Pickups: Drei im Direkt-Vergleich

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An dieser Stelle wurden in diesem Jahr in Einzel-Tests 3 Pickups bereits vorgestellt (Ford Ranger 26.02., Nissan Navara 18.04., VW Amarok 25.04.). So starten wir die zweite Staffel unseres großen Pickup-Vergleichs, der in 2012 bereits mit den Modellen Isuzu D-Max, Toyota Hilux und Mitsubishi L 200 begonnen hatte, mit den Produkten von Ford, Nissan und VW. Herrschte im letztjährigen Vergleich noch so manche Übereinstimmung bei Hubraum, Motorleistung, Ausstattung und Preis vor, so wird der diesjährige Dreier- Vergleich von der Unterschiedlichkeit in den genannten Disziplinen geprägt sein. Im Prinzip wäre ein fairer Vergleich also kaum machbar. Wir versuchen es dennoch und bemühen uns, wie immer, neutral zu bleiben. Die Einzel-Charaktere unseres Trios reizen einfach dazu.

Der Ford Ranger wartet mit einem 2,2 Liter TDCi Diesel aus der Familie der Duratorc-Motoren auf. Die 150 PS hören sich zwar nicht gerade opulent an, entwickeln aber, vor allem mit der feinen 6-Gang-Automatik, ein überzeugendes Drehmoment aus dem Vierzylinder. Nissan's Navara schöpft aus dem 6-Zylinder Turbodiesel mit 3 Litern Hubraum gar 231 PS, die für bärige 550 Newtonmeter Drehmoment gut sind. Diese Kraftentwicklung wird über eine 7-Gang-Automatik elegant auf alle Viere übertragen (manueller Eingriff mit 5 Gängen). Der VW Amarok ziert sich da bei den angebotenen Leistungen etwas: mit einem nur 2 Liter fassenden Motor, der langjährig in diversen Pkw-Modellen des Konzerns eingebaut wird, bildet der Amarok das Leistungsende im Terzett. Die alte Techniker-Weisheit Hubraum ist durch nichts zu ersetzen als durch mehr Hubraum kennzeichnet die Leistungsabgabe beim VW-Produkt. Die versprochenen 340 Newtonmeter Drehmoment stehen wirksam ausschließlich bei der teuren Modellvariante mit dem VW-eigenen 4Motion-Allradantrieb zur Verfügung, wohl auch nur im 1. Gang. Da geben die anderen Kandidaten ihre Leistungen aber spürbar erfreuter ab. Gerade unter 60 % Last tut sich der Hannoveraner (der Amarok gehört zur Sparte Nutzfahrzeuge, die in Hannover ansässig ist) merklich schwerer als seine Mitbewerber. Die Fahrwerke aller drei Testprobanden taten sich in allen Belastungsbereichen durch sicheres Fahrverhalten hervor, das zudem ab etwa 200 Kilogramm Zuladung sogar richtig komfortabel wurde. Während der Ford Ranger ein wenig vom American Way of Life vermittelte mit großzügigem Innenraum und Pkw-ähnlichen Bedienorganen, zeigte sein Äußeres Affinitäten zu den amerikanischen Light Trucks, also mit hoch aufragendem Bug und viel Chrom ringsum. Das erweckt durchaus den Eindruck zusätzlicher Wertigkeit.

Der Navara erhielt kurz nach Übernahme aus dem Nissan-Testpool schon während der Überführung schnell den Spitznamen ICE-Navara. Die mehr als großzügige Leistung trieb den Pickup zu einem Vmax-Bestwert von knapp über 200 km/h. Zudem sorgt die 7-Gang-Automatik für geschmeidige, gut berechnete Übergänge, so dass der Testverbrauch bei bürgerlichen Fahransprüchen um die 9 Liter Leichtöls lag. Bei häufigerer Nutzung des Highspeed-Potenzials liefen gut 2 Liter mehr durch die Einspritzdüsen. Beim VW Amarok sorgt das kleine Triebwerk bei humaner, auf Ökonomie getrimmter Fahrweise gar für Werte um die 7,5 Liter, wird die Nutzlast auf 60 % angehoben oder geht es gar ins Gelände (der Amarok verfügt über keine Geländereduktion!), schnellt der Verbrauch aber in ungesunder Weise auf über 10 Liter hoch, weil der Diesel dann gedreht werden muss.

Wagen wir dennoch den Vergleich der drei Unvergleichbaren, so würden wir den Ford Ranger als den Pickup für alle Fälle bezeichnen, da er sowohl seine eigentlichen Transportaufgaben als auch den Lifestyle-Bereich nahezu perfekt gestaltet. Der Navara von Nissan weist Fahrleistungen auf, die keiner der Probanden erfüllt. Das ist seiner hohen Leistung zu danken. Er trägt seine Lasten auf der Ladefläche souverän von A nach B und ist der ideale Langstrecken-Kollege für Urlaub, Familie und Hobby. Sein relativ hoher Preis ist zwar gerechtfertigt, setzt seiner Verbreitung aber Grenzen (es gibt schließlich noch einen Vierzylinder mit 2,5 Litern Hubraum!). Dem Amarok bleiben vor allem die Aufgaben beim mittelständischen Handwerker und im Lifestylebereich überlassen. Gerne wird er auch von Institutionen und Behörden für spezielle Umbauten (Feuerwehr, Bergwacht etc.) genutzt. Bei allen Kandidaten war das Sitzmobiliar mit Leder ausgeschlagen, wobei der Ranger die am besten ausgeformten Frontsitze präsentierte, die auch im Gelände und bei flinker Kurvenfahrt Fahrer und Beifahrer sorgsam fest hielten. Da könnte gerade der Amarok, der das ausgeglichenste Fahrwerk aufweist, noch etwas nachlegen.

Dass das Terzett seine Pflichtaufgaben zur vollen Zufriedenheit und ohne Macken absolvierte, spricht für sie alle.

Drei Pickups, drei Hersteller…drei Charaktere. Drei zuverlässige und ziemlich beste Begleiter für den Alltag.

Test, Text und Fotos:Frank Nüssel
CineMot