Caracciola, Trips, Coulthard und eine Reise in die Historie: Das Eifelrennen

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Historischer Motorsport vom Feinsten aus mehr als einem halben Jahrhundert Motorsport: Das beinhaltet das Eifelrennen vom 14. bis 16. Juni auf dem Nürburgring. Das dreitägige Histo-Festival ist nicht nur das älteste Rennen auf der legendären Nordschleife, es bietet auch eine großartige Symbiose aus historischem Fahrzeuggut und packendem Motorsport auf Nordschleife und GP-Kurs.

Es war der 19. Juni des Jahres 1927. Auf der in der Eifel neu aus dem Boden gestampften Rennstrecke im „Armenhaus Deutschland“ wurde der erste motorsportliche Wettbewerb ausgetragen. Er trug den Namen „Eifelrennen“. Genau die gleiche Bezeichnung wird auch das kommende Wochenende auf der Nordschleife und der Grand-Prix-Strecke haben. Die einzige Ausnahme zum Original mit dem damaligen Sieger Rudolf Caracciola: es wird weit mehr als nur ein einziges Rennen gefahren.

Sowohl für Teilnehmer, aber auch für Zuschauer und Oldtimer-Freunde ist das Eifelrennen eines der Saison-Höhepunkte. Auf der inzwischen 86 Jahre alten Rennstrecke in der nördlichen Eifel tragen zahlreiche Markenclubs, die Klassik-Abteilungen der großen Hersteller, aber auch etliche Serien aus historischen Motorsport-Kategorien ihre Wettbewerbe aus. Das Eifelrennen ist keine „Schnauferl-Parade“, sondern bietet echten Motorsport mit Fahrzeugen, die über Jahrzehnte fachgerecht und liebevoll gepflegt wurden. Zudem werden sowohl das historische Fahrerlager, als auch das große Fahrerlager hinter der Boxengasse zu einem grandiosen Schaufenster von Fahrzeugen mit teils unermesslichem Wert.

Große Namen nicht nur von Fahrzeug-, sondern auch von Fahrerseite zieren die dreitägige Veranstaltung. Neben Cracks wie „Ringkönig“ Klaus Ludwig, Jochen Mass oder Roland Asch im Dunlop FHR-Langstreckencup wird auch der ehemalige Formel-1-Fahrer David Coulthard ins Volant greifen. Bei einem der Höhepunkte, dem Dreistunden-Rennen über die Nordschleife am Samstagnachmittag, wird der Formel-1-Vizeweltmeister von 2001, einen Mercedes-Benz 220 SE aus dem Jahre 1963 pilotieren. Eingesetzt wird das Schmuckstück von Mercedes-Benz Classic, einem der Partner des Eifelrennens.

Doch wenn sich danach am Samstagabend die Dämmerung über die Eifel legt, kehrt auf dem Nürburgring noch lange keine Ruhe ein – im Gegenteil: Rund 50 Renn- und Sportfahrzeuge aus der erfolgreichen Geschichte von Kremer Racing Cologne machen zum Jubiläum des Rennstalls die Nacht zum Tage. Zudem bieten im Graf-Trips-Pokal, benannt nach dem legendären deutschen Rennfahrer Wolfgang Graf Berghe von Trips, Formel Fahrzeuge aus den 60er und 70er Jahren mit 1,6- oder 2,0-Liter-Motoren besten Formelsport. Die nach dem ersten deutschen Formel 1-Sieger benannte Serie ist die am längsten bestehende Rennserie im historischen Motorsport.

Die eigentlichen „Herrscher der Grünen Hölle“ sind die Vorkriegsfahrzeuge bei dem vom FHR organisierten Vintage-Race, die bereits am Freitag die Nordschleife zu ihrem „Wohnzimmer“ machen. Namen wie Bentley Blower, Aston Martin, Invicta, Lagonda oder Delahaye lassen das Adrenalin steigen. Vor allem dann, wenn die „Elefanten“ im spektakulären Le-Mans-Start auch die körperliche Tüchtigkeit ihrer „Dompteure“ fordern und fördern werden.

Der Dunlop FHR Langstreckencup ist mittlerweile Europas größte historische Rennserie. Er wird seit 2001 ausgetragen und gehört mit über 80 eingeschriebenen Teams zu einer der weltweit größten Rennserien im historischen Motorsport. Seit diesem Jahr hat der den Status als FIA-Rennserie. Zugelassen sind historische GT’s, Touren- und Rennsportwagen der Baujahre 1949 bis 1971. Mit sieben Rennen zwischen zwei und vier Stunden sind die Einsätze dieser Fahrzeuge eine echte Herausforderung für Fahrer, Mechaniker und das betagte Material. Gemeinsam mit der Youngtimer-Trophy kämpfen in den Rennen durch die „Grüne Hölle“ wieder 150 Fahrzeuge um Positionen und Klassensiege. Fürwahr beeindruckendes Feld der Rennsport-Geschichte der Nachkriegsära.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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