinwurf davon entfernt wohnen, aber die Schätze der Heimat bisher eher übersahen.

Jetzt war er unterwegs in Sachen Gastronomie. Und schon der Titel seiner Niederschrift ist herrlich anachronistisch: Wirtshäuser! Da denkt man erst mal an den Großvater, der regelmäßig zum Sonntags-Frühschoppen geht, als Zigarrenfan das Nichtrauchergesetz im Stillen regelmäßig verflucht, sich mit Bekannten trifft und dem Zeitungsjungen immer ein Exemplar der Sonntagsausgabe abkauft. Nicht, dass er so erpicht auf die Zeitung wäre, aber der Bub kann den Umsatz gebrauchen. Wirtshäuser! Sind die überhaupt was – pardon, liebe Alice Schwarzer – für Frauen?

111 Wirtshäuser hat Bernd Imgrund aufgesucht. Er war von Aachen bis Würzburg unterwegs. Es geht tatsächlich um Gastronomie, in der Gemütlichkeit im Vordergrund steht, das reale Zusammenkommen mit echten Menschen eine zentrale Rolle spielt – wkw hin, Facebook her – und neben zünftigen Getränken rustikale Mahlzeiten angeboten werden. Manchmal geht's auch in der Hinsicht schon mal etwas nobler zu, aber das ist eher die Ausnahme. Wer auf der Suche nach Restaurants ist, in denen das Schnitzel kleiner als die Salatgarnitur ist, wird hier nicht fündig.

Die Atmosphäre vom beschriebenen Großvater ist da durchaus spürbar. Aber die Gleichberechtigung ist absolut präsent. Die Wirtshäuser heißen zum Beispiel Dachsbau (Fulda), Alter Schwede (Wismar) und Ampütte (Essen). Man landet in Stadtteilen, die nicht so bekannt, aber umso reizvoller sind, zum Beispiel im beschaulichen Frankfurter Stadtteil Bornheim, der kaum was von Mainhattan, aber schöne Apfelweinlokale und einen vorzüglichen Wochenmarkt hat.

Alle Wirtshäuser haben ihre Geschichte. Und ihre schönen Eigenarten. Rauchbier aus Bamberg zum Beispiel sollte man nach Empfehlung des Autors nicht schon nach dem ersten Glas beurteilen. Und sich nicht wundern, wenn es Sitte ist, im Hof des Wirtshauses zu trinken. Statt in der Gaststube.

Gerade das ist das Schöne an Imgrunds gastronomischer Reise: Hier ein ausgefallener Name, da eine schrullige Anekdote, immer Fotos und alle wichtigen Reiseinformationen dazu. Und wer grad keine Zeit zum Verreisen hat, aber Imgrunds Recherchen selbst überprüfen will, hat's einfach: Bei der Vielzahl der Orte, die Imgrund bereist hat, ist garantiert mindestens einer um die Ecke vom eigenen Wohnbereich.

Bernd Imgrund: 111 deutsche Wirtshäuser, die man gesehen haben muss. Emons Verlag; 14,95 Euro.

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