Risiko oder Rückzieher: Wie verhalten sich Europas Junge und Alte im Straßenverkehr?

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Wir wirkt sich unser soziales Verhalten (Alter Herkunft, Präferenzen, aber auch soziales Verhalten) auf unsere Einstellungen zum Straßenverkehr aus? Ergeben sich daraus Rückschlüsse auf unser Risikoverhalten und die Unfallhäufigkeit in verschiedenen Bereichen des Straßenverkehrs? Antworten auf diese Fragen sucht seit mittlerweile mehr als 20 Jahren eine europäische Studie mit Namen SARTRE. Sie wird seit regelmäßigen Abständen durch geführt.

SARTRE nennt sich diese Bestandserhebung nicht weil sie etwas mit dem französischen Philosophen Jean Paul Sarte zu tun hat. Sie ist vielmehr eine Abkürzung für „Social Attitudes to Road Traffic Risk in Europe“. Ins Deutsche übersetzt bedeutet das: „Soziale Einstellungen zum Straßenverkehrsrisiko in Europa.“ In dieser europaweiten Studie zum Thema Mobilität geht es um Themenkomplexe wie Risikowahrnehmung, Einstellungen, Verhaltensweisen und Erfahrungen auf europäischen Straßen. Im Moment liegen die Ergebnisse von „SARTRE 4“ vor.

Auf einem Presseseminar des Deutschen Verkehrssicherheitsrates stellte die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch Gladbach das aktuelle Resümee vor. Beschäftigten sich die vorherigen Auflagen der Studie in erster Linie mit weiblichen und männlichen Autofahrern ging es bei SARTRE 4 vorzugsweise darum, Studie sowohl Motoradfahrer/innen, aber auch Fußgänger, Fahrradfahrer/innen und ÖPNV-Nutzer (also Busse, Bahnen etc.) mit in die Bewertung aufzunehmen. Die teilnehmenden Personen wurden mündlich befragt, also nicht per Post oder E-Mail kontaktiert. Insgesamt steht das Ergebnis von SARTRE 4 auf der Befragung von 21.280 Personen aus 19 europäischen Ländern. Durchaus repräsentativ, sollte man meinen.

Danach bestehen sowohl von der Altersstruktur als auch von der Verteilung der Altersgruppen über die verschiedenen Länder erhebliche Unterschiede. Interessant die aus Deutschland ermittelten Zahlen: Die bei uns interviewten Verkehrsteilnehmer haben mit 47,6 Jahren das höchste Durchschnittsalter. Danach folgen Belgien und Finnland (46,1 und 45,8 Jahre). Die jüngsten befragten Verkehrsteilnehmer sind – auf alle Länder bezogen – die Motorradfahrer/innen. Was einigermaßen verwundert, sagt man doch den reiferen Jahrgängen nach, sie hätten ihre Lust zum „Biken“ (wieder) entdeckt, sobald die Last des unbedingten Geld verdienen Müssens von ihnen abgefallen ist.

Was ebenfalls nicht verwundert: Ältere Verkehrsteilnehmer nehmen erwartungsgemäß seltener und weniger am Straßenverkehr teil als jüngere. Sie nutzen entweder – je nach Herkunft und Wohnort – Busse und Bahnen. Zum großen Teil aus gesundheitlichen Gründen, weil diese Art der Fortbewegung bequemer und auch risikoloser ist, als sich noch mit dem eigenen Auto/Motorrad ins Gewimmel zu stürzen. Dagegen spielen finanzielle und zunehmend auch ökologische Gründe bei jüngeren Leuten eine Rolle, wenn sie auf das Autofahren verzichten. Entweder, der Verdienst reicht noch nicht aus für ein eigenes Fahrzeug, oder sie greifen zu Angeboten wie Car-Sharing, Fahrrad, Fahrgemeinschaften, um das emittieren von Schadstoffen zu begrenzen.

Geht es dagegen um das Verhalten in Extrem-Situationen, also beispielsweise Geschwindigkeitsübertretungen, Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, dann fallen die jüngeren Leute schon einmal eher aus dem Rahmen. Will heißen: Ihre Bereitschaft zum Risiko ist weitaus höher, als dies bei älteren Menschen der Fall ist. Auch riskantere Verhaltensweisen und Unfälle innerhalb der letzten drei Jahre werden häufiger von den jüngeren Befragten angegeben als von Personen über 65 Jahren.

Die Ergebnisse, so die Referentin der BASt, vermittelten „einen umfangreichen Einblick in die öffentliche Wahrnehmung der Straßenverkehrssicherheit“ und böten zudem die Möglichkeit, „Verhaltensweisen und Erfahrungen in verschiedenen Ländern zu vergleichen“.

Weitere Informationen zur Studie unter: www.attitudes-roadsafety.eu

Text: Jürgen C. Braun
Fotos: DVR

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