Toyota Land Cruiser V8

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Gewaltig und doch geschmeidig:

Der Toyota Land Cruiser ist eine Legende im Sektor geländegängiger Fahrzeuge: 1951 beteiligte sich Toyota mit dem „Jeep BJ“ an einer Ausschreibung der US-Streitkräfte für ein neues, leichtes Geländefahrzeug. Aus dem Leiterrahmenfahrzeug mit Starrachsen und Blattfedern ist ein hochtechnisierter, leistungsstarker und luxuriöser Straßenkreuzer geworden, der noch immer kein Gelände scheut.

In 60 Jahren Land Cruiser hat Toyota weltweit mehr als sechs Millionen Fahrzeuge in über 170 Länder verkauft. Zu behaupten, dass der Geländewagen des japanischen Automobilkonzerns zu den erfolgreichsten seiner Art gehört, ist damit nicht übertrieben. Vom ersten bis zum aktuellen Modell hat der Wagen etliche Stationen durchlaufen, wurde konstant verbessert, modernisiert und optisch aufgewertet – stets am Nabel der Zeit. Vom Ursprung des Land Cruiser-Gedankens ist das aktuelle Modell weiter entfernt denn je: Statt eines leichten Geländewagens präsentiert sich das aktuelle Modell als echtes Luxusmobil, das nahezu keine Wünsche offenlässt.

Motor, Getriebe, Fahrwerk, Bremsen

Die Speerspitze der Land Cruiser-Motoren markiert der V8 mit knapp 4,5 Litern Hubraum und 286 Pferdestärken. Er will kein Platzhirsch auf der linken Autobahnspur sein, was zwar angesichts der nackten Leistungsdaten durchaus im Bereich des Möglichen ist; Sinn und Zweck des Autos ist jedoch ein ganz anderer. Mit dem 6-Gang Automatikgetriebe ist man allemal gut bedient, die Abstufung ist clever gewählt, so dass in allen Lebenslagen ausreichend „Saft“ zur Verfügung steht. Beim Ampelstart sieht so manch vermeintlicher Favorit ganz schön alt aus, wenn er den Land Cruiser auf den ersten Metern ziehen lassen muss. Trotz seines immens hohen Gewichts von fast 2,8 Tonnen beschleunigt das V8-Aggregat den Kollos in nur knapp acht Sekunden auf Tempo 100. Allerdings ist auch das nicht wirklich das Metier des Toyota Flaggschiffs. Kommodes Dahingleiten unter Ausnutzung sämtlicher Fahrerassistenzsysteme und dabei den Verbrauch Richtung acht Liter drücken – hier fühlen sich Auto, Fahrer und Insassen wohl. Apropos Verbrauch: Insgesamt 93 Liter fasst der Dieseltank, die vom Hersteller angegebenen 10,2 Liter lassen sich mit gezähmten Gasfuß und vorausschauender Fahrweise durchaus verwirklichen. Wer jedoch die Leistung des Land Cruisers auf der Autobahn ausschöpft, dem verhagelt es direkt die gesamte Bilanz. Dann nämlich kann man mit bloßem Auge die Bewegung der Tanknadel ausmachen, wenn sie mit großen Schritten Richtung „empty“ jagt. Wie in einer Sänfte gelangt man mit dem Land Cruiser ans Ziel. Komfortabel ist das Fahrwerk, nicht auf Sport ausgelegt. Schlaglöcher werden einfach verschlungen und nicht an die Insassen weiter gegeben. Kurven lassen sich selbst mit dem fast 2,8 Tonnen schweren Monstrum rasch durchfahren, aber nicht schnell. Selbst bei den angegebenen 210 km/h als Höchstgeschwindigkeit bleibt der Wagen extrem ruhig – vorausgesetzt, es ist windstill. Der riesige Aufbau gibt selbst den kleinsten Windstoß ungefiltert an das Lenkrad weiter. Ein großes Plus des Land Cruisers sind die Bremsen, die mit brachialer Gewalt zupacken und dem Vorschub massiven Einhalt gebieten. Dass die Stopper derart gut funktionieren, kommt nicht von ungefähr, denn immerhin muss die Bremsanlage 2,8 Tonnen Gewicht bändigen. Und das funktioniert nicht mit halbherziger Leistung.

Interieur

Stolze Besitzer der V8 Executive-Version werden nahezu nichts missen – der Riese hat alles an Bord, was das Fahren angenehm gestaltet. Neben zahlreichen und vor allem sinnvoll platzierten Ablage- und Staufächern überzeugt der Innenraum mit reichlich Platz. Vorne, hinten, rechts und links, selbst auf der zweiten Rücksitzbank sitzen Passagiere nicht wie nach neuester Origami-Anleitung gefaltet, sondern verhältnismäßig bequem. Apropos dritte Sitzreihe: Mit wenigen, einfachen Handgriffen, ohne Kraftanstrengung lassen sich die Sitze der dritten Reihe auf- und wieder abklappen. Beim Land Cruiser von beengten Platzverhältnissen zu reden ist mehr als falsch und sträflich: Auf keinem Sitzplatz sind die Passagieren genötigt, auf Kuschelkurs mit dem Nachbarn zu gehen. Damit erübrigt es sich über Kopf- und Beinfreiheit zu reden, nur die Couch im heimischen Wohnzimmer bietet vermutlich mehr davon. Die Verarbeitung aller Materialien dürfte jedem Anspruch gerecht werden, ohne Mängel und Makel ist hochwertiges Leder sorgfältig vernäht. Die wenigen im Fahrzeug verarbeiteten Kunststoffe sind nicht nur optisch sehr ansprechend, sondern fühlen sich auch gut an – nach allem, nur nicht nach Plastik. Alles, was der Fahrer für seine Arbeit am Volant benötigt, ist mit Bedacht angeordnet, gut zu erreichen und zu bedienen. Allerdings wirkt das Cockpit mit seinen unzähligen Schaltern, Knöpfen, Reglern und Tastern schon ein wenig überladen. Ohne gewissenhaftes Studium der Bedienungsanleitung kommen selbst technikverliebte Auto-Freaks schnell ins Straucheln. Wenn man sich jedoch einmal den nötigen Überblick verschafft hat, lassen sich alle Funktionen spielerisch aufrufen und sinnvoll einsetzen.

Fazit

Der Land Cruiser V8 4,5 D-4D ist ein wahres Prachtstück, ein Schlachtschiff und eine Sänfte. Es gibt nahezu nichts zu bemängeln, hier und da lassen die technischen Finessen den einen oder anderen kleinen Wunsch offen: Da fast jede Zubehörfunktion mit einer Automatik versehen ist, wie zum Beispiel Licht und Scheibenwischer, ist es wünschenswert, dass auch andere Tätigkeiten automatische Unterstützung finden. Beispielsweise die Heckklappe: Schließen und Öffnen funktioniert via sensiblen Taster, der jedoch außen angebracht ist –Schmuddelwetter bringt entsprechend schmutzige Finger mit sich. Es sind jedoch nur Kleinigkeiten, die wir verbesserungswürdig finden, denn in der Kategorie Nobel-SUV kommt der Land Cruiser von Toyota tatsächlich an die Grenze zur Perfektion. Beim V8-Modell ist das eigentlich auch kein Wunder: Für knapp 88.000 Euro erhält der Käufer 4,5 Liter Hubraum mit fast 300 PS und eben einer nahezu perfekten Ausstattung. Gratis gibt’s neidische Blicke aus „Zwergen-SUVs“, ungläubige Gesichter von Pkw-Fahrern und staunende Passanten ob des riesigen Autos. Nicht ganz umsonst sind Fahrten mit dem Land Cruiser – je nach Fahrstil sind die sogar richtig teuer. Mit 10,2 Litern auf 100 Kilometer zählt der vor Kraft strotzende Toyota nicht zu den Sparfüchsen. Der formell aufgeführte Verbrauch konnte während unserer Testphase nur einmal erreicht werden: Bei einer längeren Autobahnfahrt mit Tempomat geregelter Geschwindigkeit von rund 140 km/h. Viele Kurzstrecken treiben den Spritverbrauch in ungeahnte Höhen. Angesichts des Kaufpreises dürfte das Klientel jedoch weniger über den Verbrauch und die damit hohen Unterhaltskosten jammern. Für uns ist klar: Ein tolles Auto, ein Erlebnis, es einmal gefahren zu haben, für den Alltag darf es aber gerne eine Nummer kleiner und eine Spur günstiger sein.

Text und Test: Redaktionsbüro Meuren
Fotos: Toyota

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