Erste Erfahrungen: Citroën C-Zero

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Elektromobilität ist in aller Munde. Nicht erst seit gestern, nicht erst seit ein paar Jahren, wie man vielleicht glauben könnte. Aber das „stromern“, vor allem im urbanen Nahbereich, gewinnt im gleichen Maße an Aufmerksamkeit und Dringlichkeit wie die Diskussionen um die Endlichkeit unserer nicht erneuerbaren Ressourcen zunehmen. Viele Hersteller sind mit entsprechenden Fahrzeugen schon längst aus der Planungsphase heraus, könnten den Markt durchaus schon bedienen. Die Problematik jedoch ist überall die Gleiche: E-Mobilität braucht eine gesunde Infrastruktur zur schnellen oder kompletten Aufladung und zum Recyceln der Batterien, die Reichweite der Fahrzeuge ist eingeschränkt und kleine City-Stromer sind nicht gerade preisgünstig und daher vorerst für den Privatgebrauch nur eine eingeschränkte Alternative.

Der französische Importeur Citroën macht jetzt den Anfang mit dem C-Zero, der ab sofort im Handel ist und auch jedem Händler für interessierte Kunden zugänglich sein soll. Etwa 1.000 Exemplare des kleinen smart-ähnlichen Gefährts mit dem Doppelwinkel als auffallendem Dekor-Attribut will Citroën auf den Markt bringen. Getreu dem Leitspruch des Firmengründers André Citroën, der mit seinen Ideen und Innovationen der Zeit immer schon einen Sprung voraus war. Wir fuhren den Citroën C-Zero dieser Tage durch Köln und gewannen die Erkenntnis, dass auch eine Strecke von gerade mal fünf Kilometern durchaus beeindruckend sein kann.

„Wie sie merken, merken Sie nichts“ – Zugegeben, der ziemlich dumme Spruch ist nicht ganz neu, aber er trifft auf ein Fahrzeug wie den C-Zero zu. Schlüssel umdrehen, Wahlstufe „D“ oder „R“ des Automatikgetriebes in der Mittelkonsole funktioniert wie gehabt. Nur, man hört halt nichts, muss sich an die optische Anzeige oben links in einem kleinen Display des Armaturen-Blickfeldes verlassen und sich daran orientieren. Das Drehmoment (in diesem Falle 180 Newtonmeter) ist im Vergleich zu einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor sofort ohne Verzögerung und in vollem Umfang da. Der kleine Stadtflitzer macht seinem Namen alle Ehre und setzt sich ruckelfrei, rasch und völlig lautlos in Bewegung.

92 Prozent der Zeit, so haben schlaue Leute errechnet, steht das Auto still, wird nicht gebraucht. Vor allem in den großen Städten werden die Fahrten immer kürzer. Da macht so ein umweltfreundliches Transportvehikel schon Sinn. Wenn es denn einmal seine Serienreife erreicht hat. Sprich, wenn eine akzeptable Reichweite, ein hinnehmbarer Preis, genügend Möglichkeiten zum Laden aus der Steckdose und zur Finanzierung des Strompreises oder der Leasingrate gegeben sind. 400 Vorbestellungen für die in 2011 geplanten Verkäufe hat der Hersteller nach Angaben von Sprecher Stefan Lüzenkirchen schon vorliegen. Vorerst sind es Firmen, also kommerzielle Nutzer wie etwa die Deutsche Bahn, die sich das Elektromobil, das in Kooperation mit Mitsubishi entwickelt wurde, zunutze machen wollen. Die Japaner bieten den Steckdosen-Zwerg ebenfalls an. Unter dem Namen i-MiEV. Baugleich ist das Fahrzeug zudem mit dem Peugeot iOn aus dem gemeinsamen französischen PSA-Konzern.

Zurück zur „Tour de Kölle“: Es ist ein beruhigendes, entspanntes Fahren mit dem Kleinen. Eher ein Gleiten. Das Fahrwerk hat nichts von Go-Kart-Charakter, vermittelt eher so ein bisschen Raumschiff-Enterprise-Gefühl. Enorm klein ist der Wendekreis. Bei einem Selbstversuch an einer Baustelle in der Nähe des Hauptbahnhofs haben wir in dem Autochen fast das Gefühl, als drehten wir uns auf der Stelle.

Der schwer beladene Rucksack, den das Elektrogefährt derzeit noch mit sich rum schleppen muss, ist ganz klar der Preis für die Batterie. Dadurch errechnet sich ein Preis für den Citroën C-Zero von 35.164,50 Euro. Kritiker werden sagen, dass es dafür eine chice Mittelklassenlimousine mit einem durchzugsstarken Diesel oder Benzinmotor gibt. In diesem Falle muss der C-Zero passen. Aber im Vergleich zu Elektromobilen, die Citroën schon vor etwas mehr als 20 Jahren etwa mit dem C15 auf der Agenda hat, ist er heute ein Schnäppchen. Und er entspricht mittlerweile dem Zeitgeist. Klar, der Kleine hat nur 67 PS an Bord und hat eine geschätzte Lebensdauer von etwa 1.500 Ladezyklen. Das entspräche dann einer theoretischen Fahrleistung von ca. 225.000 Kilometer. Unschlagbar allerdings ist er bei der Umweltfreundlichkeit, wie der Name C-Zero, was gleichbedeutend mit Null Emissionen ist, auch beim „Tankpreis.“ Für umgerechnet etwa zwei Euro ist er randvoll. Und das gute Gewissen ist zudem mit drin.

Text: Jürgen C. Braun
Fotos: B. Schoke/Jürgen C. Braun

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