Pariser Automobilsalon: 20 Superlative aus 120 Jahren (2/2)

Foto 1
Foto 2
Foto 3
Foto 4

Honda S 800, 1966. Auf dem Pariser Salon 1966 rief Honda bei Fachwelt und Publikum Begeisterungsstürme hervor: Als Weiterentwicklung der winzigen S600-Sportwagen debütierten die reiferen Modelle S800 Roadster und S800 Coupé. Nun nicht mehr als wilde Rennmäuse, sondern als Hightech-Sportler im Miniaturformat, vor allem aber mit Leistungswerten von 51 kW/70 PS bis 74 kW/100 PS bei der RSC-Version – und dies bei bis zu 10.500 Touren. Damit konnten die Kraftzwerge sogar schnelle BMW oder Mercedes von der Überholspur deutscher Autobahnen scheuchen.

Citroën 2 CV, 1948. Als der in Deutschland liebevoll „Ente“ genannte Citroën 2 CV am 7. Oktober 1948 auf einem frugal gestalteten Messestand enthüllt wurde, kommentierte die satirische Wochenzeitung „Le Canard enchainé“: „Eine Konservendose. Modell freies Camping für vier Sardinen.“ Die Begeisterung für den Citroën „deux chevaux“ bremste die bissige Satire jedoch nicht – im Gegenteil. Anfängliche Lieferzeiten von bis zu sechs Jahren, eine Gesamtproduktionszahl von rund sieben Millionen Einheiten für den 2CV und seine Varianten Dyane, Acadiane und Méhari und eine Bauzeit von 41 Jahren stehen für eine sonst selten erreichte automobile Popularität.

Porsche 911 Turbo, 1974. Er war der erste Seriensportwagen mit Turbolader und der Trumpf jeden Autoquartetts. Mit 191 kW/260 PS Leistung, 250 km/h Vmax und einer Sprintzeit von unter sechs Sekunden auf Tempo 100 zählte der 911 Turbo (Typ 930) als erster Porsche zum elitären Club der Supersportwagen. Kein Wunder, dass der Zuffenhausener Überflieger ein umlagerter Topstar des Pariser Salons 1974 war. Zugleich bewies er eindrucksvoll, dass maximale Vmax auch nach der Ölkrise und in Zeiten rigider Tempobeschränkungen nichts an Faszination verloren hatte.

Volvo 144, 1966. Kantig, kastig, klassisch – so mussten Volvo seit der Weltpremiere der viertürigen Mittelklasselimousine 144 gezeichnet sein. Die Bänder für den ersten Millionenerfolg aus Göteborg liefen bereits zwei Monate vor seinem Pariser Debüt an. Zum Stillstand kamen sie erst 1993, da waren der 144 und die Weiterentwicklungen 164, 240 und 260 bereits klassenlose Kultmobile.

Alpine A110. Alpine-Sportwagen genießen in Frankreich ein Ansehen vergleichbar mit dem Nimbus von Porsche in Deutschland oder Lamborghini in Italien. Die vielleicht faszinierendste der flachen Flundern mit Polyesterhaut und Renault-Motoren präsentierte der Rennfahrer und Renault-Händler Jean Rédélé unter der Typbezeichnung A110 im Jahr 1962 in Paris. Mit diesem Heckmotorsportwagen erreichte Alpine fast alles, was einen elitären Sportwagen ausmacht: Titeltriumphe bei der Rallye-Weltmeisterschaft und bei Rundstreckenrennen, reinrassige Renntechnik in der Straßenversion, schnelle Formen für Enthusiasten, aber auch für Playboys und Playmates auf Croisette und Kurfürstendamm.

Peugeot 504 Coupé V6, 1974. Ein neuer Sechszylinder aus einer Gemeinschaftsentwicklung sollte die Franzosen endgültig in die europäische Oberklasse zurückführen. Die Weltpremiere des V6 wurde 1974 wie ein nationales Ereignis zelebriert, auch wenn das Sechszylinderdebüt in vertrautem Blechkleid erfolgte. Dennoch galt das Peugeot 504 Coupé bereits damals als besonderes Designjuwel aus der Feder Pininfarinas.

Citroën 10 CV Diesel, 1935. Wer hätte das gedacht: Als Mercedes 1935 den legendären 260 Diesel vorstellte und wenig später in Serie gingen ließ, hatte dieser Selbstzünder keine Alleinstellung. Der Citroën 10 CV Diesel ging mit mindestens sechs Monaten Vorsprung vor dem deutschen Platzhirsch in Serie. Der britische Ingenieur Sir Harry Ricardo hatte einen robusten und sparsamen Selbstzünder entworfen und 1933 eine Lizenz für die Technologie an Citroën verkauft. Neben dem sensationellen Traction Avant sollte der 10 CV Diesel der letzte Triumph sein, den die Marke im Zeichen des Doppelwinkels zu Lebzeiten ihres Gründers André Citroën zelebrierte.

Facel Vega HK 500, 1958. Wie aus einer anderen Galaxie wirkte der Facel Vega HK 500 bei seiner Publikumspremiere im Jahr 1958. Bereits die Typbezeichnung 500 deutete ein eindrucksvolles Leistungsgewicht von nur fünf Kilogramm pro PS an. 221 kW/360 PS Leistung aus einem Hemi-V8 waren damals eine größere Sensation als heute 736 kW/1001 PS in einem Bugatti Veyron. Genauso strahlend und illuster wie Vega, die hell leuchtende Sternensonne des Polarhimmels, war die prominente Kundschaft der feinen französischen Tourensportwagen. Die Regisseure Louis Malle und Francois Truffaut fuhren ebenso Facel Vega wie Formel-1-Star Stirling Moss, der Schah von Persien, der König von Marokko oder Gaston Gallimarde, der Verleger des Literaturnobelpreisträgers Albert Camus. Camus wiederum bezahlte eine zu schnelle Fahrt im Facel seines Verlegers mit dem Leben. Nach nur 10 Jahren verschwand die französische Prestigemarke wieder, allerdings hinterließ Facel Vega einen endlosen Schweif an Legenden und Historie.

Jaguar XJ6, 1968. Bereits zu Beginn der 1960er Jahre zählte Jaguar zu den weltweit angesehensten Automarken. Für neue Absatzschübe sorgten der E-Type und eine zweite Stilikone des 20. Jahrhunderts: Auf dem Pariser Salon 1968 feierte der Jaguar XJ6 Weltpremiere. Mit atemberaubend schöner Formensprache und formidablen Sechszylindern attackierte der relativ preiswerte XJ die europäischen Oberklasselimousinen von Mercedes oder BMW – ab 1972 sogar mit einem standesgemäßen 5,3-Liter-V12-Motor.

Eine Zeitenwende in der Geschichte des Automobils und des Pariser Salons brachte das Jahr 1955. Die Präsentation der Citroën DS glich dem Auftritt einer technologischen Göttin der Zukunft (im Französischen klingt DS wie déesse, also „Göttin“). Weit über eine Million Salonbesucher wollten die flammende und futuristische Schönheit der Citroën DS bestaunen, die etwa in völligem Kontrast stand zu der parallel erfolgten Vorstellung des Peugeot 403 in schlichter Pininfarina-Eleganz. Die avantgardistische Citroën DS revolutionierte mit stromlinienförmiger Karosserie, neuartigem, fast frei schwebendem Kunststoffdach, hydropneumatischem Fahrwerk und außergewöhnlichen technischen Details die Autowelt und wurde zum einzigartigen Star des Salons: 750 Kundenbestellungen in den ersten 45 Minuten nach Vorstellung des Autos und 12.000 Bestellungen am Ende des ersten Messetages sind absoluter Rekord. Über 20 Jahre blieb die DS in Produktion, dann wurde der Citroën CX neuer Inbegriff der Avantgarde in der oberen Mittelklasse.

Text: Spot Press Services/Wolfram Nickel
Fotos: Autodrom Archiv

Scroll to Top