Buchtipp der Woche

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Marianne Faithfull (mit David Dalton): Eine Autobigraphie.

Zweitausendeins Verlag (Gebundene Ausgabe)
Rowohlt Taschenbuch Verlag (Kartonierte Ausgabe)
– beide nur noch antiquarisch zu haben –

Dieses Jahr wird sie 67, ihr fulminantes Comeback-Jahr liegt 34 Jahre zurück. Dass Marianne Faithfull dennoch auch jüngeren Generationen ein Begriff sein dürfte, liegt an ihrer Vielfältigkeit: Brecht-Interpretin, Sängerin mit unverwechselbarer Reibeisen-Stimme, pointenreiche Interview-Partnerin und fulminante Schauspielerin (Irina Palm von 2007). Eines ihrer bekanntesten Lieder, The Ballad Of Lucy Jordan, bescherte ihr in Thelma & Louise sicher nicht wenige neue – auch junge – Fans. Und wenn wir ihr schon legendäres Album Broken English in Neuausgabe vorstellen (heutiger CD-Tipp), darf auch ein Hinweis auf ihre Autobiographie nicht fehlen. Die ist schon 1995 als gebundene Ausgabe und 1997 als Taschenbuch auf Deutsch erschienen und leider nur noch antiquarisch zu haben. Wer sich an das englischsprachige Original traut, kann hier aber noch problemlos ein neues Exemplar kommen.

Vorgezeichnet war ihr wohl ein Weg als typische höhere Tochter – wäre es nach der an Eitelkeiten und adeligen Vorfahren reichen Mutter gegangen. Mit den Rolling Stones aber erlebte sie die wilden Sechziger, in denen Konventionen bäh und die möglichst kompromisslose Freiheit angesagt war. Nach einem beispiellosen Absturz und genau so einzigartigem Comeback ist sie seit 1979 eine feste Größe als Sängerin und Schauspielerin.

Sie schont sich nicht, was die Beschreibung ihrer Schwächen angeht. Sie spart nicht mit Selbstironie, wenn es darum geht, wie sie in allem nochmal die Kurve und ihr Leben auf die Reihe gekriegt hat. Maggie alias Irina Palm, ein Highlight in ihrer Karriere, mag einiges von Faithfull selbst in sich tragen – sehr ähnlich sind die beiden Frauen sich in ihrem staubtrockenen Humor. Der Nachfolger von Broken English? In Eile zusammengeschustert, nachdem diverse Vorschüsse der Plattenfirma in Drogen umgesetzt waren. Ihr Sohn? Hatte, so mutmaßt Faithfull, es nicht einfach mit seiner chaotischen Mutter (der das Sorgerecht eh nicht gegeben war). Ihr Rezept, um aus allem herauszukommen? Vor allem Glück, so sagt sie selbst.

Das freilich ist sicher übertrieben. Mit Disziplin kam sie als Vierzigjährige von den Drogen los, und man freut sich, wenn man liest, wie alles ausging: Zwischen Paris und Dublin pendelnd, teilt sie ihr Leben in privat und beruflich auf, scheut keine Herausforderung, ist aber genau so begeisterte Großmutter. Die heute, fast 20 Jahre nach Erscheinen, dieses Buches, noch vielen Jüngeren was vormacht. Mit 66 Jahren.

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