Test-Tour: Nissan Cube Diesel (1.5 dCi)

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Ein bisschen Lifestyle, viel Praxis und jede Menge anders denken und anders sein: Unter diesen Voraussetzungen brachte Nissan vor gut einem Jahr das sehr ungewöhnlich wirkende Gefährt namens „Cube“ auf den Markt. Abgeleitet vom lateinischen „Kubus“ („der Würfel“) zeigt schon die äußerliche Erscheinung, wohin die Reise gehen soll mit dem japanischen „Bauklotz auf Rädern“. Er fällt auf im fließenden Verkehr mit seinem kisten- und kastenförmigen Design. Wie eine riesige Box auf Rädern wirkt der „Cube“ und der geneigte Zuschauer fragt sich: Warum ein solches Auto? Das fragten wir uns auch und fuhren den erfrischend anders aussehenden Nissan, angetrieben von einem 110 PS starken Diesel.

In seiner fernöstlichen Heimat ist das Auto – mittlerweile in der dritten Generation – nicht nur ein alltäglicher Anblick, sondern hat bereits Kultcharakter. Für den hiesigen Markt erhielt das Auto jetzt nicht nur eine den europäischen Verhältnissen angepasste Hecktür, die zur Seite hin öffnet, sondern auch andere Motoren. Darunter das 110 PS starke Selbstzünder-Triebwerk, das dem Minivan mit viel Raum nach oben zu ganz erstaunlichen Fahrleistungen verhilft. Alleine für den urbanen Betrieb erscheint diese Leistung fast zu verschwenderisch zu sein. Der 1,5 Liter große Selbstzünder mit Dieselpartikelfilter aus der Allianz mit dem französischen Hersteller wird mittels eines Startknopfes aktiviert. Das Triebwerk stellt deutlich unter 2.000 Umdrehungen bereits 240 Newtonmeter an Drehmoment zur Verfügung und hängt willig am Gas, ohne vorher in das befürchtete Turboloch zu fallen.

Angesichts der nicht gerade windschlüpfrigen Erscheinung der Karosserie hätte man durchaus mit ziemlichen Wankneigungen des Probanden – auch im unbeladenen Zustand – und hoher Windanfälligkeit rechnen dürfen. Doch keines von beiden ist der Fall. Eine fast schon sportlich zu nennende straffe Federung sorgt für angenehmes Überland-Feeling bei flotter Fahrt. Dank des flüssig schaltbaren Sechsgang-Getriebes bleibt das Drehzahlniveau konsequent niedrig und verhindert so auch störende überlaute Geräusche. Wir ermittelten im Drittelmix einen Verbrauch von 5,5 Liter Dieselkraftstoff (Herstellerangaben 5,2) auf 100 Kilometer.

Zurück zu Form und Funktion des Fahrzeugs. Wie oft in solchen Fällen stellt sich die Frage: Folgt die Form der Funktion oder ist sie reiner Selbstzweck, ist sie nur Effekthascherei? Zunächst bleibt fest zu halten: Dank der konsequent beibehaltenen Würfel-Form mit den steil aufragenden, und zudem recht großen Fensterflächen weist der Nissan Cube eine ausgezeichnete Rundumsicht auf. Da sich die Rückbank um satte 24 Zentimeter in der Längsrichtung verschieben lässt, bleibt auch in der zweiten Reihe genügend Platz für Mitreisende.

Für einen lichtdurchfluteten Innenraum sorgt das große Panorama-Glasdach. Wenn die Sonne allerdings zu stark ins Wageninnere schaut, dann gibt es zwei Möglichkeiten, um Abhilfe zu schaffen. Einmal gibt es ein normales Rollo, das den Innenraum abdunkelt. Oder aber man greift zu einer Jalousie, die bewusst an japanisches Reispapier erinnern soll. Zieht man sie vor das Dach, dann gelangt Licht nur noch gefiltert nach innen und schützt so vor allzu heißen Sonnenstrahlen.

Die „Fluffy“ heißende langfaserige Ablagematte auf dem Armaturenbrett wirkt auf uns allerdings eher wie ein vergessenes und liegen gelassenes Wollknäuel für einen Winterpullover. Ansonsten dominieren im Innenraum runde, weniger kantige Konturen. Leider auch bei den Sitzen, denen etwas mehr Seitenhalt gut getan hätte. Angenehm für den Fahrer ist die blaue Hintergrundbeleuchtung am Tacho. Auch die Instrumente sind gut ablesbar, die Bedienungselemente sinnvoll angeordnet und gut erreichbar.

Was uns beim Gesamtkonzept nicht gefiel, war die recht hohe Ladekante, die vielleicht den Design-Anforderungen zum Opfer fiel. Die Rückenlehnen der Bank lassen sich umklappen, dadurch entsteht zusätzlicher Stauraum. Mit dem gleichen Innovationsgeist, mit dem die „Abteilung Gestaltung“ bei diesem Auto zu Werke ging, wäre der Raum hinter der Sitzbank aber sicher auch noch praktikabler und variabler zu nutzen gewesen. Mit einem Ladevolumen von 260 Liter fällt der Kofferraum nicht gerade überdimensional aus.

Mit der 110 PS starken Dieselmotorisierung kostet der Nissan Cube 20.000 Euro. Auf der individuellen Ausstattungsliste stehen drei Ausstattungspakete. Im ZEN-Pack für 650 Euro sind unter anderem Klimaautomatik (manuelle Klimaanlage ist serienmäßig enthalten), Fahrlichtautomatik und Regensensor enthalten. Das IKI-Pack für ebenfalls 650 Euro beinhaltet Leichtmetallfelgen und getönte Scheiben Eine Rückfahrkamera gehört zum Umfang des KAADO-Paketes für 850 Euro. Es beinhaltet außerdem ein Navigationssystem mit Touchscreen, Radio-CD-Kombination mit USB-Schnittstelle, iPod-Gateway und Bluetooth.

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

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