Erste Erfahrungen: Chevrolet Orlando

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Sie haben sich lange Zeit gelassen. Denn obwohl die Amerikaner mit dem Chrysler Voyager die Erfindung des Vans für sich reklamieren, hat zumindest bei Chevrolet niemand an die bemannte Raumfahrt gedacht. Doch damit ist jetzt Schluss. Zwar wird es daheim in Amerika fürs erste auch weiterhin keine klassische Großraumlimousine geben. Doch für den Rest der Welt läuft sich gerade der neue Orlando warm. Er kommt bei uns im März in den Handel und startet zu Preisen ab 18.990 Euro.

Dafür gibt es einen 4,65 Meter langen Familienfreund, der ganz anders sein will als seine Konkurrenten. Während dort meist das Litermaß des Kofferraums das entscheidende Konstruktionskriterium ist und so am Ende manchmal ziemlich langweilige Kisten zustande kommen, will der Orlando vor der Grundschule so cool wirken, wie Arnold Schwarzenegger als Kindergarten-Cop. Deshalb sieht er nicht aus wie ein zivilisierter Lieferwagen, sondern eher wie ein SUV, das ein wenig vom Abenteuer für den Alltag zurückgerüstet wurde. Der Orlando hat die markanteste Schnauze im Feld der Konkurrenten, sieht mit seinem flachen Dach sehr kräftig aus und hat das mit Abstand knackigste Heck.

Das gefällt nicht nur Elternbeiräten und Jugendleitern, sondern soll auch Menschen ohne Kinder ansprechen. Pärchen mit raumgreifender Freizeitgestaltung zum Beispiel. Mussten die bislang für Surfbretter oder Mountainbikes den Geländewagen Captiva kaufen, kommen sie jetzt im Orlando rund 5.000 Euro billiger weg – und haben obendrein noch mehr Platz.

Denn obwohl Chevrolet mehr als manche Konkurrenten auf die äußere Form geachtet hat, kommen die inneren Werte nicht zu kurz. Schließlich gibt es serienmäßig drei Sitzbänke, von denen die letzte mit drei Handgriffen im Wagenboden verstaut werden kann. Dann wächst der Kofferraum von mageren 89 auf alltagstaugliche 739 Liter. Legt man auch die Mittelbank flach, schluckt der Orlando fast 1.500 Liter. Damit wäre der erste Van von Chevrolet zwar vergleichsweise konkurrenzfähig. Doch was ihm zu Zafira, Scenic & Co fehlt, ist ein gewisses Verwandlungstalent: Man kann die Bank in der zweiten Reihe nicht verschieben, sie ist nur einmal statt zweimal geteilt, und komplett im Boden versenken kann man sie auch nicht. Selbst das Umlegen ist etwas komplizierter, so dass der Weg ganz nach hinten zu einer mühsamen Kletterpartie wird. Das geht bei den anderen leichter.

Auf der Höhe der Zeit ist dagegen das Interieur des amerikanischen Raumkreuzers. Zumindest in den gehobenen Modellvarianten ist die lustlose Plastikwüste im althergebrachten Korea-Grau passé. Statt dessen gibt es ein ordentliches Cockpit, ein paar vornehme Bedienelemente, die man von der Schwestermarke Opel kennt, viele Ablagen und ein paar pfiffige Details wie das Geheimfach hinter der Radio-Konsole, in dem sich prima Handys oder Musikplayer verstauen lassen.

Unter der Haube bieten die Amerikaner die Wahl zwischen einem Diesel mit zwei Litern Hubraum und 130 oder 163 PS und einem Benziner, der aus 1,8 Litern 141 PS schöpft. Während die schwächeren Motoren mit der großen Fuhre ihre liebe Mühe haben dürften, macht der starke Diesel bei der ersten Testfahrt eine sehr ordentliche Figur: Er knurrt zwar noch ein wenig zu laut, hat aber ordentlich Dampf und bringt den Orlando mit seinen maximal 360 Nm flotter in Fahrt, als es der Sprintwert von 11 Sekunden vermuten lässt. Außerdem fährt er mit maximal 195 km/h auch gerne mal auf der linken Spur. Und wer dazu noch die Automatik bestellt, hat einen sehr soliden Reisewagen, der komfortabel auch für lange Strecken taugt und mit einem Normverbrauch von sieben Litern auch noch zu einem angespannten Familienbudget passt. Überhaupt ist der Preis natürlich nach wie vor ein gutes Argument für den Orlando, weil das Auto mindestens 1.000 und oft auch 2.000 Euro und mehr billiger ist als die europäischen Konkurrenten.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund, weshalb der Blick auf den Orlando lohnt: Der Wagen steht auf der Plattform von Chevrolet Cruze und Opel Astra und gilt damit auch als Vorbote für den nächsten Opel Zafira. Und spätestens wenn der die Bühne betritt, wird es richtig spannend.

Text: Benjamin Bessinger
Fotos: SPS/Chevrolet

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