Buchtipp der Woche (2) – Joe R. Lansdale, Dunkle Gewässer

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In jenem Sommer hörte Daddy auf, Fische mit dem Telefon odermit Dynamit zu fangen, stattdessen vergiftete er sie mit grünenWalnüssen. Das Dynamit richtete jedes Mal eine ziemliche Schweinereian, außerdem hatte er sich dabei vor ein paar Jahren zweiFinger weggesprengt. Deshalb prangte auf seiner Wange auch einBrandfleck, der auf den ersten Blick wie Lippenstift von einemKuss aussah und auf den zweiten wie ein Ausschlag.Fische mit dem Telefon zu fangen funktionierte recht gut, wennauch nicht ganz so gut wie mit Dynamit, aber Daddy hatte keineLust, so lange am Telefon zu kurbeln, bis der Draht, der ins Wasserführte, heiß genug war, um die Fische mit einem Stromschlagzu massakrieren.

Joe R. Lansdale ist zwar Texaner, aber mit seiner Heldin Sue Ellen führt er uns nicht in ein weiteres Revival von TV-Dallas. Nein, es geht um einen Banküberfall, auf den die genannte Sue Ellen zufällig stößt. Denn sie findet, dass die Asche ihrer toten Freundin May Lynn in Hollywood verstreut werden sollte. Wenn die schon kein Filmstar werden konnte (ihr sehnlichster Wunsch), dann doch wenigstens das! Die Zufallsentdeckung führt zur Flucht, aber die bleibt nicht unentdeckt.

An Krimis und Thrillern herrscht wahrlich kein Mangel am Buchmarkt. Solche mit derart schrägen Figuren sind freilich selten. Man stelle sich den deutschen Mord mit Aussicht samt Kommissarin Haas, Dorfpolizist Bär, Polizistengattin Muschi und Jungpolizistin Bärbel in einer Variante vor: Von den Delikten her geht's etwas strammer zu. Tja, und Texas ist halt nicht das beschauliche Eifeldörfchen Hengasch. Wer Sinn fürs Skurrile hat, kommt an Dunkle Gewässer nicht vorbei.

Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer; Klett Cotta; 19,95 Euro.

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