DVD-Tipp der Woche

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Kinski Talks 1. (Deutsche Grammophon)

2. Juli 1977: Schon fast am Ende dieses Tages erlebt das deutsche TV-Publikum eine Talkshow, die bis heute unvergessen ist. Genau genommen ist es weit mehr show als talk, denn der Stargast Klaus Kinski beantwortet dem Moderator Reinhard Münchenhagen nicht eine einzige Frage. Stattdessen plaudert und räsoniert er, macht aus dem Talkmaster schon mal Herrn Münchhausen, grinst vergnügt, spricht über seinen Beruf und die frisch erschienene Autobiographie (die Kinskis Ruf als Ego- und Exzentriker noch festigte) – sein 30-minütiger Auftritt stellt die Idee eines sittsam geführten Frage-und-Antwort-Spiels vollends auf den Kopf. Die Resonanz in den Medien war überwältigend, die Kritiken überwiegend vernichtend.

33 Jahre später hat das, auf DVD festgehalten, dokumentarischen Charakter. (Was sich auch daran zeigt, dass alle Beteiligten munter quarzen und der mit lautem Applaus erwartete Skandal-Gast sichtbar mit seiner Marlboro-Schachtel spielt). Und der Zuschauer entpuppt sich bei dem Gedanken, dass vieles, was heute als Skandal oder Eklat in die Schlagzeilen kommt, als solcher kaum durchgeht, weil's zumeist medial hochgekochte Privatangelegenheiten von Prominenten sind (oder solchen, die sich dafür halten).

Wer also heute den Kinski-Auftritt in Je später der Abend beurteilen will, muss unbedingt die auf der DVD festgehaltenen rückblickenden Erklärungen von Reinhard Münchenhagen sehen und hören: Gewarnt war er allemal vor dem als unberechenbar geltenden Gast, der sich im Vorgespräch sehr zurückhaltend gab, in der Sendung dann seinen Lausbubenstreich hinlegte – um anschließend den Moderator (der schon mit seiner Ablösung rechnete) freundlich zu fragen: War okay? – so freundlich und leise wie im Vorgespräch. Reinhard Münchenhagen, völlig verblüfft, blieb die Antwort erst mal schuldig.

Okay war's wohl allemal, denn die Zeitungen hatten ihr großes Thema und Moderator Münchhausen, pardon, Münchenhagen, behielt seine Sendung. Den Lausbubenstreich als solchen am ehesten erkannt hat übrigens sicher ein anderer Talkgast, der aus dem Schmunzeln kaum rauskommt: Manfred Krug, damals just aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelt.

Dazu gibt's einen weiteren (bisher unveröffentlichten) Kinski-Auftritt von 1985 in der RTL-Show Wer bin ich? nach dem Vorbild von Robert Lembkes heiteres Beruferaten, in dem er die Erwartungen ähnlich konsequent nicht erfüllt wie acht Jahre zuvor in der ARD. Die Populärität dieses ARD-Auftritts ist freilich ungebrochen.

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