Daihatsu: Bye, Bye Copen! – Eine “Abschiedsfahrt”

Beitragsbild
Foto 1
Foto 2
Foto 3

Die erste Reaktion neugieriger Passanten, Freunde oder Bekannten lautete in der Regel: „Ach, ist der süß!“ Oder hübsch. Oder niedlich. Wie auch immer: Zustimmung allerorten und stets war ihm sicher. Und die zweite Reaktion lautete dann im Allgemeinen: „Ach, das ist aber schade. Warum denn?“. Von welchem Auto die Rede ist? Nun, von einem, das auffällt, weil es kaum auffällt. Weil es eben klein, unscheinbar, aber doch ungewöhnlich ist, ein Sympathieträger. Von einem Auto, dessen Produktion jetzt leider ausgelaufen ist, und das denn auch aus unserem Straßenbild verschwunden sein wird. Der Verkauf des Fahrzeugs ist in Deutschland allerdings bis Mitte 2011 sichergestellt. Also: Auf zu einer Abschiedstour im Herbst.

Wer wirklich auffallen wollte im immer uniformer werdenden Markt der kleinen und ganz kleinen Coupé-Cabrios, der offenen und halboffenen Lustfahrzeuge, der war mit diesem Bonsai-Cabriolet bestens bedient. Erstens, weil das Auto fast symmetrisch ist, im Prinzip also hinten wie vorn aussieht (abgesehen von dem zierlichen Heckspoiler), und zweitens, weil es bis vor wenigen Jahren auch auf unseren Straßen hierzulande ein echtes Alleinstellungsmerkmal hatte. Es gab den Daihatsu Copen (= Coupé + open) bis 2005 nur als Rechtslenker. Einerseits Problem, andererseits Herausforderung. Erst dann wurde der Bonsai-Roadster von der Toyota-Tochter bei uns als Linkslenker verkauft. Im Juli 2010 wurde die Produktion eingestellt. Aufwand und Ertrag standen wohl in keinem allzu günstigen Jahresverhältnis mehr.

Man mag, ja man muss dem Kleinen vieles verzeihen, um ihn wirklich lieb zu haben. Aber bei Autos ist das nun eben manchmal wie bei Kindern. Also kein böses Wort darüber verlieren, dass man schon mit 1,75 Meter Körpergröße permanent gegen den Frontscheiben-Rahmen blickt. Sich wundern ist auch nicht angesagt, wenn in den ersten zwei Minuten nach dem Einsteigen (oder sollte es besser heißen: „einschalen“) kein Mitarbeiter vom Kinderkarussell kommt, um die Fahrkarten zu entwerten. Bedenken, man könnte angesichts solcher Umstände jenseits der Grenze von etwa 50 km/h auf dem Asphalt Funken mit den Nieten der neuen Jeans schlagen, entbehren übrigens jeder Grundlage.

Um hier keinen falschen Eindruck unangebrachter Geringschätzigkeit aufkommen zu lassen: Der Copen gefällt durch eine tadellose Verarbeitung und Passgenauigkeit. Trotz viel Hartplastik erfreut er das Auge im Interieur mit roten Ledersitzen, Momo-Lenkrad und fein ziselierten Netzen in den Türen als Ablagen. In einer verschließbaren Ablage zwischen den Ellbogen der beiden Insassen befinden sich Hebel und Knopf zum Öffnen des Tankschlosses und des Kofferraums. Letzterer hat zwar bei geöffnetem Dach den Namen nicht verdient, mit dem Gepäck für den Wochenendausflug muss man sich sehr bescheiden. Zahnbürste, Kosmetika und etwas zum Wechseln der Sachen, die man auf der Hand trägt, das war's dann. Aber mit ein wenig trauter Zweisamkeit ist auch das zu schaffen, wo man doch schon während des Fahrens gefühlte Zweisamkeit nebeneinander genießt. Das Dach lässt sich im Übrigen nach dem unproblematischen Lösen zweier Griffe an den Dachholmen innerhalb von 30 Sekunden hydraulisch betätigen.

Beim Kurzstreckenverkehr in der City gibt der Copen schnell und genau Rückmeldung über den Zustand des kommunalen Straßenwesens und darüber, ob vielleicht nicht doch noch das ein oder andere löchrige Frost-Überbleibsel mit einer Schippe flüssigen Teers beseitigt werden könnte. Andersrum formuliert, könnte man natürlich auch sagen, dass das Fahrwerk straff und sportlich abgestimmt ist und den direkten Kontakt zur Fahrbahn vermittelt. Allerdings offenbart der Kleine einen erstaunlich hohen Grad an Verwindungssteifigkeit und verbittet sich als wohlerzogener Benjamin jegliches Knurren und Knarzen im Aufbau der Karosserie.

Da die Lenkung eine äußerst direkte Rückmeldung gibt, resultiert aus dem Conclusio von Dämpfung und Fahrwerk ein recht agiles Fahrverhalten, das eines gewissen Spaßfaktors nicht entbehrt. Es mangelt unserem schnuckeligen Rennbolzen zwar etwas an Traktion, allerdings untersteuert der offene Daihatsu auch in engen und flotten Passagen kaum. Seine Heimat liegt ganz eindeutig zwischen den Häusern, auf Kreis- und Landstraßen. Auf der „weiten Prärie“ der Autobahn macht er nicht nur keinen Spaß, aufgrund des kurzen Radstandes erfordert das Auto auch unnötig viele, kleinere Korrekturen am Lenkrad.

Gutgetan hat dem Copen ein neues vierzylindriges 1,3-Liter Aggregat mit 86 PS gegenüber dem ersten abgasaufgeladenen „Triebwerk“ mit 700 Kubik. Der Copen hängt gut am Gas, entlässt man das rechte Pedal ungezügelt in Richtung Bodenpatte, dann knurrt und bellt es laut und vernehmlich aus dem Motorraum. Das reicht dann zwar nicht für das ganz große Konzert der Top Acts, doch die japanische Boygroup der wild gewordenen Kolben vermittelt schon so etwas wie echten Wettkampfcharakter. Da (ohne Insassen) nur rund 800 Kilogramm bewegt werden müssen, erledigt der Roadster aus dem Reich der Kirschblüten den Sprint von Null auf Hundert in (laut Werksangaben) 9,5 Sekunden und schraubt sich auf 180 km/h (ohne Windschatten) empor. Spätestens dann aber ist es mit Lust und Laune vorbei.

Zum Schluss legt Daihatsu noch ein Abschiedsmodell für den deutschen Markt mit allerlei exklusivem Zubehör für 18.900 Euro auf. Da bleibt dann mit einer kleinen Träne im Knopfloch nur noch zu sagen: „Sayonara!“

Text und Fotos: Jürgen C. Braun

Scroll to Top