DTM: BMW-Doppelsieg zum Saisonauftakt

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Doppelsieg für BMW, ein Mercedes-Duo in der Verfolger-Rolle und ein Tiefschlag zu Beginn für Audi: Der Auftakt zur neuen Saison der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM) am Wochenende auf dem badischen Traditionskurs in Hockenheim servierte den Zuschauern auf den „pickepacke-vollen“ Tribünen gleich im ersten von insgesamt zehn Rennen Spannung, Action und technische Neuerungen, die der Serie – und damit auch der Ungewissheit des Rennausgangs – zugute kommen. Am Ende hatten der Brasilianer Augusto Farfus und der Würzburger Dirk Werner in den beiden BMW M3 DTM die Nase vorn vor dem Duo Christian Vietoris/Gary Paffett im Mercedes AMG-C-Coupé. Erst auf Rang sechs folgte mit Ex-Meister Timo Scheider der erste Audi. Der Rheinländer, von der Pole-Position des Trainingsschnellsten aus ins Rennen gegangen, vermochte nach einer „vermurksten“ Boxen-Strategie den Vorteil, den er sich am Samstag im Duell der 22 Tourenwagen-Piloten nach einem spannenden Qualifying gesichert hatte, erneut nicht in einen Rennerfolg um zu münzen.

„Es war ein perfektes Rennen, unser Auto lief wie am Schnürchen“, strahlte der Brasilianer Farfus, im Fahrerfeld nur „Gustl“ genannt, nach dem Auftakterfolg. Sensationell der Rang zwei für seinen Markenkollegen Dirk Werner, der vom letzten Platz aus gestartet war und in einer grandiosen Aufholjagd das ganze Fahrerfeld aufmischte, bis er schließlich auf das Siegerpodest durfte. Dort stand nach dem Ende des Rennens zum ersten Mal in seiner DTM-Karriere auch Christian Vietoris. Der Mercedes-Pilot aus der Eifel setzte zu Beginn seiner dritten Saison bei den Schwaben ein dickes Ausrufezeichen und meldete Ansprüche auf Höheres an. Vize-Meister Gary Paffett landete hinter dem 24jährigen auf Rang vier. „Durch die technischen Neuerungen wie das DRS-System oder die weichen Options-Reifen haben wir Fahrer jetzt im Cockpit genügend zu tun. Aber so machte das Rennen noch mehr Spaß“, bilanzierte der Eifeler seinen ersten „Stockerl“-Platz in seinem fünften Rennen in Hockenheim. „So kann die Saison weitergehen“

Audi indes begann die neue Saison so, wie die Ingolstädter die alte beendet hatten, mit einer Enttäuschung: Obwohl sich der Lahnsteiner Timo Scheider im schwarzen A5 RS DTM die Pole-Position gesichert hatte, „verwachsten“ die Audi-Strategen später die Boxen-Stopps, Scheider verfiel zurück, am Ende stand Rang sechs für den zweifachen Ex-Champion, der gallig kommentierte: „Das war heute ein ganz tiefer Griff ins Klo.“ Mit einem Flop endete auch das DTM-Debüt von Formel-1-Neuzugang Timo Glock. Der Odenwälder, in diesem Jahr im BMW M3 DTM unterwegs, musste nach einem Fahrfehler und dem daraus resultierenden Brems-Plattfuß das Rennen vorzeitig beenden. Sein sarkastischer Kommentar, nachdem er ohne rechtes Hinterrad auf dem Kiesbett ausgerollt war: „Auf drei Rädern lässt sich schlecht ein Rennen gewinnen.“

Die Serie mit den 480 PS schnellen Boliden der drei deutschen Premium-Marken Audi, BMW und Mercedes-Benz erwies sich gleich zum Saisonstart wieder als perfektes „Schaufenster“ für die hochwertigen Produkte der deutschen Autobauer Schon am Samstag, als die DTM-Piloten und die Fahrer der Rahmenserien ihre Trainingsrunden in der hoch aufspritzenden Gischt heftiger Wolkenbrüche absolvieren mussten, war das Interesse der Fans ungebrochen. Vor diesem Hintergrund bemüht sich die Serie – wahrscheinlich mit durchschlagendem Erfolg – um fortwährende Globalisierung. Zwei Wochen vor dem Eifel-Gastspiel auf dem Nürburgring (17./18. August) wird es zum ersten Mal ein DTM-Rennen in Russland geben. Das vor allem auf Betreiben der Hersteller, die im ehemaligen Zarenreich einen riesigen Absatzmarkt in Zeiten der Krise zu bedienen haben.

Spätestens in zwei Jahren soll auch in Amerika und in Japan in den schnellen Tourenwagen deutscher Herkunft auf Rennkursen gefahren werden. Vom Bemühen der Serie, im Schatten der Formel 1 auf den weltweiten Märkten in Zukunft präsent zu sein, konnten sich am Wochenende auch Weltmeister Sebastian Vettel und Mercedes-Pilot Nico Rosberg überzeugen. Schon jetzt ist ein so genanntes „Weltfinale“ der Meister auf einem möglichst internationalen Kurs angedacht. Diese Vorstellung regte BMW-Motorsportchef Jens Marquardt am Wochenende schon zu Quer-Vergleichen mit dem Championsleague-Finale im Fußball an. Was allerdings nicht wirklich verwundern dürfte, denn der Mann kommt bekanntlich aus München.

Text: Jürgen C. Braun
Fotos: Bernhard Schoke

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